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Prozess im Bonner Amtsgericht: Bewährungsstrafe für Betrug mit falschen Reisekosten

Prozess im Bonner Amtsgericht : Bewährungsstrafe für Betrug mit falschen Reisekosten

Eine 47-jährige Telekom-Mitarbeiterin ist zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sie hatte Reisen abgerechnet, die sie nie gemacht hat.

Die Nervosität war der schwarz gekleideten Frau deutlich anzusehen: Während der gesamten mehr als dreistündigen Verhandlung spielte sie unruhig mit ihren Fingern herum. Zum Schluss konnte die 47-Jährige den Saal im Bonner Amtsgericht aber erleichtert verlassen, denn die ausgesprochene zweijährige Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Verurteilt wurde die Frau aus dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis wegen gewerbsmäßigen Betrugs: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Telekom-Mitarbeiterin mit ihrem Arbeitgeber insgesamt 75 Geschäftsreisen abgerechnet hat, die sie nie angetreten hatte.

Besonders schwer hatte es der Arbeitgeber der Frau allerdings auch nicht gemacht: Bereits mehrere Jahre hatten ihre Vorgesetzten ihr offenbar regelmäßig die zur Genehmigung von Geschäftsreisen erforderlichen Passwörter anvertraut – eine angeblich durchaus übliche Praxis. Vor den nun verurteilten Fällen habe sie das in sie gesetzte Vertrauen auch niemals missbraucht, stellte ihr Anwalt heraus. Die Initialzündung sei dann ein Versehen gewesen: Sie habe unabsichtlich die Kosten einer Reise um 100 Euro zu hoch angesetzt. Das habe aber niemanden interessiert und so sei der Stein ins Rollen gekommen. Zum Schluss summierte sich der für den Arbeitgeber entstandene Schaden auf rund 125 000 Euro.

Zum Teil hatte die Frau gleich mehrere Reisen in einer Abrechnung zusammengefasst. Ziel waren durchgängig zwei Orte im Osten der Republik. Weil die Abrechnungen allerdings absolut nicht plausibel waren – in einem Fall lagen zwischen Antrag und Genehmigung ganze
32 Sekunden – fielen der Revision die falschen Angaben irgendwann dann doch auf.

Gegenüber ihren Vorgesetzten zeigte sich die Frau genau wie gegenüber dem Gericht schnell geständig. Sie sei in einer schwierigen Lebensphase in Versuchung geraten. Dazu haben neben einem Trauerfall in der Familie und der Tatsache, dass sie ihre Eltern finanziell unterstützen wollte, auch ein Überfall gehört, dessen Opfer sie geworden sei.

Letzteres mochte das Gericht ihr aber nicht so recht abnehmen: „Das ist eine ganz schräge Geschichte, die sie uns da erzählen“, sagte der Amtsrichter. Dass sie einerseits durch den Überfall in Angstzustände geraten, andererseits aber nicht einmal zur Polizei gegangen sei, sondern die Attacke erst mit mehrtägiger Verzögerung und nur der Personalabteilung gemeldet habe, irritierte Staatsanwältin und Richter gleichermaßen.

Darauf kam es letzten Endes nicht mehr an: Weil die 47-Jährige sich uneingeschränkt geständig zeigte, hatten sowohl die Anklagevertreterin als auch der Richter bereits zu Verhandlungsbeginn signalisiert, dass sie sich – wie von der Verteidigung gewünscht – eine Strafe im bewährungsfähigen Bereich vorstellen könnten.

Schon zuvor hatte die Angeklagte mit der Telekom vor dem Arbeitsgericht einen Vergleich ausgehandelt: Sie muss binnen zwölf Jahren rund 108 000 Euro an ihren Arbeitgeber zurückzahlen, gut 25 000 Euro hat sie bereits zurückgezahlt. Den Rest soll sie nun in monatlichen Raten von 600 Euro abstottern.