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Bonner Histörchen: Die „Badewanne“ fand kein Gefallen : Beethovens Denkmal für die Ewigkeit

Bonner Histörchen: Die „Badewanne“ fand kein Gefallen : Beethovens Denkmal für die Ewigkeit

Beethovens Ewigkeitsdenkmal hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich sollte zum 100. Todestag des Komponisten ein monumentales Werk entstehen. Heraus kam „Beethoven in der Badewanne“, wie die Bonner die Skulptur leicht amüsiert betitelten.

Die Feierlichkeiten zu Beethovens 100. Todestag waren 1927 der Anlass, über ein weiteres Denkmal für den berühmten Bonner nachzudenken. Unter den 50 Fotos, die in der aktuellen Ausstellung des Stadtmuseums, „50 Objekte – 50 Fotos“, das 20. Jahrhundert in Bonn dokumentieren, ist auch eine Aufnahme von der Aufstellung des ruhenden Beethovens des Berliner Bildhauers Peter Christian Breuer zu sehen. Mit der Sitzplastik wollte man „dem unsterblichen Meister in der rheinischen Heimat durch ein Denkmal in bisher nicht erreichtem Ausmaße“ huldigen. Aus dieser Formulierung ließ sich die Kritik des damaligen Zeitgeistes erkennen, der das Denkmal vor dem Fürstenberg-Palais, das 1877 zum Bonner Hauptpostamt wurde, despektierlich zum „Postvorsteher von Bonn“ machte.

In seinem ursprünglichen Entwurf sollte das „Beethoven-Ewigkeits-Denkmal“ ein monumentales Werk sein, in dem der steinerne Beethoven vor einer zwölf Meter hohen Stele saß, die mit figürlichen Darstellungen aus seiner 9. Symphonie verziert werden sollte. Aber das Großprojekt setzte sich nicht durch. Auch für die zunächst geplante Aufstellung auf dem Venusberg fanden sich nur wenige Befürworter. Die Stadt Bonn signalisierte zwar ihr Wohlwollen, ohne dabei jedoch die erwarteten finanziellen Zusagen zu machen. Erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten bewegte sich etwas.

Der monumentale Entwurf entsprach dem Kunstgeschmack dieser Zeit. Für den Durchbruch sorgte letztlich eine Spende des „Führers“, mit der eine auf den ruhenden Beethoven reduzierte Version realisiert werden konnte. Ob die Stadtverwaltung von dieser Förderung begeistert gewesen war, sei heute nicht mehr zu ermitteln, bedauert Historiker Horst-Pierre Bothien als Kurator der Ausstellung.

Man fand für das Denkmal im Stadtpark neben dem Alten Zoll einen „vorläufigen Ort“, wie es Bonns nationalsozialistischer Oberbürgermeister Ludwig Rickert bei der Einweihung am 18. Dezember 1938 formulierte. Tatsächlich verblieb das „Ewigkeitsdenkmal” dort nur elf Jahre. 1949 führten Proteste dazu, das „Kind der Nazizeit” zu entfernen. Das abfällig, „Beethoven in der Badewanne” genannte Denkmal verschwand für nahezu vier Jahrzehnte im Bauhof der Stadt, bis es 1977 in der Rheinaue in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parkrestaurant wieder zur Aufstellung kam. „Die Bundesgartenschau hatte 1979 eine Attraktion mehr, wenn auch die kritischen Stimmen nicht verstummten, die meinten, man könne ein solches Kunstwerk mit seiner spezifischen Geschichte nicht unkommentiert in einen Freizeitpark aufstellen“, so Bothien.

In loser Reihenfolge stellen wir hier Exponate der Ausstellung „50 Objekte – 50 Fotos - Eine Zeitreise durchs 20. Jahrhundert“ vor, die noch bis zum 18. Oktober im Bonner Stadtmuseum an der Franziskanerstraße zu sehen sind. Von Kurator Horst-Pierre Bothien ist in der Schriftenreihe des Stadtmuseums das Buch, „Bonn im 20. Jahrhundert“ erschienen. Morisel Verlag, 144 Seiten, 19,90 Euro.