Polizei in Bonn Beuelerin zieht Bilanz - So war mein erstes Jahr als Kommissarin

BONN · Es ist ein Jahr her, dass Stephanie Hosselmann als frisch gebackene Kommissarin ihren Dienst bei der Bonner Polizei angetreten und das Team in der Wache Innenstadt verstärkt hat. Die Beuelerin Stephanie Hosselmann hat im Streifendienst begonnen, wechselt jetzt zur Einsatzhundertschaft und blickt auf ein Jahr zurück, in dem viel passiert ist.

 Stephanie Hosselmann ist für die Bonner Polizei im Einsatz.

Stephanie Hosselmann ist für die Bonner Polizei im Einsatz.

Foto: Max Malsch

"Es ist genau so gekommen, wie ich es erwartet habe", sagt die 27-Jährige und lächelt zufrieden. "Ich habe mich sehr wohl gefühlt, es war eine super Gruppe, und die Arbeit war sehr abwechslungsreich."

In Sachen Einsätze war alles dabei, es gibt schöne und weniger schöne Erinnerungen: Sie hat Täter gejagt und gefangen, älteren Menschen geholfen und schwere Verkehrsunfälle aufgenommen. Dabei sei es ein Vorteil gewesen, dass sie in Beuel wohnt und in der Innenstadt gearbeitet hat. "Es ist schon ganz angenehm, wenn man beim Einkaufen nicht den Menschen trifft, den man schon einmal ins Gewahrsam gebracht hat."

Besonders erinnert sie sich an einen Vorfall: "Wir wurden zu einer vermüllten Wohnung gerufen, weil sich die Nachbarn über Geruchsbelästigung beschwert haben", erzählt die 27-Jährige. Als die Beamten die Tür geöffnet hatten, schlug ihnen unverkennbarerer Leichengeruch entgegen.

Sie fanden eine tote Frau in der Wohnung. Der Sohn, der über 50 Jahre alt war und kurze Zeit später nach Hause kam, hatte monatelang mit der Leiche in der Wohnung gelebt. "Wahrscheinlich ist es so, dass man sich immer an die dramatischsten Sachen erinnert", sagt Hosselmann nachdenklich.

Der Facettenreichtum war es, der die Beuelerin zur Polizei brachte. Sie absolvierte das dreijährige Bachelor-Studium, leistete den praktischen Teil in der Bonner Behörde ab - und blieb. "Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht", betont Hosselmann. Zum Beispiel im Kontakt mit den Bürgern. "Es kommt darauf an, wie man auftritt."

Höflichkeit sei genauso wichtig wie Selbstbestimmtheit. Und auch mit den Kollegen gab es nie Probleme. Zuerst habe sie allerdings Angst gehabt, dass die Kollegen sie nicht akzeptieren. "Ich dachte, die sehen mich und denken: Was ist das denn für eine Tussi?"

Doch die Sorge war unbegründet: Schnell zeigte sich, dass die 27-Jährige mitzieht und anpackt, und schon "waren meine Befürchtungen hinfällig. Ich wurde super aufgenommen und aufgefangen".

Die Dienstgruppe C der Wache Innenstadt ist so etwas wie eine zweite Familie geworden, die sie nun verlassen musste. Denn seit kurzem ist Hosselmann Teil der Einsatzhundertschaft. Statt Streifendienst stehen nun Fußballspiele und Demonstrationen auf dem Polizei-Programm. "Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt die 27-Jährige.

Doch egal wo sie arbeitet: Ihre Familie und ihre Freunde sind stolz auf sie. "Mein soziales Umfeld ist mir sehr wichtig", so die 27-Jährige. Für dieses hat Hosselmann nun auch ein bisschen mehr Zeit, denn in der Einsatzhundertschaft (EHU) gibt es keinen Schichtdienst.

Mindestens drei Jahre bleibt sie bei der EHU. Was danach passiert, ist noch offen. Wenn Hosselmann entscheiden dürfte, würde sie gerne wieder im Streifendienst arbeiten, auch wenn sie sich auf ihre neuen Aufgaben freut.

Eins steht nach dem ersten Jahr fest: "Ich würde immer wieder zur Polizei gehen", sagt die 27-Jährige. "Ich habe meine Entscheidung keinen Tag bereut."

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