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Bonn: Alkoholexzesse sollen mit dreiteiligem Konzept vermieden werden

„Konfetti statt Koma“ : Aktion gegen Alkohol an Karneval in Bonn

Die Stadt Bonn und die Polizei wollen mit einem dreiteiligen Konzept aus „Prävention, Kontrolle und Angebot“ Alkoholexzesse schon im Vorfeld vermeiden. Ab Weiberfastnacht wird ein massives Aufgebot von Polizei und Stadtordnungsdienst auf der Straße sein.

Das Kostüm übergezogen, ein paar Luftschlangen um den Hals und gemeinsam mit anderen losziehen: Für viele Kinder und Jugendliche sind die anstehenden Karnevalstage eine erste Gelegenheit, um mit Klassenkameraden oder Freunden ausgelassen zu feiern.

Damit eine lockere Partystimmung aufkommt, wird allerdings in so manche Saft- oder Colaflasche Hochprozentiges abgefüllt. Mit gravierenden Folgen: Allein im vergangenen Jahr mussten in Bonn 17 Jugendliche in komatösem Zustand mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Das waren aber nur die absolut schweren Fälle“, erklärt Gerd Peter, Leiter der Polizeiwache Ramersdorf. „Wir haben natürlich viele betrunkene Jugendliche angetroffen, die wir aber von den Eltern abholen lassen konnten.“

Unter dem Motto „Konfetti statt Koma“ wollen Stadt, Polizei sowie die Fachstelle für Suchtprävention von Caritas und Diakonie gemeinsam dafür sorgen, dass Jugendliche ohne Reue feiern. Mit einem dreiteiligen Konzept aus „Prävention, Kontrolle und Angebot“ sollen Alkoholexzesse schon im Vorfeld vermieden werden.

Am Wochenende ziehen die ersten Karnevalszüge durch Bonn

Los geht es bereits am Wochenende mit den Zügen in Tannenbusch, Ippendorf sowie Kessenich. Dann wird der „Bonner Event Sprinter“ von „update“, der Suchtprävention von Caritas und Diakonischem Werk, vor Ort sein. Ab Weiberfastnacht wird dann auch ein massives Aufgebot von Polizei und Stadtordnungsdienst auf der Straße sein, um vor allem auf die jungen Karnevalisten ein Auge zu werfen. „Wir sind mit allen verfügbaren Kräften vor Ort“, versichert Carsten Sperling, Abteilungsleiter Stadtordnungsdienst der Stadt Bonn.

Rund 50 Kollegen werden an den Karnevalstagen in der Stadt unterwegs sein, davon an Weiberfastnacht und Rosenmontag allein jeweils 19 mit dem Schwerpunkt Jugendschutz. Die Polizei ist sowohl Weiberfastnacht als auch Rosenmontag ab 8 Uhr unterwegs, um die Jugendlichen gezielt anzusprechen. „Im vergangenen Jahr war es relativ ruhig, weil wir früh mit der Gefährderansprache begonnen haben“, so Gerd Peter. Diese Strategie fährt die Polizei auch in diesem Jahr wieder.

Dabei appellieren die Behörden auch an die Eltern, darauf zu achten, dass sich Kinder und Jugendliche nicht schon zu Hause mit alkoholischen Getränken versorgen. Werden Minderjährige angetrunken aufgegriffen, werden die Eltern verständigt. Sind sie nicht erreichbar, dann werden sie in Jugendschutzstellen gebracht.

Im Vorfeld mit den jungen Jecken ins Gespräch kommen

Diejenigen, die mit dem Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden, werden am nächsten Tag von update-Mitarbeitern besucht. „Dabei erleben wir, dass es den Jugendlichen und den Eltern oftmals sehr peinlich ist“, so Marion Ammelung, Koordinatorin des „Bonner Event Sprinter“. „Unter dem Motto „Feiern ohne Zoff und Stoff . . . wir sind dabei“ will man im Vorfeld mit den jungen Jecken ins Gespräch kommen. Am Sprinter wird Alkohol gegen Handy-Handschuhe, Smoothies, heiße Getränke sowie kleine „Safe-Packs“ getauscht. Zusätzlich geht das Team der Suchtprävention mit Bauchläden durch die Menge, um so viele Feiernde wie möglich zu erreichen. Dabei bieten sie den Jugendlichen an, den Promillewert testen zu lassen.

Erneut gibt es in diesem Jahr wieder die After School Party an Weiberfastnacht im Festzelt auf dem Münsterplatz. Ab 13 Uhr werden 14- bis 17-Jährige dort ohne Alkohol und ohne Erwachsene feiern. Für eine Aufsicht ist allerdings gesorgt. Im vergangenen Jahr feierten dort rund 1000 junge Jecken.