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Kriminalität in Bonn und der Region: Bis zu 5000 Euro Beute pro Tag

Kriminalität in Bonn und der Region : Bis zu 5000 Euro Beute pro Tag

Die Zahl der Taschendiebstähle nimmt wieder zu. Deswegen machen Bundes- und Landespolizei mit den Stadtwerken, der Deutschen Bahn und Geschäftsleuten gegen die Täter mobil.

Ein kurzes Gespräch, eine minimale Ablenkung – und schon sind Geldbörse oder Handy weg. Gestohlen von Taschendieben, die meist zu zweit oder dritt unterwegs sind und hauptsächlich in Innenstädten, in Zügen und an Bahnhöfen zuschlagen. Nachdem die Zahlen 2015 zurückgegangen sind, scheint die Gefahr, zum Opfer zu werden, wieder zuzunehmen. Deswegen machen Bundes- und Landespolizei mit den Stadtwerken, der Deutschen Bahn und Geschäftsleuten gegen die Täter mobil.

Der aktuelle Fall: Es waren wohl vier Taschendiebe, die am 5. August einen 79-Jährigen in der Bonner Innenstadt bestohlen haben. Gegen 10.50 Uhr wurde er von einer Frau in einem Drogeriemarkt an der Sternstraße darauf hingewiesen, dass seine Jacke verschmutzt sei. Als er diese auszog, umringten ihn plötzlich drei Männer. Einer griff gezielt in eine Jackentasche und stahl einen Umschlag, in dem sich mehrere hundert Euro befanden. Vermutlich hatte das Quartett zuvor beobachtet, wie der 79-Jährige das Geld an einem Automaten abgehoben hatte. Hinweise an die Polizei unter 02 28/1 50. Die Fotos der Tatverdächtigen finden Sie hier: Trickdiebe klauen mehrere Hundert Euro

Die Täter: Taschendiebe agieren häufig in Gruppen, sie sind professionell und sehr mobil, erläuterte Kripo-Chef Norbert Wagner am Montag. Dabei agieren sie bundes- und europaweit, halten sich teilweise nur wenige Tage an einem Ort auf. So sind sie schwer zu fassen. Meist handelt es sich um gut organisierte Banden aus Südosteuropa oder Täter aus Nordafrika, fügte Klaus Mertins, Leiter des Kriminalkommissariats 36, hinzu.

Das Vorgehen: Das Vorgehen ist stets ähnlich, erklärte Zauberkünstler Giovanni Alecci. Einige lenken das Opfer ab, einer greift zu und übergibt die Beute an einen Komplizen. „Profis wollen nicht gesehen werden.“ Soll heißen, dass Komplizen teilweise Kameras mit ihrem Körper verdecken, damit die anderen ungehindert auf Diebestour gehen können. „Die meisten Menschen denken, dass sie nie Opfer werden“, so Alecci. Deswegen hätten die Langfinger leichtes Spiel. Der 49-Jährige weiß, wovon er spricht. Bei einem Pressetermin hat er einmal Innenminister Ralf Jäger das Handy aus der Tasche gestohlen und durch ein altes ersetzt – obwohl der Politiker auf den Angriff vorbereitet war, hat er nichts bemerkt. Die Täter warteten auf den richtigen Moment, so Alecci. „Wer Zeit hat, ist immer erfolgreich.“ Wie sehr, wusste Polizeibeamtin Stefanie Kugler: „Ein guter Taschendieb erbeutet täglich zwischen 2000 und 5000 Euro.“

Künstliches Gedränge: Die Täter spähen ihr Opfer zunächst aus. Wer eine offene Tasche oder einen Rucksack dabei hat, kommt als Opfer in Frage. Die Täter erzeugen künstliches Gedränge rund um ihr Opfer und suchen Körperkontakt. Unbemerkt greift ein Komplize zu. Das Fatale: „Ein Mensch nimmt zwei Berührungen wahr, die dritte nicht mehr“, so Alecci. Er rät: Am besten Abstand halten.

Das erzählt ein Opfer: Wie schnell man Opfer werden kann, erfuhr eine 41-jährige Königswintererin Anfang Juni. Sie saß mit ihrer Tochter im Restaurant, als sie von einer jungen Frau am Nachbartisch in ein Gespräch verwickelt wurde. So bemerkte sie nicht, dass sich eine Komplizin an ihrer Tasche zu schaffen machte. 15 Minuten später hatten die Täterinnen 2000 Euro vom Konto der Frau abgehoben. „Wie sie an meine PIN-Nummer gekommen sind, ist mir ein Rätsel, ich habe sie nirgendwo notiert“, so die 41-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Vermutlich sei sie beim Einkaufen ausspioniert worden.

Tipps zum Schutz: Man sollte nur die EC-Karte oder so viel Geld mitnehmen, wie man braucht, betonte Friedhelm Herholz, Leiter des Kommissariats Kriminalprävention. Taschen sollten verschlossen und mit der Verschlussseite zum Körper hin getragen werden. Geldbörsen sollten nicht in Rucksäcken transportiert werden. Im Gedränge verstärkt auf die Wertsachen achten. PIN-Nummern nie in der Nähe der EC-Karte aufbewahren.