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Beethovenhalle in Bonn: Sanierung wird erst 2024 beendet sein

Halle wird erst 2024 fertig : Stadtdirektor garantiert bei Beethovenhalle „für nichts mehr“

Die Sanierung der Beethovenhalle wird noch länger dauern als befürchtet. Die Stadt rechnet mit der Fertigstellung erst Mitte 2024.

Die Kommunalpolitiker ahnten Böses, als sie sich am Mittwoch um 18 Uhr im Ratssaal niederließen. Es war eine Sondersitzung des Projektbeirates zur Sanierung der Beethovenhalle. Die SPD hatte sie beantragt, nachdem Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Stadtdirektor Wolfgang Fuchs die reguläre Sitzung im November urplötzlich abgesagt hatten, weil der neue Terminplan für die Baumaßnahmen noch nicht abgestimmt sei.

Im besten Fall kostet Sanierung 134 Millionen

Und die Ahnung trog nicht: Diesmal räumte Fuchs, der die politische Projektverantwortung trägt, eine weitere, deutliche Verzögerung ein. Die Sanierung werde wahrscheinlich erst Mitte 2024 beendet und die Halle nach der Sommerpause 2024 bespielbar sein. Hintergrund sei der Bauzeitenplan, den die Bauleitung vor Ort überarbeitet habe. Diese ist vom Architektenbüro NSA im Juli 2019 unter Vertrag genommen worden, nachdem man sich vom vorigen Subunternehmer getrennt hatte.

„Der Grund für die Absage der Sitzung vor zwei Wochen gilt unverändert: Wir können noch keinen mit allen Beteiligten abgestimmten Terminplan vorstellen“, so Sridharan. Noch fehlen Zuarbeiten des Fachplaners für die Technische Gebäudeausrüstung (TGA), der im Streit um Honorar offenbar kurzzeitig aus dem Projekt ausgestiegen war. Ein finanzieller Vergleich mit der Firma steht am Donnerstag auf der nichtöffentlichen Tagesordnung des Rates. Ab Januar solle die fehlende Abstimmung mit dem Fachplaner „mit Hochdruck“ erfolgen, erklärte eine Mitarbeiterin des Städtischen Gebäudemanagements Bonn (SGB) in der Sitzung. Erst danach will die Stadtverwaltung einen genaueren Fertigstellungstermin für die denkmalgeschützte Halle nennen – in der nächsten Beiratssitzung im März 2020.

Auch dass mehrere Technikfirmen wegen des Zeitverzugs auf der Baustelle ihre Aufträge gekündigt haben, hat den bisherigen Terminplan über den Haufen geworfen. Zuletzt war die Stadt, wie berichtet, trotzdem davon ausgegangen, dass die Arbeiten 2022 abgeschlossen würden. Selbst das wäre schon vier Jahre nach dem ursprünglichen Termin Ende 2018 gewesen. Die erneute Verzögerung wird herbe Auswirkungen auf das Beethovenfest, das Beethoven Orchester Bonn sowie Oper und WCCB als Ersatzspielstätten haben.

Die Stadt bleibt bei ihrem „Worst Case“-Szenario, nach dem die Sanierung schlimmstenfalls 166 Millionen Euro kosten wird – statt ursprünglich veranschlagter 61 Millionen. Im günstigsten Fall seien es aus heutiger Sicht 137 Millionen Euro, also mehr als doppelt so viel wie vorgesehen. Die Ursachen seien vielschichtig, sagte der neue SGB-Chef Lutz Leide in der Sitzung: „Ich sehe eine Vielzahl von Gründen, die unglücklich ineinander gegriffen haben.“ So sei auch das Controlling des Projektes mangelhaft gewesen. Stadtdirektor Fuchs zeigte sich „betroffen“ von der Verzögerung auf der Baustelle. „Ich hoffe immer noch, dass nicht alles schief geht, was schief gehen kann“, sagte er. Auf die sarkastische Frage von Bernhard Wimmer (Bürger Bund), ob Fuchs versprechen könne, dass die Halle wenigstens zu Beethovens 200. Todestag im Jahr 2027 bespielbar sei, antwortete der Stadtdirektor: „Ich garantiere für  nichts mehr.“