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Bonn Corona - Stadt will neue Nachverfolgungs-App UNDO einsetzen

Kontakte in der Pandemie : Bonn will neue Nachverfolgungs-App UNDO einsetzen

Bonn wird die App des Bonner Unternehmers Jörg Haas bei Veranstaltungen einsetzen. Laut Entwickler zeigen auch Wirtschaftsverbände Interesse.

Die Stadt hat sich entschieden, künftig die Kontaktverfolgungs-App UNDO in städtischen Gebäuden und Einrichtungen oder bei Veranstaltungen zu nutzen. Das teilte Vizestadtsprecher Marc Hoffmann auf Nachfrage mit: „Die verschiedenen Funktionen der App machen einen sehr gut durchdachten Eindruck und legen nahe, bei der Arbeit in den Gesundheitsämtern einen Mehrwert zu bieten. Datenschutzrechtliche Anforderungen werden voll erfüllt.“ Weitere Details zum künftigen Einsatz werde die Verwaltung in den kommenden Tagen mitteilen.

Der Entwickler von UNDO, der Bonner Unternehmer und Wirtschaftsinformatiker Jörg Haas, Investor am Bonner Bogen, zeigte sich dem GA gegenüber erfreut ob dieser Kunde. Er sagte überdies, sowohl der lokale Einzelhandel als auch die Industrie- und Handelskammer sowie der Gaststättenverband Dehoga hätten ihm gegenüber positive Signale gegeben, UNDO einsetzen zu wollen. „Gespräche führen wir auch mit dem Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, den wir gerne ins Boot holen würden“, erklärte Haas.

Das Programm UNDO, das Haas mit seiner Firma, der CEO Scopevisio AG, für einen einstelligen Millionenbetrag entwickelt hat, bietet laut Haas bessere Möglichkeiten der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten und eignet sich für den Einsatz in Gesundheitsämtern. Die gesetzlichen Auflagen an Datenschutz und Datensicherheit erfülle das Programm vollumfänglich. Es arbeite nicht mit Datenspuren, dem sogenannten GPS-Tracking oder Tracing, Cookies oder Systemschlüssel. Eine Zertifizierung darüber hinaus sei nicht notwendig.

Besonders geeignet sei es für den Einsatz in Einrichtungen wie Pflegeheimen, in Restaurants oder bei Großveranstaltungen in Stadien oder bei Konzerten. Das Programm funktioniert sowohl webbasiert als auch auch als App, läuft also auf praktisch allen Internetbrowsern und Handys.

Die Grundidee ist folgende: Bürger können sich über ihre Smartphones bei Besuchen im Krankenhaus oder beispielsweise einem Fußballspiel bei teilnehmenden Veranstaltern per QR-Code anmelden und wieder abmelden. Im Hintergrund führt das Programm ein verschlüsseltes Tagebuch über solche Aufenthalte. Dazu muss die Einrichtung selbst allerdings zuvor durch Parameter die Umgebung möglichst gut beschreiben: Wie groß der Raum ist, ob Belüftungsanlagen eingebaut sind, wie viele Personen hineinpassen, ob getanzt oder gesungen wird, wo derjenige bei einer Platzzuweisung genau gesessen hat. Haas spricht von einem Risikoprofil und Infektionszellen, die der Algorithmus von UNDO aufgrund dieser Angaben erstellt.

Anhand dieser genauen Eingrenzung gelinge es, so Haas, die Zahl der Kontaktnachverfolgung, die Gesundheitsämter zu bewältigen habe, um 75 Prozent zu reduzieren. Im Grunde filtere es, so der Entwickler, nur diejenigen Kandidaten für die Behörden heraus, die wirklich gefährdet sind, keine mehr oder minder wahllose Menge. Die Übertragung der verschlüsselten, nur lokal auf dem Handy gespeicherten Bewegungsdaten eines Infizierten können die Gesundheitsämter anfragen. Die anonymisierte Freigabe erfolgt per Pin-Abfrage. Sodann werden nur die engen Kontaktpersonen informiert. Eine Schnittstelle mit dem von Gesundheitsämtern eingesetzten Programm Sormas gebe es.

Haas hat angekündigt, das Programm während der Corona-Pandemie kostenlos zur Verfügung zu stellen. Einerseits, um etwas Gutes für die Gesellschaft in einer schwierigen Zeit zu tun. Andererseits auch um sein Unternehmen bekannter zu machen, wie er sagte. Mittelfristig plane er, die App als Basis zu nutzen, um ein maßgeschneidertes Programm für das Veranstaltungsmanagement anzubieten, das dann auch in den Verkauf gehen soll.