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Beethoven Orchester: Bonn verlängert Vertrag mit Dirk Kaftan

Chef des Beethoven Orchesters bleibt : Bonn verlängert Vertrag mit Dirk Kaftan

Der beliebte Generalmusikdirektor Dirk Kaftan macht bis 2027 weiter. Der Stadtrat kippt mit der Vertragsverlängerung eine Sparvorgabe für das Orchester, die seit 13 Jahren nicht umgesetzt worden ist.

Dirk Kaftan macht weiter. Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger will den Fünfjahresvertrag mit dem Generalmusikdirektor verlängern. In einer nicht-öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses haben die Fraktionen ihren Vorschlag am  Mittwochabend mehrheitlich abgesegnet. Die Abstimmung im Rat am 1. September dürfte damit nur noch Formsache sein. Gleichzeitig versucht die Dezernentin, eine alte Sparvorgabe für das Beethoven Orchester zu kippen.

Orchester kooperiert mit den Vereinten Nationen

Kaftans Vertrag als Leiter des Orchesters und des Musikbetriebs in der Oper läuft bis Juli 2022 und soll nun bis 2027 verlängert werden. Die vertrauliche Vorlage der Dezernentin ist voll des Lobes für den 49-Jährigen. Unter seiner Führung habe das Orchester mit frischen künstlerischen Impulsen neue Zielgruppen begeistert und mit innovativen Konzertformaten besonders das junge Publikum angesprochen. Die Zuschauerzahlen seien „deutlich“ gestiegen. Kaftan scheut sich nicht, klassische Musik an ungewöhnliche Orte zu tragen. Sein Orchester spielte in einem Zelt auf Pützchens Markt ebenso wie in der Wohnwagen-Halle des Basecamps in Dottendorf.

„Das Beethoven Orchester besitzt Ausnahmepotenzial“, erklärt Kaftan seine Motivation, das Engagement in Bonn fortzusetzen. Das Publikum sei begeisterungsfähig und er habe sich in die Stadt verliebt. Mit seinen Musikern will Kaftan eine „Hybridkultur-Vision“ verwirklichen und zum „Orchester der Zukunft“ werden. Beethoven bleibt auch nach dem Jubiläumsjahr 2020 ein großes Thema für den Dirigenten, es steht eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen bevor, und er denkt über eine Orchesterakademie für Nachwuchstalente nach – in Kooperation mit Partnern wie dem Beethovenfest und dem städtischen Theater. Auch dass die Sanierung der Beethovenhalle sich noch bis 2024 zieht und das Orchester nach Ersatzspielorten suchen muss, schreckt Kaftan nicht ab. „Wir kommen klar“, sagt er. „Und das Publikum kommt mit.“

Zahl der Orchesterstellen nicht reduziert

Ein heikles Thema soll im Zusammenhang mit dem neuen Vertrag offenbar erledigt werden. Schon 2007 hatte der Rat beschlossen, die Zahl der Orchesterstellen von 106 auf 100 zu reduzieren – was aber nie passiert ist. In seinem laufenden Vertrag hat Kaftan diese Vorgabe zwar noch stehen, mit der Verlängerung soll der Rat aber den Sparbeschluss aufheben. Eine Verkleinerung auf 100 Stellen hätte „eine komplette Umstrukturierung der führenden Positionen“ in den Instrumentengruppen zur Folge, schreibt die Kulturdezernentin in ihrer Beschlussvorlage. Kaftans Aufgaben – „Konzert, Musiktheater, Tonträger, Tourneegeschäft“ – seien nur erfüllbar, wenn das Orchester weiter Parallelproduktionen spiele. Die Auslastung der Musiker liege schon „an der tarifrechtlichen Höchstgrenze“.

Laut Stadtverwaltung hat das Orchester in den vergangenen Jahren nicht alle 106 Stellen besetzt. „Faktisch waren es zwischen 99 und 105 Stellen“, berichtet Kaftan. Zeitverträge hätten wegen der Kürzungsvorgabe immer wieder gekündigt werden müssen. Mit dem neuen Vertrag gibt die Stadt dem Generalmusikdirektor auf den Weg, maximal 103,5 Stellen zu besetzten. „Das ist die Grenze“, betont Kaftan. „Ein Weniger, das ich verantworten kann.“ Diese 3,5 Stellen, die über die 100 des Sparbeschlusses hinausgehen, kosten laut Stadt rund 320.000 Euro im Jahr. Da die Maßnahme im  Haushaltssicherungskonzept (HSK) der klammen Kommune steht, kündigt die Kulturdezernentin in der Vorlage eine Kompensation an — „eventuell Ertragserhöhungen“, also höhere Einnahmen des Orchesters.

Vertraglichen Anspruch auf sofortige Entscheidungen

Widerstand gegen die Aufhebung des Sparbeschlusses kommt vom Bürger Bund Bonn. „Wir finden es bezeichnend, dass er in nicht-öffentlicher Sitzung durch die Hintertür aufgehoben werden soll“, sagt BBB-Kultursprecher Johannes Schott. Außerdem solle die Entscheidung über die Vertragsverlängerung dem neuen Rat nach der Wahl überlassen werden. Schott: „Falls der Beschluss nicht vertagt wird, werden wir nicht zustimmen.“ Kaftan hat nach eigenen Angaben einen vertraglichen Anspruch auf eine sofortige Entscheidung.

Seine Vergütung bleibt bei 160.000 Euro im Jahr. Pro Spielzeit muss er 40 Dirigate absolvieren. Zusatzhonorare sind für weitergehende Leistungen vereinbart: für jede zusätzliche Konzerteinstudierung (Probewoche und Konzert) gibt es zum Beispiel 6500 Euro, für jede weitere Oper (Proben und Premiere) sind es 13.000 Euro. Für besondere Projekte, die „Teil der Zukunftsstrategie für die künftige städtische Beethovenpflege“ sind, erhält der Generalmusikdirektor je 10.000 Euro aus dem künstlerischen Budget des Orchesters.