1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Beethovenhalle Bonn: Stadt warnt vor noch mehr Kosten

Fertigstellung bis 2024 gefährdet : Stadt Bonn warnt: Beethovenhalle könnte noch teurer werden

Es kommt wohl noch schlimmer, als bisher befürchtet: Sowohl die Inbetriebnahme 2024 als auch die Kostengrenze von 166 Millionen Euro wackeln. Oberbürgermeisterin Dörner schaltet sich in das Krisen-Projekt ein.

Die Modernisierung der Beethovenhalle gerät immer stärker ins Trudeln. Selbst der massiv verschobene Fertigstellungstermin im Jahr 2024 wackelt jetzt, wie Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Donnerstag verkünden ließ. „Die Fertigstellung im Rahmen der bisherigen Kosten- und Terminziele ist nach aktuellen Erkenntnissen unter Beibehaltung der aktuellen Rahmenbedingungen gefährdet“, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Klartext: Auch die bisherige Kostenobergrenze von schlimmstenfalls 166 Millionen Euro droht, noch weiter überschritten zu werden. Ursprünglich sollte die Sanierung und Erweiterung der denkmalgeschützten Halle 61 Millionen Euro kosten und bis 2019 abgeschlossen sein.

Noch Ende 2020 hatte das zuständige Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) erklärt, der Termin- und Kostenplan sei nicht gefährdet. Ende Februar hieß es dann aus der Stadtverwaltung, man arbeite „mit Hochdruck“ daran, beides zu halten. Doch wie berichtet hakt es an entscheidenden Punkten: Weder die Architekturplanung ist abgeschlossen, noch die Planung für die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) wie Heizung und Klimaanlage. Das verursacht Störungen des Bauablaufs.

Oberbürgermeisterin Katja Dörner und ihr Bürochef David Thyssen haben seit dem 5. März „intensive Gespräche“ mit SGB-Chef Lutz Leide und dem Fachbüro Karl Heinz Schütz und Partner (KHSP) über das Projekt geführt. So steht es in einer neuen Mitteilungsvorlage der Verwaltung für den Rat. Ergebnis ist die Risikowarnung vom Donnerstag. KHSP hatte die Krisenbaustelle vor einem Jahr analysiert und Probleme benannt. Leide wollte versuchen, die Störungen im Bauablauf bis Ende 2020 zu beheben. Das ist nicht gelungen.

„Wesentliche Probleme konnten nicht aufgelöst werden“, schreibt das Presseamt nun. „Die nicht abgeschlossene Planung führt weiterhin zu einer Leistungslücke, die sich zunehmend auf den Projektablauf auswirkt. Dadurch verliert auch die Projektsteuerung zunehmend an Effektivität.“ Die Projektsteuerung liegt bei der Firma Drees & Sommer. Das SGB hat eine eigene Projektgruppe, die Bauherrenfunktionen erfüllt. Es gibt beim SGB zudem ein internes Risikomanagement - aber wohl ohne Effekt für die Beethovenhalle: „Der aktuelle Stand wird noch nicht zu einem aktiven Management genutzt“, schreibt die Stadtverwaltung.

Sowohl das Architektenbüro Nieto Sobejano (Projektplaner) als auch das Büro Kofler (TGA-Planer) haben laut Stadt bisher nicht vollständig geliefert. Das verzögere die Bauleistungen der ausführenden Firmen. Die Verwaltung räumt allerdings ein, dass der Projektumfang „im Vergleich zum ursprünglichen Auftrag geändert“ worden ist. Das ist eines der Grundprobleme dieser Sanierung: Die Stadt startete sie 2016 ohne abgeschlossene Planung und ohne ausreichende Untersuchung des Untergrundes, weil die Zeit bis zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 drängte.

Mit den Planern streitet die Stadtverwaltung derzeit über das Honorar. „Bezüglich vorliegender Nachträge konnte an wesentlichen Stellen hinsichtlich der Höhe der Vergütung keine Einigkeit hergestellt werden“, heißt es in der Mitteilungsvorlage. Und weiter: „Die aktuelle vertragliche Situation führt zu einer Leistungslücke, die sich zunehmend auf den weiteren Projektablauf auswirkt.“ Das klingt nach einer Blockade-Situation.

SGB-Betriebsleiter Leide erarbeite jetzt einen Vorschlag für das weitere Vorgehen, so das Presseamt. Eine Vorlage dazu könnte er in der nächsten Sitzung des Projektbeirats Beethovenhalle am 21. April einbringen. Oberbürgermeisterin Dörner wolle „mit externer Unterstützung die Erarbeitung der Lösungsvorschläge intensiv begleiten“.