Berufsbetreuerin Anna Kukuk "Begleiten, wenn das Schicksal es fordert"

BONN · Für Petra S. (Name geändert) beginnt ein besonderer Tag. Die 22-Jährige trifft ihre Betreuerin Anna Kukuk auf dem Bonner Bahnhof. Die beiden haben einen Termin in einer Kanzlei. Petra S. geht freiwillig in die Privatinsolvenz.

 Die Sozialpädagogin Anna Kukuk arbeitet seit zwei Jahren als gerichtlich bestellte Betreuerin.

Die Sozialpädagogin Anna Kukuk arbeitet seit zwei Jahren als gerichtlich bestellte Betreuerin.

Foto: Brigitte Papayannakis

"Der Entschluss war schwierig, aber es ist ein Stück zurück zur Normalität", sagt die junge Frau leise. "Du hast in den vergangenen Monaten viel geschafft. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt", antwortet Kukuk.

Die dreifache Mutter Petra S. lebt seit einem Jahr in einem Mutter-Kind-Haus in Bonn. Zwei Kinder wohnen bei ihr, das dritte ist in einer Pflegefamilie untergebracht. "Sie hat 2012 die elterliche Aufsichtspflicht verletzt, ihre Kinder unbeaufsichtigt in der Wohnung gelassen. Hinzu kamen Schulden und eine Depression. Die Väter der Kinder kümmerten sich kaum. Sie hat es schwer", meint Kukuk.

Ein Gericht in Königswinter hatte die rechtliche Betreuung 2012 angeregt. Es wurde zunächst ein amtsärztliches Gutachten eingeholt, dem folgte ein Anhörungstermin mit der Betroffenen. "Das ist der übliche Weg. Man prüft, ob die Betreuung notwendig ist. Der Betroffene lernt zudem den Betreuer kennen und entscheidet, ob es passt", so Kukuk.

Die ausgebildete Sozialpädagogin und zertifizierte Qualitätsbeauftragte ist seit zwei Jahren als Berufsbetreuerin tätig. Über ihre Sozialdiensttätigkeit in einer Bonner Krebsklinik lernte die 33-Jährige den Berufszweig kennen.

Bei der Bestellung für Petra S. übertrug das Gericht Anna Kukuk die Aufgabenkreise der Gesundheits- und Vermögenssorge und behördliche Angelegenheiten. "Das sind die üblichen Aufgaben", erklärt sie. "Wir haben eine gewisse Kontrollfunktion, bezahlen Rechnungen, suchen Behörden gemeinsam mit den Betroffenen auf und unterstützen sie bei Anträgen. Wir kommen zum Einsatz, wenn Probleme vorliegen, die Betroffene und Angehörige nicht mehr bewältigen können."

Die Voraussetzungen für rechtliche Betreuungen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (§1896) geregelt. Angaben des Bonner Sozialdezernats zufolge sollen Berufs- und Vereinsbetreuer nur dann bestellt werden, wenn keine andere geeignete Person ehrenamtlich zur Verfügung steht. "Manchmal wünscht auch der Betreute ausdrücklich einen Berufsbetreuer. Begleiten, wenn das Schicksal es fordert, das ist meine Aufgabe", ergänzt Kukuk.

Die oft kontrovers geführten Diskussionen über ihr Berufsfeld ärgern sie. "Die Vorurteile sind schon heftig und basieren auf Halbwissen. Eine Betreuung kann niemals ohne Rücksprache mit dem Betreuten oder Angehörigen erfolgen." Auch stören sie Berichte über Betreuer, die angeblich vermögende Konten für sich auflösen. "Wir sind gegenüber dem Gericht zur Rechnungslegung des betreuten Kontos verpflichtet."

Petra S. fühlt sich nach dem Termin in der Kanzlei erleichtert. "Die Schulden sind nun geregelt, es geht wieder weiter", sagt sie. "Es ist jedes Mal ein gutes Gefühl, helfen zu können, wenn es wieder aufwärts geht", sagt Kukuk.

Zahl der Betreuungen steigt kontinuierlich

In Bonn werden nach Angaben der Stadt (Stand 30. September 2013) 4451 Personen betreut. Betreuungen können ehrenamtlich oder als Berufsbetreuer ausgeübt werden. Derzeit sind 1760 Personen als Ehrenamtliche oder ehrenamtliche Angehörige und 2770 Personen als Berufsbetreuer tätig.

Bei der Bestellung werden meist Berufszweige wie Sozialpädagogen oder Rechtsanwälte bevorzugt. Dies ist jedoch gesetzlich nicht festgelegt. Das Bonner Sozialdezernat verzeichnet seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg von Betreuungen. Neben dem demografischen Wandel sieht die Behörde möglicherweise veränderte Familienstrukturen als Grund für den Betreuungsanstieg.

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