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Bonn: 150 Luftfiltergeräte für Schulen und Kitas

Schutz vor Corona : Stadt Bonn schafft 150 Luftfiltergeräte für Schulen und Kitas an

Nach langem Hickhack will die Stadt Bonn jetzt 150 Luftreinigungsgeräte anschaffen. Eingesetzt werden sie nun in einigen Schulen und Kitas, die nicht ausreichend gelüftet werden können. Die mobilen Geräte sind jedoch nur eine vorübergehende Lösung.

Die Stadt Bonn will jetzt doch rund 150 Luftreinigungsgeräte anschaffen für Räume in städtischen Schulen und Kitas, die nach den neuesten Richtlinien des Umweltbundesamts nicht ausreichend belüftet werden können. Das teilte Kämmerin Margarete Heidler, stellvertretende Leiterin des städtischen Krisenstabs, an diesem Donnerstag als Ergebnis der jüngsten Sitzung des Gremiums von Mittwoch mit. Pro Gerät rechnet sie mit Anschaffungskosten von rund 3000 Euro. Hinzu kommen Installations- und Wartungskosten.

Konkret handele es sich um 117 Klassenräume in städtischen Schulen und 20 Räume in drei städtischen Kitas. Sie sollen jetzt mit mobilen Luftfiltergeräten ausgestattet werden, um damit die Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus zu verringern, hieß es bei einer Pressekonferenz am Donnerstag mit Mitgliedern des Krisenstabs. Die mobilen Geräte seien indes nur eine vorübergehende Lösung. Langfristig sollen die Räume mit einer dauerhaften Zu- und Abluft-Einrichtung ausgestattet werden. Die Verwaltung wolle dafür die von Bund und Land zugesagten Fördermöglichkeiten nutzen, sagte Heidler. Wie hoch die Förderung sein wird, stehe noch nicht fest.

Nach monatelangen Diskussion um mobile Luftreinigungsgeräte an Bonner Schulen hatte der Stadtrat die Verwaltung, wie berichtet, mit Prüfung eines Einsatzes der Luftfiltergeräte an den Schulen und Kitas beauftragt. Die Untersuchung erfolgte, so Lutz Leide, Chef des Städtischen Gebäudemanagements (SGB), im Frühjahr durch die Tüv Rheinland Energy GmbH (TRE). Anders als noch bei den Begehungen durch das SGB im vorigen Jahr selbst, nach denen man kaum Handlungsbedarf in Sachen Luftreinigungsgeräte sah, stellte sich nun heraus, dass 117 Räume in Schulen unter die Kategorie 2 des Umweltbundesamtes fallen, in denen zum Beispiel Fenster oder Oberlichter nur gekippt werden können. Das betreffe in Bonn aber lediglich vier Prozent der insgesamt rund 3000 Klassenräume. „Damit liegen wir deutlich unter dem Landesdurchschnitt“, freut sich Schul- und Jugenddezernentin Carolin Krause. Der Landesdurchschnitt liege bei 15 bis 20 Prozent.

Drei Schulen und eine Kindertagesstätte waren repräsentativ ausgesucht und untersucht worden: das Schulzentrum Tannenbusch, die Marienschule, das Heinrich-Hertz-Europakolleg und die Kita Gerhard-Hauptmann-Straße. Ermittelt wurden, so Leide, die Luftwechselzahl und die notwendigen Außenluftvolumenströme.

Professor Martin Exner, ehemaliger Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn, sitzt als Berater im Bonner Krisenstab und warnt, diese Geräte könnten alle anderen Maßnahmen wie Lüften, das Tragen von Masken, und vor allem das Impfen nicht ersetzen. Sie könnten nicht für die notwendige Frischluftzufuhr sorgen, sondern nur Virenlast aus der Luft filtern. Die Luftreinigungsgeräte vermittelten daher eine „trügerische“ Sicherheit. „Es muss auf jeden Fall weiterhin regelmäßig gelüftet werden, und es müssen die Hygieneregeln, die wir im Laufe der Pandemie gelernt haben, konsequent eingehalten werden“, betonte Exner.

Stadt will Lüftungsgeräte sofort anschaffen

Obwohl noch konkrete Voraussetzungen für die von Bund und Land angekündigten Förderungen dieser Geräte fehlten, will die Stadt Bonn sie umgehend ausschreiben und beschaffen. Heidler: „Wir wissen, dass jetzt der große Run auf diese Geräte losgeht und dass es knapp werden kann auf dem Markt“. Leide betonte: Alle bisher von Eltern angeschafften Luftfiltergeräte dürften in den städtischen Schulen weder aufgestellt noch betrieben werden.

Parallel zur Beschaffung der mobilen Geräte sollen weitere Planungen für bauliche Anlagen durchgeführt werden, sagte der SGB-Chef. Für jede dauerhaft eingebaute Ab- und Zuluftanlage seien nach jetzigem Kenntnisstand rund 15.000 Euro zuzüglich Planungs-, Einbau- und Wartungskosten zu veranschlagen.

Gesundheitsamtsleiterin Susanne Engels warb in dem Zusammenhang eindringlich darum, dass sich alle, denen ein Impfangebot gemacht werden könne, auch impfen lassen sollen. Dazu zählen auch Kinder ab zwölf Jahren, die ihre Erstimpfung ab sofort auch im Impfzentrum im WCCB erhalten könnten. Eigentlich soll das Zentrum Ende August schließen. Kämmerin Heidler zufolge steht die Stadt Bonn aber mit der Bonn Conference Center Management GmbH und der Feuerwehr in Verhandlung, das Angebot möglicherweise noch bis Ende September aufrechterhalten zu können. Die Zweitimpfungen könnten, so Engels, problemlos an den mobilen Impfstationen erfolgen, auch stünden dafür ausdrücklich Kinder- und Jugendärzte und andere niedergelassene Ärzte bereit. „Wir haben vom Land die Anweisung, durchgehend Erstimpfungen im Impfzentrum zu verabreichen.“

An die Schulen wolle die Stadt derzeit noch nicht herangehen. Ausnahme: die Berufsschulen, mit denen man im Gespräch stehe, sagte Engels. „Das Hauptinfektionsgeschehen spielt sich zurzeit in den Altersgruppen zwischen 15 und 45 Jahren ab. Ich kann an alle nur dringend appellieren, sich impfen zu lassen.“