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Bonn: Bundesbüdchen feiert Jubiläum seiner Wiederkehr - Gedenktafel enthüllt

2020 nach Bonn zurückgekehrt : So feiert das Bundesbüdchen sein einjähriges Jübiläum

Seit einem Jahr hat die Bundesstadt ihr Bundesbüdchen wieder. Zwar steht es nicht mehr an früherer Stelle gegenüber dem ehemaligen Parlamentsgebäude. Anlässlich des ersten Jahrestages der Neuaufstellung wurde eine Gedenktafel enthüllt.

Seit einem Jahr hat die Bundesstadt ihr Bundesbüdchen wieder. Zwar steht es nicht mehr an früherer Stelle gegenüber dem ehemaligen Parlamentsgebäude. Im Gegensatz zu diesem ist es aber wieder in alter Funktion aktiv. Anlässlich des ersten Jahrestages der Neuaufstellung wurde zum Dank an die Förderer und Spender eine Gedenktafel enthüllt und bei Sekt, Kaffee und Schnittchen in Erinnerungen geschwelgt.

Seine Kunden hießen Konrad Adenauer, Joschka Fischer, Wolfgang Schäuble oder Herbert Wehner. Sie alle deckten sich jahrzehntelang beim Kiosk der Familie Rausch mit Zeitungen und Brötchen ein. Ob sich Helmut Schmidt hier mit Rauchwaren versorgte, ist hingegen genauso wenig belegt wie unwahrscheinlich. „Sitzungstage waren Hochkonjunkturtage“, scherzt Peter Storsberg, Vorsitzender des Fördervereins Historischer Verkaufspavillon.

 Jürgen Rausch freut sich über die Gedentafel zu Ehren seiner Mutter Christel.
Jürgen Rausch freut sich über die Gedentafel zu Ehren seiner Mutter Christel.

„Die letzten Jahre waren aber schwere Jahre“, erinnert sich der ehemalige Betreiber Jürgen Rausch, der seinen Kiosk nach dem Hauptstadtbeschluss noch in die Nuller Jahre retten konnte, bis es 2006 schließlich vorbei war. Aber es war nicht der Verlust der Einnahmequelle „Bundestagsmitglied“, sondern ein Anbau des World Conference Center Bonn (WCCB), weshalb das kleine ovale Gebäude von seinem angestammten Platz weichen musste.

Bundesbüdchen Bonn: „Hervorragende Ergänzung in das Gesamtensemble“

14 Jahre lang stand es anschließend unangetastet auf einem Bauhof in Hersel. Diverse bewegliche Kleinteile verstaubten gleichzeitig im Keller der Berufsschule Bonn Nord. Gelagert in der Hoffnung, dass sie eines Tages ihren Weg zurück in den Kiosk fänden. „Alles hier drin ist original aus der damaligen Zeit. Nicht einmal die Fliesen wurden ersetzt. Nur hier und da haben wir saniert“, betont Storsberg.

Seinem 2015 gegründeten Verein ist es zu verdanken, dass das Büdchen - keine 300 Meter entfernt von seinem einst prominenten Platz zwischen Bundestag, Bundesrat und Bundeskanzleramt, seinen Betrieb an neuer Stelle im Bundesviertel wieder aufnehmen konnte. „Damals brachten wir das gesamte Gebäude mit einem Schwerlastkran hierher“, so Storsberg. „Hierher“, das bedeutet an die Kreuzung Heussallee und Kurt-Schumacher-Straße, „wo das Bundesbüdchen auch hervorragend hinpasst“, wie es Hans Walter Hütter einschätzt.

Für den Präsidenten des Hauses der Geschichte sei das Gebäude eine „hervorragende Ergänzung in das Gesamtensemble“ des Projektes „Weg der Demokratie“. Womit nun ein früherer Würstchen- und Zigarettenstand in einer Reihe mit der Villa Hammerschmidt und dem Langen Eugen genannt wird und symbolisch für die aufstrebenden Jahre der jungen Republik Pate stehen soll.

Erinnerungen an bratwurstverkaufenden WDR-Intendanten Friedrich Nowottny

Zigaretten erhält man im Jahre 2021 beim Bundesbüdchen zwar nicht mehr, dafür erinnert sich das Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung und Bonner Uni-Professor Karl-Heinz Erdmann gerne an die Geschichte des bratwurstverkaufenden WDR-Intendanten Friedrich Nowottny. Spätestens dessen beschlossener Wetteinsatz während der Show „Wetten, dass..?“ machte den 20-Quadratmeter kleinen Kiosk bundesweit bekannt. „Der hat hier zwei Stunden Würstchen verkauft. Später engagierten sich er und der verstorbene Norbert Blüm stark für den Erhalt des Bundesbüdchens“, so Erdmann. „Der wäre heute auch hier“, so Rausch über den ehemaligen Arbeitsminister.

Rausch, der das Büdchen 1984 von seiner Mutter übernahm, freut sich besonders über die Überschrift der Gedenktafel. In großen Lettern steht dort „Christel Rauschs Bundesbüdchen“. „Es ist schön, dass ihr zu Ehren gedacht wird“, sagt Rausch.

Bonner Stadtrundfahrten nehmen das Bundesbüdchen in ihre Routen mit auf

Insgesamt sechs Bundeskanzler überdauerte Christel Rauschs „Amtszeit“ von 1957 bis 1984. Eine lange Zeit, über welche die heutige Verkäuferin Michaela Zimmermann von zahlreichen ihrer Kunden verschiedenste Anekdoten erfährt. „Gerade ältere Leute kommen extra her, einfach nur, um sich das Gebäude noch einmal anzusehen“, bekräftigt sie. „Zuletzt wurden im WCCB drüben die älteren Leute geimpft. Bei dieser Gelegenheit kamen viele zu uns und erzählten uns Jugend- oder Kindheitserinnerungen“, so Zimmermann. „Man spürt durchaus eine historische Kraft und die versuchen wir mit unserem Ambiente aufrechtzuerhalten.“

Mittlerweile etabliert sich der Kiosk im 50er-Jahre-Stil auch zusehends als Touristenattraktion. So nehmen Bonner Stadtrundfahrten das Bundesbüdchen in ihre Routen mit auf. „Man sollte es jedoch nicht als bloße Attraktion oder Nostalgieobjekt ansehen“, gibt Erdmann zu verstehen, der gemeinsam mit seinen Studenten eine kleine Chronik des Büdchens erstellt hat und Ende des Jahres herausbringt. „Es ist Teil der bundesdeutschen und der Bonner Geschichte. Das Bundesbüdchen steht als Symbol für eine vernünftige, interfraktionelle Debattenkultur, die heutzutage etwas verloren gegangen ist“, ergänzt Peter Storsberg.