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Stadtarchiv: Blick ins Bonner Gedächtnis

Stadtarchiv : Blick ins Bonner Gedächtnis

Das Bonner Stadtarchiv bietet am Samstag, 5. März, Führungen, Vorträge und Filme. Von 10 bis 17 Uhr zeigen die Mitarbeiter in den Magazinräumen und im Handarchiv im Stadthaus, welche Schätze sich dort befinden.

Glaubt man einer Aufzeichnung von 1701, war damals in Bonn größte Konfusion ausgebrochen. In Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges hatte es ein Dutzend Jahre zuvor in der Stadt gebrannt. Auch das Archiv war ein Raub der Flammen geworden. Und nun wusste niemand mehr Bescheid über die rechtlichen Verhältnisse und die Verfassung der Stadt.

Stadtarchivar Norbert Schloßmacher hat das bedenkenswerte Dokument in den Akten und Unterlagen gefunden, die Bonn seither mit sehr viel mehr Sorgfalt aufbewahrt. Am kommenden Samstag zeigen er und seine Mitarbeiter zwischen 10 und 17 Uhr beim bundesweiten „Tag der Archive“, welche Schätze sich sonst noch in den Magazinräumen und im Handarchiv im Stadthaus befinden und was man alles damit anfangen kann.

„2015 hatten wir insgesamt 4000 Benutzer. Trotzdem blühen Stadtarchive überwiegend im Verborgenen“, sagt Kulturdezernent Martin Schumacher. Für die Gedächtnisbildung einer Kommune seien sie indessen ungeheuer wichtig. In diesem Jahr stellt das Archiv seine Bestände zum Thema „Mobilität im Wandel“ heraus. Dabei sei der Flüchtlingszustrom in die Stadt auch ein aktueller Anlass, erklärt Schumacher.

Neben einer Ausstellung mit entsprechenden Fotos von Bahnen, Bussen und Booten auf dem Rhein aus der reichen Bildersammlung werden unter anderem Filme von Bonner Verkehrsmitteln der 20er und 30er Jahre und vom Bau der B 9 in den 60er Jahren gezeigt. Um 11 und 15 Uhr führt Sigrid Lange unter dem Titel „Von Bahnen und Bahnhöfen“ vom Archiv durch die Stadt. Eine zweite Ausstellung zeigt die Neuerwerbungen des Archivs aus den letzten Jahren. Darunter sind ein früher Sackkalender von 1806 und ein Schriftwechsel, der die Bauzeit des Metternicher Hofs eingrenzt. Das Stadtpalais stand einst auf der heutigen Grünfläche vor der Oper.

Für die Zukunft des Archivs fehlt indessen nach wie vor eine vertretbare Lösung. Die Magazinräume unter der Tiefgarage im Stadthaus würden nach Starkregen durch die Betondecken regelmäßig massiv geflutet, berichtet Schloßmacher. Überdies sei die Kapazitätsgrenze seit einem Jahrzehnt erschöpft. Man habe die Unterlagen mit Archivkisten und Verpackungsmaterial inzwischen zwar sehr viel besser vor dem Wasser geschützt. „Zumindest mittelfristig brauchen wir aber eine Perspektive“, betont Schumacher und verhehlt auch nicht, dass die Stadt zu einer sachgerechten Lagerung gesetzlich verpflichtet ist.

Deshalb prüfen Architekten derzeit, wie viel ein funktionaler Magazinbau auf dem Gelände der Pestalozzischule kosten würde. Die Büroräume könnten dann in der ehemaligen Schule untergebracht werden, wenn diese nicht mehr als Unterkunft für Flüchtlinge dient. Wie bereits im Kulturkonzept der Stadt von 2012 vorgestellt, hält die Verwaltung dort einen gemeinsamen Standort von Archiv, Stadtmuseum und der Gedenkstätte für die Bonner NS-Opfer für sinnvoll.