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Kunst!Rasen in Bonn: BAP gab Drei-Stunden-Konzert

Kunst!Rasen in Bonn : BAP gab Drei-Stunden-Konzert

Dieser Abend hätte Dunkelheit verdient gehabt. Die Dunkelheit, die die Menschen für jeden Ton, jedes Wort, jedes Licht, jede Stimmung offen macht. Es hätte eine jener Nächte werden können, die unvergesslich bleiben. Aber um 22 Uhr musste das Konzert von BAP auf dem Bonner Kunst!Rasen ein Ende haben. Die Lärmschutzbestimmungen verlangen es.

Einem schönen und mitreißenden Abend bleibt so die letzte Magie versagt. Da helfen auch keine Wunderkerzen. Nur der Wettergott hat ein Einsehen. Es bleibt trocken. "Ne schöne Jroos", der zweite Titel des Abends - eigentlich ein nach oben gereckte Finger für alle unfehlbar Selbstgerechten - ist auch ein Dankeschön an "den da oben".

Wolfgang Niedecken ist froh, wieder in Bonn zu sein. In Rheinbach war er ins Internat gegangen, in der Region hatte er seine ersten Gehversuche als Rockmusiker unternommen. Wenn es nicht den 1. FC Köln gäbe, würde er keinen Unterschied zwischen Bonn und Köln machen.

Für den FC schreibt er Lieder ("Woröm dunn ich mir dat eijentlich ahn?"), widmet einem seiner besten Spieler einen Song. "Nix wie bisher" singt er für den kürzlich verstorbenen Mittelfeldgott Heinz Flohe. Man fühlt die Trauer um einen Teil Fußball-Geschichte, die mit ihm untergegangen ist.

[kein Linktext vorhanden]Heimatverbundenheit hat bei BAP nicht den Beigeschmack von Gefühlsduselei und klebriger Sentimentalität. Heimat ist der Stoff für die großen und kleinen Geschichten. Auch wenn das bluesige "Leopardefellhoot" und die Ballade "Vill passiert sickher" vom großen Vorbild Bob Dylan stammen.

Am Ende des Konzertes kommt Niedecken auf seine eigenen "Einschläge" zu sprechen. Im November 2011 erlitt er einen Schlaganfall. Andere, bei denen er es nicht für möglich gehalten hatte, waren gegangen. Er hatte Glück, mehr noch, ein "medizinisches Wunder" ließ ihn seine Sprache wiedergewinnen.

Heute ist er wieder der Alte, nur die Augenränder sind größer geworden. 6000 Zuschauer freuen sich mit ihm über seine BAP-Crew, die mit Geigerin Anne De Wolff alte und neue Lieder frisch und nachdenklich wie früher zelebrieren. Wolfgang Niedecken redet viel. Ein wenig zu viel für ein Rockkonzert.

Zum Glück hat er mit dem eher einsilbigen Ostfriesen Helmut Krumminga nicht nur einen guten Gitarristen an seiner Seite, sondern auch einen Typen, der mit seiner rotzigen Ausstrahlung eine coole Attitüde in die Band bringt. Ein ums andere Mal finden seine diversen Gitarren genau den richtigen Ton. Michael Nass an der Orgel, Werner Kopal am Bass und Jürgen Zöller am Schlagzeug setzten pointiert Akzente.

Das letzte Drittel des Konzerts wird frenetisch bejubelt. Es erlebt mit "Jraduus" einen letzten Höhepunkt, als sich die Instrumente von Gitarrist Krumminga und Geigerin De Wolff wie Liebende ineinander verschlingen. Fast zeitgleich steht ein anderer Überlebender, dem fünfzig Jahre Rockmenagerie nichts von seiner frischen Ausstrahlung genommen haben, auf der Bühne: Mick Jagger. Anders als BAP in Bonn können die Stones im englischen Glastonbury die Dunkelheit nutzen, um den alten Glanz in neuen Farben erleuchten zu lassen.