Polizei an Karneval in Bonn Behörde fordert zusätzliche Kräfte vom Land

Bonn · An Karneval werden deutlich mehr Polizisten im Einsatz sein als in den Jahren zuvor, einen freien Tag gibt es an Weiberfastnacht nur mit triftigem Grund.

Das teilte Helmut Pfau, Leiter Gefahrenabwehr, am Montag nach der Sicherheitskonferenz mit, zu der sich Vertreter der Polizei, der Stadt, der Stadtwerke und des Bonner, Bad Godesberger und Beueler Karnevals getroffen hatten. Das Ziel: Durch Vernetzung und neue Maßnahmen soll erreicht werden, "dass die Karnevalstage für alle sicher sind", erklärte Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa.

Polizeikräfte: "Wir werden uns stärker und anders aufstellen als in den Vorjahren", sagte Pfau. So habe man beim Land deutlich mehr Kräfte der Bereitschaftspolizei angefordert als in den Jahren zuvor. Auch hofft Pfau, dass von den 2400 Auszubildenden, die NRW zusätzlich an den jecken Tagen einsetzen möchte, einige die Bonner Beamten unterstützen werden.

Außerdem werden aus der hiesigen Behörde mehr Kommissaranwärter im Dienst sein: 55 Azubis, die bisher "nur" sonntags und montags bei den Zügen Präsenz gezeigt haben, sind in diesem Jahr erstmals auch an Weiberfastnacht unterwegs. Zwar seien die Anwärter keine erfahrenen Streifenpolizisten, aber mit der verstärkten Präsenz trage man dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung.

Doch was geschieht, wenn das Land keine Kräfte nach Bonn schickt? "Dann haben wir einen Plan B", sagt Pfau. Der beinhalte, dass dann sämtliche verfügbaren Kräfte aus der Bonner Behörde im Einsatz seien. Ob er greifen muss, steht noch nicht fest. Laut Pfau werden die Kräfte des Landes erst kurz vor Karneval zugewiesen.

Einsatz: Die Polizei wird in Bussen, Bahnen und an Haltestellen präsent sein, Aufenthaltsverbote und Platzverweise erteilen. Erstmals werden diese bereits am Tag in einer Datei erfasst, sodass direkt erkennbar ist, ob der Unruhestifter bereits an anderer Stelle aufgefallen ist. "Dann können wir ihn direkt in Gewahrsam nehmen", erklärte Pfau.

Anders als in den Vorjahren sind auch zivile und uniformierte Kräfte der Kripo unterwegs. Ferner gebe es einen "Einsatzabschnitt zur Strafverfolgung", sagte Pfau. Dazu gehören zum Beispiel die Begutachtung des Tatorts und Festnahmen. Außerdem sollen mutmaßliche Straftäter in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Amtsgericht noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt werden - wenn es zum Beispiel zu sexuellen Übergriffen wie in Köln kommen sollte.

Sorge: Pfau befürchtet, dass potenzielle Straftäter wegen der erhöhten Polizeipräsenz in Köln und Düsseldorf nach Bonn kommen werden. Generell aber gebe es keine Sicherheitsbedenken. So gebe es keine Hinweise auf Aktivitäten von islamistischer oder rechter Seite. Auch über Szenarien wie in der Silvesternacht in Köln gebe es bislang keine Erkenntnisse.

Beweissicherungsmobil: Erstmals sollen Beweissicherungsmobile eingesetzt werden, die über eine mobile Videokamera verfügen. Darüber hinaus ist laut Pfau keine Videoüberwachung geplant. Wie viele Mobile genutzt werden können, steht noch nicht fest. Diese sind an die Zahl der Kräfte gekoppelt, die Bonn vom Land zugewiesen bekommt. Wie viele das sind, steht ja noch nicht fest.

Internet: Vor und während der tollen Tage hat die Polizei die sozialen Netzwerke verstärkt im Auge, beobachtet potenzielle Straftäter, aber auch, ob sich mögliche Opfer melden.

Unterstützung: Diese kommt von der Stadt, den Stadtwerken und den Vertretern des Karnevals. So sind Ordnungs- und Rettungsdienst, Feuerwehr und auch Vertreter des Sozialamtes verstärkt im Einsatz. Informationen über problematische Gruppen, potenzielle Straftäter, Störer oder Ähnliches werden von allen sofort an die Polizei weitergegeben, damit diese schnell eingreifen kann.

Dafür ist zum Beispiel die Leitstelle der Stadtwerke mit der der Polizei verbunden. Und auch die Kommentatorenstellen bei den Karnevalszügen wurden erweitert und geben Infos über den jeweiligen Zug weiter. Hinzu kommt, dass die Zugteilnehmer sensibilisiert worden seien und ebenfalls auf Gruppen achteten, "die etwas anderes wollen als feiern", sagte Axel Wolf, Bonner Zugleiter. Außerdem setzt man auf die Bevölkerung. Wer etwas beobachtet, sollte die Polizei unter 1 10 informieren.

Gewerkschaft hat Sorge

Die Sicherheitsdebatte bereitet Udo Schott von der Bonner Gewerkschaft der Polizei große Sorge. Denn die hohen Erwartungen, die die Bürger an die Sicherheit haben, "können auf Dauer mit dem vorhandenen Personal nicht erfüllt werden".

Die Ausweitung der Dienstzeiten an Weiberfastnacht - statt bis 17 Uhr soll bis 21 Uhr gearbeitet werden - und die Erhöhung der Einsatzkräfte sei nur zu bewältigen, wenn Unterstützung vom Land komme. "Wenn wir die Kräfte der Bereitschaftspolizei aber nicht bekommen, weiß ich nicht, wo das Polizeipräsidium Bonn die Leute für die Einsatzlagen hernehmen will", so Schott. Die Kommissaranwärter seien keine ausgebildeten Polizisten.Ob wirklich Unterstützung komme, sei fraglich: 18 Einsatzhundertschaften gebe es in NRW, zwölf habe allein das Polizeipräsidium Köln angefordert.

Es sei die Frage, ob man die Erwartungen der Bevölkerung erfüllen könne, so Schott. Die Belastungsgrenze der nordrhein-westfälischen Polizei sei längst überschritten.

Kommunikationsteams: Vor Karneval sollen diese Teams, die aus Polizei, Ordnungsamt und einem Sprach- oder Kulturmittler bestehen, in den Flüchtlingsunterkünften aufklären. Was ist Karneval, wie benehmen sich Frauen und Männer und wie geht man damit um, sind Dinge, die den Flüchtlingen nähergebracht werden sollen, "um Missverständnisse zu vermeiden", so Pfau. An Weiberfastnacht sind sechs Teams im Einsatz, vier in Bonn - unter anderem am Hauptbahnhof, am Konrad-Adenauer-Platz und am Beueler Rheinufer -, zwei in Bornheim. Eventuell werden sie auch bei den Karnevalszügen eingesetzt.

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