Schutz in der Metro vor den Bomben Bonner U-Bahn-Ausstellung zeigt Bilder aus Charkiw

Bonn · Zum zweiten Mal jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Eine Tagesausstellung an einer Bonner U-Bahn Station zeigt, wie sich Ukrainer in der Stadt Charkiw 2022 in der Metro vor russischen Angriffen schützten. Eine in Bonn lebende Ukrainerin berichtet vom Schicksal ihrer Familie.

Zeigen Fotos aus Charkiw kurz nach Beginn der russischen Invasion: (von links) die Vorsitzende der Bonner Grünen, Ute Hennig, Rosana Yefimenko mit ihrem Sohn und Yevheniia Korkyshko.

Zeigen Fotos aus Charkiw kurz nach Beginn der russischen Invasion: (von links) die Vorsitzende der Bonner Grünen, Ute Hennig, Rosana Yefimenko mit ihrem Sohn und Yevheniia Korkyshko.

Foto: Jan-Oliver Nickel

Der Fahrtwind einer vorbeifahrenden U-Bahn ist auf der Rolltreppe noch zu spüren, die an der Station Heussallee/Museumsmeile zum Zwischendeck vor dem Eingang zum Haus der Geschichte führt. An diesem Tag muss sich niemand vor Raketeneinschlägen in die U-Bahn-Station retten. Anders sieht es für die Menschen aus, die auf den Bildern zu sehen sind, die für die Tagesausstellung „Unter den Bomben“ vom Verein „Ukrainer in Bonn“ mit der Initiatorin Sava Stomporowski auf dem Zwischendeck gezeigt werden. Die Bilder von Viktoriia Yakimenko entstanden im März 2022 kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukrainischen Großstadt Charkiw. Sie zeigen Menschen, die auf Matratzen und Schlafsäcken in einer U-Bahn-Station Schutz suchen. Kinder, die in einem Versuch von vermeintlicher Normalität einem Puppentheater folgen. Frauen, die ihre Haustiere vor den russischen Bomben in Sicherheit gebracht haben.

Zum zweiten Mal jährt sich der Beginn der russischen Invasion in die Ukraine, der das Leben für Millionen von Menschen dramatisch verändert hat. So auch für Rosana Yefimenko. Sie hält bei der Ausstellung in Bonn zwei Fotos von ukrainischen Kindern hoch und lebte selbst bis zum Juni 2022 in der Ukraine. Zwei Jahre lang hatte sie zuvor in Mariupol studiert, jener Stadt, die 2022 von Russland dem Erdboden gleich gemacht wurde. „Das war wie meine zweite Heimatstadt“, sagt Yefimenko. „Da waren meine Freunde, meine Bekannten, das war unglaublich schwierig.“ Viele ihrer Freunde seien als Soldaten einberufen worden, einer wurde inzwischen im Krieg getötet. Begonnen hat dieser für sie bereits im Jahr 2014, als Russland völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. Damals war sie zehn Jahre alt, der Krieg nehme damit schon „die Hälfte meines Lebens“ ein, sagt sie. Auch hat er ihre Familie auseinandergerissen. So lebt ein Teil ihrer Familie in Bonn, ihre Großeltern unter russischer Okkupation. Kontakt habe sie zu ihnen derzeit nur über Videoanrufe.

Alte oder kranke Menschen hätten sich oft überhaupt nicht in Sicherheit bringen können, erzählt Stomporowski. „Wir sehen auf den Fotos auch Situationen, wo Schulkinder Unterricht haben. Wir sehen auch, wie sie spielen und wie Theateraufführungen stattfinden“, so Stomporowski. Aus ihrer Sicht seien Schutzräume wie diese gerade für Kinder sehr wichtig, damit sie nicht allein der Angst ausgesetzt blieben. Ein Anliegen der Ausstellung sei es, den Krieg nicht zu vergessen und sich daran auch nicht zu gewöhnen. „Wir hier sind ja in Sicherheit. Wir können und sollten so viel wie möglich tun, um die Menschen zu unterstützen“, sagt sie und zeigt für Kriegsmüdigkeit im Westen kein Verständnis. „Wir sind nicht bedroht, wir sehen viele Flüchtlinge hier und können sogar mit denen sprechen, um zu erfahren, welches Leid sie erfahren haben. Wir sollten unsere Solidarität zeigen und von Müdigkeit, finde ich, sollte da gar keine Spur sein.“

Am Samstag gibt es auf dem Bonner Münsterplatz zunächst von 12 bis 15 Uhr ein Angebot verschiedener Parteien und Initiativen zum Ukrainekrieg. Ab 18 Uhr findet auf dem Marktplatz eine Kundgebung für die Ukraine statt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort