Abwechslung in der Ausbildung Wie Azubis einen Stadtwerke-Bus modernisieren

Bonn · Fünf Auszubildende der Stadtwerke Bonn haben den historischen Bus 9808 modernisiert, repariert und restauriert. Die Reparatur und Instandsetzung von Kraftfahrzeugen ist für sie in ihrer Ausbildung zwar nichts Neues, aber diesmal kamen besondere Aufgaben dazu.

Sky Fischer, David Lust und Connor Göhring (v.l.) packen an: Dank des besonderen Einsatzes der Azubis ist der alte Stadtwerke-Bus wieder fahrbereit.

Sky Fischer, David Lust und Connor Göhring (v.l.) packen an: Dank des besonderen Einsatzes der Azubis ist der alte Stadtwerke-Bus wieder fahrbereit.

Foto: Meike Böschemeyer

Etwa zwei Monate hat die Hauptinstandsetzung des ehemaligen Linienbusses gedauert. Sky Fischer (17) und David Lust (18) haben zusammen mit drei weiteren Azubis an dem Bus geschraubt, lackiert, geschweißt und entrostet. Jetzt ist er wieder voll einsetzbar. Beide sind in ihrem zweiten Ausbildungsjahr als Kfz-Mechatroniker bei den Stadtwerken Bonn (SWB) und haben im Team den Bus modernisiert.

Eine wahre Abwechslung war die Arbeit an dem Bus (Baujahr 1998). Die Reparatur und Instandsetzung von Kraftfahrzeugen ist für Sky und David in ihrer Ausbildung zwar nichts Neues, aber diesmal kamen besondere Aufgaben dazu. Eine Luftfederung, die zu erneuern war, konnte nicht mehr bestellt werden. Also fertigten die fünf Azubis das Teil selbst an, wie David Lust erzählt. Schweißen sei eigentlich nicht mehr unbedingt Teil der offiziellen Ausbildung, sagt Hauptverantwortlicher und Ausbilder Werner Fischer. Dennoch konnten die Fünf durch das „Projekt 9808“ Erfahrungen auf dem Gebiet sammeln. Auch der Auspuff sei so heute nicht mehr erhältlich und musste selbst geschweißt werden.

Anleitung zu selbstständigem Arbeiten

Nicht nur die technische Seite war anders als in der sonstigen Ausbildung. Die Azubis waren in dem Projekt stärker zu selbstständigem Arbeiten angeleitet. Neben Anweisungen oder Hilfestellungen der Meister sollten sie selbst planen und sich Gedanken machen. So konnten sie mit ihren Azubi-Kollegen zusammenarbeiten, und ihnen wurde mehr Verantwortung in dem Projekt überlassen, berichtet Sky Fischer. Wenn dann doch mal etwas einen zweiten Anlauf brauchte, waren die Ausbilder aber zur Stelle, erklärten, verbesserten und halfen. „Aus Fehlern lernt man“, sagt Werner Fischer, als er eine Situation beschreibt, bei dem die Auszubildenden erst den falschen Lack zum Lackieren einer Tür verwendeten.

Die Jungs kennen den Bus nach den zwei Monaten ziemlich gut. Vor allem der Einblick in die alte, übersichtlichere Technik hat ihnen Spaß gemacht. Nur selbst fahren durften sie noch nicht. Bisher sind sie nur bei kleinen Testfahrten mitgefahren.

Bus wird nun wieder für Vereinsfahrten eingesetzt

Über den TÜV ging der Bus schon. Damit hat er seine Prüfung bestanden und das Team hat gute Arbeit geleistet. Das sagt auch Ausbilder Fischer stolz: „Das haben sie echt gut gemacht.“ Da der Bus jetzt wieder für Personenfahrten taugt, geht er zurück in die Hände des HVSWB. Der Bus wird zwar nicht mehr im Linienverkehr eingesetzt, kann aber für Vereinsfahrten genutzt werden und auch von außerhalb angemietet werden. Die Kosten für eine Anmietung betragen 350 Euro zuzüglich Spritkosten. Weitere Informationen findet man auf der Website des HVSWB.

Die Azubis konnten sich in dem Projekt ausprobieren, Neues über alte Technik lernen und im Team ein historisches Fahrzeug modernisieren. Gleichzeitig hat der HVSWB nun ein fachmännisch repariertes, fahrtüchtiges Fahrzeug. Eine klassische „Win-Win-Situation“ wie Werner Fischer sagt. Bald wird auch der zweite, noch ältere Bus des HVSWB zur jährlichen Hauptuntersuchung vorgeführt. Vielleicht steht dann wieder eine Modernisierung an, von der sowohl Azubis als auch der HVSWB profitieren.

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