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Bombendrohung am Hauptbahnhof Bonn: Polizei erhält viele Hinweise

Ermittlungen am Hauptbahnhof : Polizei erhält nach Bombendrohungen in Bonn viele Hinweise

Nachdem die Polizei einen Mitschnitt der Telefonate der Bombendrohung am Bonner Hauptbahnhof veröffentlicht hat, erhält sie viele Hinweise. Wegen des Großeinsatzes am Mittwoch aufgrund herrenloser Koffer erinnert die DB daran, dass Gepäck stets beaufsichtigt werden muss.

Nach wie vor laufen die Ermittlungen im Fall der anonymen Bombendrohungen, die am Sonntag und am Dienstag zur Evakuierung und Sperrung des Bonner Hauptbahnhofs geführt haben. Aufgrund des von der Polizei im Netz veröffentlichen Mitschnitts des zweiten anonymen Anrufs hat die Polizei inzwischen zahlreiche Hinweise erhalten, sagte Polizeisprecher Robert Scholten dem GA am Donnerstag. Nach wie vor gebe es Anhaltspunkte, dass es sich um ein und denselben Täter handele, der einmal von einer Telefonzelle an der Poppelsdorfer Allee und das zweite Mal von einer Telefonzelle am Bischofsplatz bei der Polizei angerufen und mit einer Bombe gedroht hatte. Sollte er gefasst werden, drohen ihm nicht nur Strafverfahren, sondern auch saftige Regressforderungen. Anders ist der Fall des Mannes gelagert, dessen unbeaufsichtigte Koffer am Mittwoch für einen erneuten stundenlangen Großeinsatz samt Sperrung am Bonner Hauptbahnhof gesorgt haben.

Der Mann, ein 46-Jähriger, hatte sich später bei der Bundespolizei gemeldet. Er habe glaubhaft versichert, dass er ohne böse Absicht seine Koffer auf Bahnsteig 1, unmittelbar an einem Bauzaun, abgestellt hatte. „Solange nachweisbar keine vorsätzliche Straftat vorliegt, wird die Polizei keine Kosten in Rechnung stellen“, erklärte Bundespolizeisprecher Christian Große-Onnebrink auf GA-Nachfrage. In den meisten Fällen, wo Gepäck auf Bahnhöfen oder Flughäfen stehen gelassen oder auch schlichtweg vergessen wurde, meldeten sich die Besitzer zeitnah, sodass die Polizei erst gar nicht zum Einsatz kommen müsste. 

„Letztlich können wir immer nur wieder eindringlich an die Leute appellieren, auf jeden Fall auch zum eigenen Schutz auf ihr Gepäck zu achten und es nicht aus den Augen zu lassen. Schließlich sind auch auf Bahnhöfen und Flughäfen Diebe unterwegs.“ Und Achtsamkeit vermeide eben auch solche spektakulären Einsätze der Polizei mit allen negativen Folgen für die Kunden des Nah- und Fernverkehrs wie am Mittwoch in Bonn. Sie mussten zum dritten Mal in dieser Woche massive Behinderungen und Verspätungen auf Züge sowie Straßenbahnen und Busse in Kauf nehmen.

Große-Onnebrink erklärte, dass wohl auch durch die beiden vorherigen Bombendrohungen die Polizei bei dem dritten Einsatz wegen der herrenlosen Koffer besonders sensibilisiert gewesen sei. Es seien da einige Dinge zusammengekommen, die dazu geführt hätten, dass auch am Mittwoch ein Großeinsatz mit Sperrung und Evakuierung des Hauptbahnhofs samt Außengelände erfolgt sei. Unter anderem hatten die Sprengstoffspürhunde nicht so reagiert, dass man früher Entwarnung geben konnte. „In vielen Fällen reichen eine Nahbereichsaufklärung und polizeiliche Erfahrung aus, um den Sachverhalt schnell klären zu können, aber dieses Mal hatte es sich, wie gesagt, um eine besondere Lage gehandelt.“

In einem anderen Fall, als Schüler 2012 im McDonald’s im Bonner Hauptbahnhof eine herrenlose Tasche entdeckten, entging die Stadt nur beinahe einer Katastrophe. In der Tasche befand sich tatsächlich eine selbst gebastelte Bombe Der Sprengsatz explodierte damals nach Überzeugung der Richter, die den später gefassten Täter Marco G. aus Tannenbusch zu lebenslanger Haft verurteilt hatten, nur deshalb nicht, weil die fragile Zündvorrichtung offenbar nach dem Abstellen der Tasche beschädigt worden war.

Als harmlos entpuppte sich vor vier Jahren ein Koffer, den ein 13-Jähriger absichtlich in eine U-Bahn gestellt und sich anschließend entfernt hatte. Damals kam es ebenfalls zu einem Großeinsatz der Polizei und zu einer stundenlangen Sperrung rund um den Hauptbahnhof. Polizeisprecher Robert Scholten erinnert sich noch gut an den Fall. „Es wurde damals gegen den Jungen ermittelt, schließlich hatte er mit Vorsatz gehandelt und damit eine Straftat begangen. Scholten erinnert sich allerdings auch, dass die Ermittlungen später eingestellt wurden, weil der Junge noch strafunmündig war. „Trotzdem kann ich nur sagen, so etwas ist kein Spaß und wird von uns mit allen Mitteln verfolgt.“

Stefan Deffner, Sprecher der DB-NRW, weist darauf hin, dass in jedem Bahnhof eine Hausordnung hängt, nach der es nicht gestattet ist, Gepäck unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Im Falle einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Zuwiderhandlung behalte sich die DB vor, „die Kosten für eingeleitete notwendige Sicherungsmaßnahmen und eventuelle Folgeschäden in Rechnung zu stellen“. Allerdings kann Deffner in puncto grob fahrlässiges Verhalten keine Zahlen nennen. „Es gab zuletzt in Köln einen Polizeieinsatz, als ein Senior aus gesundheitlichen Gründen die Bahnhofsmission aufgesucht und seine Koffer am Bahnsteig stehen gelassen hatte. Das können wir natürlich nicht als fahrlässig bezeichnen.“ Wie die Polizei appelliert aber auch der Bahnsprecher an alle, stets aufs Gepäck zu achten.