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Bonn: Aids-Initiative erhält Auszeichnung

Schwere Zeiten für HIV-Infizierte : Bonner Aids-Initiative erhält Auszeichnung

Für die Aids-Initiative erschwert der Lockdown die Vergabe von Spritzen, aber auch von Masken in der Szene. Die Selbsthilfeorganisation Jes hat den Bonner Verein nun als einen der ersten in NRW für sein niederigschwelliges Angebot ausgezeichnet.

Die Selbhilfeorganisation Junkies, Ehemalige und Substituierte (kurz: JES) hat die Bonner Aids-Initiative als eine der ersten in Deutschland mit einem Zertifikat für besondere Verdienste ausgezeichnet. Torsten Zelgert von Jes NRW begründete die Ehrung durch den Landes- und Bundesverband bei der Übergabe in Bonn mit dem niedrigschwelligen Angebot der Aids-Initiative: "Sie schließt in ihrer Arbeit niemanden aus und zeichnet sich durch große Toleranz aus", sagte Zelgert. Der Verein betreibe Aufklärung und Prävention ohne erhobenen Zeigefinger. Das neue Zertifikat solle auch einen Anreiz für andere Einrichtungen bieten, diese Form der Toleranz an den Tag zu legen.

Bei dieser Gelegenheit sprach Zelgert über die derzeit schwierige Situation für Obdachlose und Drogenkonsumenten im Lockdown. "Flaschensammler und Schnorrer haben es schwer, in diesen Tagen über die Runden zu kommen", sagte Zelgert. Auch täten sich viele Ärzte trotz Infektionslage schwer damit, ihren Klienten Drogenersatzstoffe für die erlaubten 30 Tage mitzugeben, obwohl die Landesregierung das empfiehlt, um die Kontaktzahlen möglichst gering zu halten.

Christa Skomorowsky und Ralf Runniger von der Aids-Initiative zeigten sich erfreut über die Auszeichnung in schwierigen Zeiten. Auch wenn HIV-Therapien Infizierte mittlerweile gut stabilisierten, bestehe bei einem schwachen Immunsystem doch eine größere Gefahr für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Die Arbeit der Aids-Initiative habe sich verändert. „Persönliche Treffen sind höchstens im Einzelgespräch, nicht mehr in Gruppen möglich“, sagte Skomorowsky. Als Selbsthilfeorganisation versuche man den Ausfall regelmäßiger Treffen wie dem wöchentlichen Frühstück mit Videochats und Telefonaten auszugleichen und in diesem Rahmen zu beraten und zu betreuen. Die Szene sei viel stärker in der Fläche verteilt als vor dem Lockdown. Das erschwere die Versorgung mit sauberen Spritzen, aber auch mit medizinischen Masken. Ein weiteres Problem, das Skomorowsky benennt: "Die Sexarbeiterinnen dürfen zwar derzeit nicht arbeiten, aber natürlich findet diese Arbeit statt - als Übernachtungsprostitution.“