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Beethovenhalle in Bonn: Auftragnehmer wollen mehr Geld

Pannenbaustelle in Bonn : Auftragnehmer fordern mehr Geld für die Sanierung der Beethovenhalle

Architekten, Projektsteuerer und Planer verlangen Zuschläge für die Sanierung der Beethovenhalle in Bonn, die sich bis 2024 hinzieht. Wo das Beethovenfest ab 2021 stattfindet, ist unklar.

Zwei Hauptakteure der Beethovenhallensanierung verlangen mehr Geld von der Stadt. Sowohl das Architektenbüro Nieto Sobejano Arquitectos (NSA) als auch der beauftragte Projektsteuerer Drees & Sommer wollen Honorarzuschläge, wie aus einer vertraulichen Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung hervorgeht, die am Donnerstagabend auf der Tagesordnung des Rates stand.

Die Sanierung des Baudenkmals wird sich wie berichtet bis Mitte 2024 hinziehen. Dem Berliner Büro NSA hat die Stadt seit Baubeginn Ende 2016 immer wieder mangelhafte Planungen und Zeitverzug vorgeworfen. Trotzdem wollen die Architekten jetzt mehr Geld. NSA sei der „Auffassung, dass das Bauvorhaben aufgrund seiner zwischenzeitlich erreichten Komplexität in eine höhere Honorarzone einzuordnen sei“, heißt es in der Vorlage aus dem Oktober. Man habe sich geeinigt, einen Honorargutachter als unabhängige Instanz einzuschalten.

Neue Bauleitung der Beethovenhalle stellt Terminplan auf

Auch Drees & Sommer, beauftragt mit der Koordination der Projektbeteiligten sowie der Kontrolle der Pläne, Kosten und Ausschreibungsunterlagen, drängt auf höheres Honorar. Im Streit um Stundenaufwand und vereinbarte Honorarpauschale habe die Firma ihre Leistungen eingeschränkt, schreibt die Stadt. Aus Sicht des Städtischen Gebäudemanagements Bonn (SGB) sei das für das „Projekt problematisch“. Drees & Sommer mache „eine weitergehende Leistungserbringung von einer Einigung“ abhängig. Trotzdem will die Stadt den Projektsteuerer bei der Stange halten, weil bei einem Ausstieg der Kölner Firma mit weiterem Verzug von „mindestens einem Jahr“ zu rechnen sei. Vermutlich endet auch dieser Disput mit einem Vergleich – so wie bei der Kofler Energies Ingenieursgesellschaft aus Frankfurt/Main. Dem Planer der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) zahlt die Stadt wegen Mehraufwands für Umplanungen zusätzlich 625.000 Euro, wie aus den Ratsunterlagen ersichtlich ist. Medienanfragen bei den Firmen sind fruchtlos, weil die Kommune ihre Auftragnehmer offenbar zum Stillschweigen verpflichtet hat.

Die Abbrucharbeiten im Haupttrakt und Anbau sind erledigt.Stadtdirektor Wolfgang Fuchs streute in der Sitzung des zuständigen Projektbeirats am Mittwochabend Zweifel an den Leistungen des Projektsteuerers Drees & Sommer. Dieser habe noch vor wenigen Monaten das Jahr 2022 als Fertigstellungstermin genannt. „Auch die Rolle des Projektsteuerers wird überprüft“, kündigte Fuchs an. Hintergrund: Die Stadt hat zusätzlich das Fachbüro KHSP unter Vertrag genommen, das bis Jahresende eine Analyse des Bauprojekts vorlegen soll.

Abbrucharbeiten im Haupttrakt und Anbau der Beethovenhalle in Bonn fertiggestellt

Probleme gibt es mit dem Kuppeldach, dessen neue Dämmung mangelhaft ist. Die Kupfereindeckung wird deshalb wohl erst im  Frühjahr aufgebracht werden. Das Thema sei aber weder zeit- noch kostenkritisch, erläuterte Georgia Weiß, die neue SGB-Projektleiterin für die Beethovenhalle. Mehrkosten seien dagegen bei der Klinkerfassade an der Nordwand zu erwarten, deren Fugen verrottet seien. Auf einem „kritischen Pfad“ sind Weiß zufolge die Arbeiten im Großen Saal, die durch das notwendige gewaltige Raumgerüst behindert werden. Das SGB geht weiter davon aus, dass die Gesamtkosten von ursprünglich 61 Millionen schlimmstenfalls auf 166 Millionen Euro steigen. „Wichtig ist, dass es jetzt keine Planänderungen mehr gibt“, betonte Weiß.

Die guten Nachrichten: Die Abbrucharbeiten im Haupttrakt und Anbau sind erledigt. Die Betonarbeiten im Studio (Umfassungswände, Zwischenwände, Zwischendecken für Technikräume) sind weitgehend abgeschlossen. Der Rohbau des unterirdischen Technikbauwerkes steht. Die gekündigten Gewerke Raumlufttechnik sowie Heizungs- und Kälteinstallation sind neu beauftragt, die Firmen arbeiten bereits. Zufrieden ist man bei der Stadt zudem mit dem neuen Bauleitungsbüro Leitwerk AG, das die Architekten im Sommer engagiert haben. Dort wird auch der neue Terminplan erstellt, der jetzt bis Mitte 2024 reicht.

Bis dahin werden Beethovenfest und Beethoven Orchester weiter Ausweichspielstätten brauchen. „Natürlich stellen wir die Oper auch in den kommenden Jahren gerne für die Konzerte des Beethoven Orchesters zur Verfügung und sprechen mit der künftigen Intendanz des Beethovenfestes“, sagte Generalintendant Bernhard Helmich am Donnerstag. „Voraussetzung ist immer, dass die fortschreitenden Arbeiten an unserem Gebäude dies erlauben.“ Denn auch die Oper hat dringenden Sanierungsbedarf. Das Beethovenfest hat im nächsten Jahr noch einmal  das World Conference Center Bonn gebucht. „Für die Folgejahre bestehen keine Reservierungswünsche“, erklärte WCCB-Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage, „so dass die Fertigstellung der Beethovenhalle in 2024 keine Auswirkungen auf das Konferenzzentrum hat.“