1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonn: Altes Stellwerk wird in vier Stationen aufgeteilt - Auswirkungen auf Bahnverkehr

Ersatzverkehr mit Bussen in Bonn : Die Tage des alten Stellwerks sind gezählt

Seit zweieinhalb Jahren wird das zentrale Stellwerk der Stadtwerke umgerüstet. Bevor die neue Signaltechnik in Betrieb gehen kann, müssen Prüfer alle Funktionen testen. Deshalb fahren auf einigen Stadtbahnlinien vom 2. bis 10. August Busse.

Die Technik aus den 1970er Jahren kann man hören: Metallisch klicken die Relais im unterirdischen Stellwerk am Bonner Hauptbahnhof. Bevor sich im Straßenbahnnetz etwas bewegt, rastet hörbar eines der unzähligen Bauteile der Anlage ein, die aus mehreren Gängen voller Signaltechnik besteht. Ganz anders im Raum nebenan: Hier verbringt sich die neue, digitale Stellwerkstechnik in schmalen Schränken, begleitet nur vom gleichmäßigen Surren der Lüfter.

Anfang August stellen die Stadtwerke Bonn (SWB) das zentrale Stellwerk auf elektronische Technik um. Für Joachim Schallenberg, Fachbereichsleiter der Verkehrsleitstelle, und Christian Lehr, Fachbereichsleiter für Signaltechnik, endet damit die zweieinhalbjährige Vorbereitungszeit, in der die Anlage „unter dem rollenden Rad“ umgebaut wurde. „Eine Stellwerksanlage steuert und sichert alle Fahrten der Stadtbahnen mit Hilfe von Signalen, Weichen und Schrankenanlagen“, erklärt Schallenberg.

 Blick in das Stellwerk am Bonner Haupbahnhof: Die alte Technik wird im August abgeschaltet.
Blick in das Stellwerk am Bonner Haupbahnhof: Die alte Technik wird im August abgeschaltet. Foto: Meike Böschemeyer

Damit die neue Technik in Betrieb gehen kann, müssen externe Prüfer vom 2. bis 10. August Probefahrten mit Stadtbahnen durchführen und alles abnehmen. Jedes Lichtsignal, jede Schranke und jede Weiche wird getestet. In dieser Zeit fahren Busse als Ersatz für einzelne Stadtbahnlinien.

Die neue Technik hat viele Vorteile

An der Wand der Leitstelle hängt noch das blinkende Steuerungselement des alten Stellwerks. Man braucht zwei Finger, um einen der Schalter zu bedienen, der zum Beispiel eine Weiche umstellt. Rote Lichter zeigen, wo zwischen Bonn-West und Ollenhauerstraße gerade eine Stadtbahn unterwegs ist. Für Schallenberg, der seit 37 Jahren bei den SWB arbeitet, ist die alte Technik vertraut. Weichennummern, Signalnummer, dazwischen Lämpchen und Lichtstreifen. Die Monitore mit Videoaufnahmen von Bahnsteigen holen ein Stück echten Bahnverkehr in diese abstrakte Welt. „Wir haben immer noch Personal, das diese älteren Anlagen instand setzen kann“, sagt Schallenberg.

Die neue Technik hat viele Vorteile: So können Bahnen auf das gegenüberliegende Gleis umgelenkt werden, wenn zum Beispiel eine defekte Bahn das Gleis in der regulären Fahrtrichtung blockiert. Solche Umleitungen funktionieren bisher nur mit viel Absprachen, die das Team in der Betriebsleitstelle an der Thomas-Mann-Straße steuert. Das alte Stellwerk Nahverkehrsbahnhof ist mit der Umstellung in vier Stellwerke aufgeteilt worden, die elektronisch miteinander verbunden sind. So kann der Fahrbetrieb viel flexibler auf Störungen reagieren, weil immer nur kleinere Abschnitte im Streckennetz betroffen sind.

Bisher wurde vor allem während Zugpausen oder Betriebsruhe am Großprojekt gearbeitet. Der technische Sprung von der 50 Jahre alten Signaltechnik zur elektronischen Steuerung ist mit dem Sprung von der Wählscheibe zum Smartphone zu vergleichen. Bislang haben die Fahrgäste davon kaum etwas gemerkt. Das Stellwerk regelt unter anderem in den Tunneln, dass zwischen den Stadtbahnen ausreichend Abstand gehalten wird. So kann es dort keine Auffahrunfälle geben. „Wenn eine Bahn zu schnell in eine Kurve oder über ein rotes Signal fährt, wird sie vom Stellwerk gebremst“, erklärt Lehr.

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland bezuschusst die Arbeiten mit Fördersätzen zwischen 40 und 68 Prozent. Insgesamt wird laut SWB im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“ investiert. In den kommenden Jahren sollen sukzessive vier weitere Stellwerke in Bonn, Königswinter und Sankt Augustin modernisiert werden. Bis dahin dient die alte Anlage unter dem Hauptbahnhof als Ersatzteillager. Einzelne Relais könnten also auch nach der Umstellung an anderem Ort wieder klicken.