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Bonn: 39-Jähriger wegen mutmaßlicher Messerattacke gegen Freier vor Gericht

Prozess in Bonn : 39-Jähriger wegen mutmaßlicher Messerattacke gegen Freier vor Gericht

Ein 39-jähriger Angeklagter muss sich vor dem Bonner Landgericht wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Er soll im November vergangenen Jahres einen Freier mit einem Messer attackiert haben.

Eifersuchtstat oder Raubüberfall? Was stimmt, müssen die Richter der ersten großen Strafkammer an den kommenden Verhandlungstagen herausfinden. Vor dem Bonner Landgericht hat am Donnerstag der Prozess um einen 39-jährigen gebürtigen Koblenzer begonnen, dem zur Last gelegt wird, einen Freier auf dem Bonner Straßenstrich mit seinem Schweizer Taschenmesser attackiert zu haben. Das Opfer erlitt eine Schnitt- und zwei Stichwunden. Die beiden Letzteren sollen „abstrakt lebensbedrohlich“ gewesen sein. Der Angeklagte muss sich nun wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verantworten.

Die Tat ereignete sich am 10. November 2019: Die Freundin des drogensüchtigen Angeklagten stieg wohl während eines Streits mit ihrem Partner in der Umgebung der Straße Am Probsthof in den Geländewagen eines 71-jährigen Rentners. Ob es in dem Fahrzeug zu sexuellen Handlungen kam, ist noch unklar. Jedenfalls fuhr der Senior zunächst mit der 46-jährigen Frau auf einen nahegelegenen Parkplatz. Dort sah er sich dann schnell mit dem von den Fahrzeuginsassen unbemerkt zu Fuß nachgekommenen Partner konfrontiert.

Der Mann trat wild gegen die Fahrertür des SUVs und forderte den Senior in drastischen Worten dazu auf, von sexuellen Aktivitäten mit seiner Partnerin Abstand zu nehmen. Vor der geöffneten Türe kam es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung, in deren Folge der Angeklagte dreimal zustach. Der stark blutende Rentner stieg in seinen Wagen, und es gelang ihm, über eine Böschung davonzufahren. Die Frau, die noch immer im Fahrzeug saß, ließ er nach einigen hundert Metern aussteigen.

Die Anklage geht davon aus, dass es dem 39-Jährigen ums Geld ging: So habe er, als er gegen das Fahrzeug trat, nicht nur sexuelle Handlungen unterbinden wollen, sondern mit den Worten „Geld her“ auch explizit Bares verlangt. Der Täter hingegen räumte die Stiche vor Gericht zwar ein, gab aber an, einzig aus Eifersucht gehandelt zu haben. Mit seiner Partnerin sei er seit dem Frühjahr vergangenen Jahres zusammen, und obwohl man sich eigentlich gut verstehe, gebe es immer wieder Streit: „Leider kommt es auch häufiger zu gegenseitigen Handgreiflichkeiten“, räumte der Mann ein, der seit seinem 14. Lebensjahr Drogen nimmt.

Er habe zwar gewusst, dass seine Partnerin hin und wieder auf den Straßenstrich gegangen sei. Sie habe ihm aber versprochen, das nicht mehr zu tun. Warum man sich dann an jenem Abend trotzdem in der Nähe aufgehalten habe, begründete er damit, dass man in dem benachbarten Supermarkt etwas habe einkaufen wollen.

Eher zufällig kam der Rentner mit seinem Geländewagen in die Gegend: Er habe für seine kranke Frau und die gemeinsame Tochter chinesisches Essen besorgen wollen, sagte er im Zeugenstand. Als er zufällig das streitende Paar am Straßenrand bemerkte, habe er gehalten und die Frau auf deren Wunsch hin mitgenommen. Erst im Wagen habe sie ihm dann Sex gegen Zahlung von 30 Euro angeboten. Weil die Dame „nicht unattraktiv“ aussah, habe er das Ansinnen nicht abgelehnt. Das Opfer hält die Tat für ein „abgekartetes Spiel“.