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Austellung im Arndt-Haus: Bonn als Musikstadt im Fokus

Austellung im Arndt-Haus : Bonn als Musikstadt im Fokus

Das Stadtmuseum zeigt im Ernst-Moritz-Arndt-Haus die verschobene Ausstellung über „Bonns Goldenes Zeitalter“. Unter den 200 Exponaten sind wertvolle Leihgaben aus Wien.

Für Laien mögen es ein paar Notenblätter sein, von junger Hand gefüllt. Für Ingrid Fuchs sind es Raritäten von unschätzbarem Erkenntniswert. „Diese Autographe belegen und dokumentieren den Beginn von Beethovens Kompositionen in Bonn, die das Fundament für seinen späteren Weltruhm legten“, erklärt die Musikwissenschaftlerin. Gleich acht Originale aus Beethovens Feder hat die stellvertretende Direktorin der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde nun nach rund 250 Jahren wieder mit nach Bonn gebracht. Hier bilden sie den Kern der Sonderausstellung über „Bonns Goldenes Zeitalter – die kurkölnische Residenzstadt zur Zeit Beethovens“.

Mit rund 200 Exponaten erzählt die Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, warum Beethovens Ausnahmetalent ausgerechnet in der kleinen Residenzstadt eines geistlichen Kurfürsten am Rhein auf so fruchtbaren Boden fiel. „Kurfürst Maximilian Franz – jüngster Sohn von Maria Theresia und Bruder Kaiser Josef II. – war nicht nur ein Musikliebhaber“, erklärte Otto Biba, Direktor von Archiv und Sammlungen der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde bei der Eröffnung am Donnerstag, die für angemessenen Abstand ins Hotel Königshof verlegt worden war. Der spätere Kurfürst habe  früh Unterricht in Gesang und Bühnentanz erhalten, Klavier, Geige, Cello und Flöte gespielt. Als ihm in Bonn der junge Hofmusiker-Sohn Beethoven vorgestellt wurde, wusste Maximilian-Franz das Talent zu erkennen und ihn zur Ausbildung in die passenden Wiener Kreise zu empfehlen.

Nur die langjährige Zusammenarbeit des Bonner Stadtmuseums und der Gesellschaft der Musikfreunde bei früheren Projekten habe diese spezielle Ausstellung möglich gemacht, betonte Fuchs, „darauf können Sie hier wirklich stolz sein“. Als weitere Leihgeber sind überdies die Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die Landesarchive Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, das Beethovenhaus sowie das Stadtarchiv in Bonn, das Wetterau-Museum und das Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien beteiligt.

Dabei gibt es natürlich nicht nur Notenblätter zu sehen. Porträts, Druckschriften, Stiche und andere Objekte illustrieren die aufgeklärte höfische und die städtische Gesellschaft in Bonn kurz vor der Französischen Revolution und Beethovens Entwicklung in Wien bis zum Tod von Maximilian Franz im Jahr 1801. „Bis dahin stand er schließlich formell in den Diensten des Kurfürsten“, erklärte Museumsleiterin Ingrid Bodsch. Ein Pfeifentopf mit dem Jugendporträt Beethovens darauf von 1802 belegt abschließend, wie populär Beethoven damals bereits war.

Die Sonderausstellung im Beethoven-Jubiläumsjahr sollte ursprünglich schon zu Ostern eröffnen, war dann aber wegen des Lockdowns verschoben worden. Sie dürfte nach jetzigem Stand das letzte kulturgeschichtlich geprägte Projekt des Bonner Stadtmuseums sein. Wie berichtet, möchte das Sport- und Kulturdezernat der Stadtverwaltung das Museum ab kommendem Jahr als Projekt ohne wissenschaftliche Leitung weiterführen und zu einem Bürgerlabor umgestalten. Bodsch kritisierte die Pläne mittelbar. Ein Museum „in die Zukunft zu führen“, sei schwierig, wandte sie ein, wo alle Beteiligten doch in der Gegenwart lebten.