Mehrjährige Haftstrafen verhängt Bande stahl Autos, zerlegte sie in Einzelteile und verkaufte diese

Bonn · Vier Mitglieder einer Bande müssen in Haft. Das Bonner Landgericht sah ihre Beteiligung am Diebstahl von 67 hochwertigen Autos als erwiesen an, die anschließend in Einzelteile zerlegt und so verkauft wurden.

 Fahrzeuge mit „Keyless“-Systemen waren bevorzugte Diebesobjekte der Bande.

Fahrzeuge mit „Keyless“-Systemen waren bevorzugte Diebesobjekte der Bande.

Foto: dpa/Uli Deck

Vier Mitglieder einer Autoteile-Bande, die zwischen September 2019 und September 2020 in der gesamten rechtsrheinischen Region vom Bergischen Land über Bonn bis in den Westerwald ihr Unwesen getrieben hatte, sind vor dem Bonner Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Männer im Alter von 30, 32, 26 und 29 Jahren müssen für fünf Jahre und drei Monate, sechs Jahre, vier Jahre beziehungsweise zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die 10. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Marc Eumann befand sie unter anderem des schweren Bandendiebstahls in insgesamt 67 Fällen für schuldig. Das Gericht ordnete zusätzlich die Einziehung von fast zwei Millionen Euro als Taterträge an, 954.000 Euro beziehungsweise 1.723.000 Euro sollen allein die beiden 30 und 32 Jahre alten Haupttäter zahlen. Gegen zwei weitere Mitangeklagte wurden die Verfahren eingestellt, weil ihr Tatbeitrag gering war.

Hochwertige Autos gestohlen und zerlegt

Die Masche der Bande war simpel und einträglich: In wechselnder Kombination stahlen die Beteiligten hochwertige Autos der Marken BMW und Mercedes, um sie anschließend in mehreren eigenen Werkstätten zu zerlegen und die Einzelteile gewinnbringend zu verkaufen. Gemeinsam war so gut wie allen Fahrzeugen, dass sie mit einer schlüssellosen Öffnungstechnik wie wie „Keyless Go“ oder „Keyless Entry“ ausgestattet waren.

Für ihre Diebeszüge nutzten die Bandenmitglieder die Tatsache, dass viele Autobesitzer ihre Schlüssel nahe der Eingangstür zu ihrer Wohnung aufbewahren. Während ein Täter sich vor dem zu stehlenden Wagen postierte, suchte ein anderer mit einem selbstgebautem Scanner nach dem Signal des Schlüssels vor dem Haus des jeweiligen Besitzers. Den Code reichten sie mit einem Funkstreckenverlängerer weiter, starteten den Motor und brachten die Wagen in eine von drei Zerlegewerkstätten im Bergischen Land oder im Westerwald.

Drei Täter werden im Juni gestellt

Viele der Taten spielten sich unter den Augen der Polizei ab: Die Ermittler in NRW und Rheinland-Pfalz hatten die Bande nämlich nach Hinweisen schon länger auf dem Kieker. Nachdem im vergangenen Juni bereits drei Bandenmitglieder geschnappt und wenig später vom Amtsgericht im Rheinland-Pfälzischen Betzdorf verurteilt worden waren, bekamen es zumindest die beiden nun verurteilten 30 und 32 Jahre alten Haupttäter ebenfalls mit der Angst zu tun. Hatten sie bislang die Leitung der Diebeszüge gemeinsam in der Hand, führte der Ältere nun mit dem 26-Jährigen die Geschäfte fort. Der 30-Jährige - ein Kasache, der mit einem gefälschten tschechischen Pass in Deutschland lebte - setzte sich zunächst ab.

„Wir haben hier vier sehr geständige Angeklagte gehabt, unter ihnen aber auch einen sehr, sehr sehr Geständigen“, brachte Richter Eumann die Kooperationsbereitschaft des 32-Jährigen auf den Punkt. Der Mann hatte alle drei Werkstätten angemietet, in denen die Autos wie er es ausdrückte „geschlachtet“ wurden. Und dank dessen äußerst detailreicher Schilderungen konnte die Kammer ein gutes Bild der Verbrechen gewinnen.

Zu Anfang hatten sich die Diebe noch gefreut, als sie zum Beispiel einen BWW X6 mit goldenen Felgen in die Werkstatt rollen konnten. Mit wachsender Professionalität entdeckten sie dann aber, dass exotische Farben wie Imolarot oder speziell folierte Karrosserieteile extrem schlecht an den Mann zu bringen sind. Auch die neuesten Motoren waren nicht sonderlich gefragt. Erst Modelle, bei denen die Händlergarantie abgelaufen ist, ließen sich auf dem Schwarzmarkt gewinnbringend veräußern.