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Notizen aus B.: Beethoven

Notizen aus B. : Beethoven

Schmerzlich lehrt uns die Geschichte, dass in Berlin der Karren in den Dreck gefahren wird, und die Bonner ihn wieder herausholen. Im Keller der Friedrich-Ebert-Stiftung erinnert daran ein bedrückendes Mahnmal, das beinahe aussieht wie 30 Aktentaschen von Herbert Wehner.

Schon vor 150 Jahren kamen Massen von Hohenzollernprinzen wegen der Ersti-Partys an den Rhein. Und für Erich Honecker war hier später immerhin ein warmes Abendessen im Bristol drin – und, als Dessert, zwei Jahre Galgenfrist. Kaum steht man nun in Berlin außenpolitisch tief im Abseits, da schlägt erneut die Stunde kluger Bonner Diplomatie. Von der ratlosen Weltgemeinschaft unbemerkt haben die Bürger für Beethoven und die Bonner Geografische Gesellschaft ihre friedvolle Hand an den Globus gelegt und entdeckt: 700 Straßen und Plätze zwischen Karibik und Kamtschatka tragen den Namen des größten Sohnes dieser Stadt. Die nördlichste liegt Fernweh weckend – als Úlitsa Bethkovena – tief in Russlands Weiten.

Dass die Welt ein Dorf und Bonn eine Kugel ist, hatte unsereins in jüngeren Jahren schon manchmal im Bus nach Poppelsdorf geahnt. Bis heute vertreten die Fahrer der SWB unbeirrt die These, dass die Beringstraße nicht nur Sibirien und Alaska, sondern sogar Meckenheimer Allee und Kreuzbergweg verbindet. Warum in Bonn indes keine Straße, sondern nur ein Platz, ein Ring und eine „Freiheit“ nach der Bundeshauptstadt benannt sind, hat interessanterweise noch nie jemand hinterfragt. Vielleicht kümmern sich ja unsere Bundestagsabgeordneten mal darum. Ein bekannter Bonner Unternehmensberater schrieb dieser Tage im GA: „Ob ihre Macht in Berlin ausreicht, lasse ich als Frage offen.“ Also, wenn das jetzt kein Ansporn ist, uns Bonner zu beeindrucken...