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Bonn: Auf dem Münsterplatz stand Bühnentruck von Amnesty International

Aktion auf dem Münsterplatz : Amnesty International mit Bühnentruck zu Besuch in Bonn

Zum 60-jährigen Bestehen von Amnesty International besuchte ein Bühnentruck der Organisation auf seiner Deutschlandtour die Bundesstadt. Auf dem Münsterplatz in Bonn präsentierte die Organisation unter anderem ein Bühnenprogramm.

Maire Teuscher ist froh, dass sie jetzt in Bonn wohnt, denn hier kann die 21-jährige Studentin aus der Nähe von Erftstadt richtig bei Amnesty International mitarbeiten. „In ländlichen Regionen ist es etwas schwierig, sich zu engagieren.“ Seit ein paar Monaten gehört sie der Bonner Amnesty-Hochschulgruppe an und freut sich, sich für die Einhaltung und Durchsetzung von Menschenrechten auf der Welt einzusetzen. Das erzählte sie am Samstag auf dem Münsterplatz, wo die Bonner Gruppen mit dem Bühnentruck der Organisation deren 60-jähriges Bestehen feierten.

Der Truck tourt durch Deutschland und zeigt auf acht Stelen Meilensteine der Geschichte der Menschenrechte. Zudem gibt es ein Bühnenprogramm – in Bonn war das Kültürklüngel-Orkestar mit seiner Multikulti-Besetzung dafür prädestiniert. Bürgermeisterin Gabi Mayer betonte, wie wichtig es sei, „das Bewusstsein für Menschenrechte zu schärfen“.

Daneben stellte Bettina Hoffmann von der Endenicher Amnesty-Gruppe auf der Bühne zwei Mitglieder vor: Reinhard Oppermann, der sich seit Anfang der 70er-Jahre engagiert, und eben Maire Teuscher. Für die Arbeit von Amnesty habe sie sich schon länger interessiert, sagte sie, und als der Fall Nawalny durch die Medien ging, sagte sie sich: „Ich muss mich auch engagieren.“ Auch Oppermann kam als Student zu Amnesty, es reizte ihn, sich für Einzelschicksale von politischen Gefangenen einzusetzen. „Ganz konkret waren das Fälle in Peru.“ Und zwar deshalb, weil auch Peruaner aus dem Übersetzungsdienst im Bundestag zur Gruppe gehörten. Man protestierte gegen die Militärjunta, unterstützte die Bewegung Leuchtender Pfad, Oppermann war auch selbst in Peru.

Seitdem, erzählte der 75-Jährige, habe sich der Fokus von Amnesty etwas verändert, zum einen in die Breite: Neben Einzelschicksale wurden vermehrt allgemeinere Menschenrechtsthemen aufgegriffen, Einsatz gegen Folter, Gewalt gegen Frauen, für Flüchtlinge und anderes. Und es ging mehr in die Tiefe, auf die soziale und wirtschaftliche Ebene, um mit Aktionen etwa gegen Waffenproduktionen und -handel eine der Wurzeln der Ungerechtigkeit zu arbeiten. Das sei eine gute Entwicklung, fand Oppermann, aber zugleich auch eine Herausforderung für die Gruppen.

„Für mich ist es schön, dass ich in einem Land groß werde, in dem ich meine Meinung frei sagen kann“, erklärte Teuscher ihre Motivation. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass Menschen überall „ihr Leben leben können, wie sie wollen, und nicht in Angst leben müssen“. Dafür sei es auch nach 60 Jahren wichtig, weiterzumachen im Kampf für die Menschenrechte. Es sei, meinte Oppermann, auch ein gutes Gefühl, dass politische Häftlinge Hoffnung aus dem Wissen schöpften, dass Menschen aus aller Welt sich für sie einsetzen.

In Bonn gibt es sechs Amnesty-Gruppen, sagte Hoffmann, die mit Ständen, Aktionen oder im Fall der Endenicher Aktivisten als „Unterschriftenjäger“ ihrer Arbeit nachgehen. Von Bonn alleine aus könne man zwar nicht die autoritären Regime zur Vernunft bringen, aber Amnesty sei ja eine weltweite Organisation. „Viele gewöhnliche Menschen können Außergewöhnliches leisten“, zitierte Hoffmann Amnesty-Gründer Peter Benenson.