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Bonn - Coronavirus: Stadt verschärft Corona-Regeln wegen steigender Fallzahlen

Limit bei privaten Feiern und schärfere Kontrollen : Stadt Bonn verschärft Corona-Regeln wegen steigender Fallzahlen

Angesichts steigender Corona-Zahlen in Bonn greift die Stadt zu schärferen Maßnahmen. Diese betreffen Privatfeiern und die Gastronomie. Die Verwaltung hält dagegen lockerere Quarantäneregelungen an Schulen für vertretbar.

Bei 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, sollen – so sieht es die Coronaschutzverordnung vor – konkrete Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Mit einem Wert von 34,85 ist er in Bonn fast erreicht. Stadtdirektor Wolfgang Fuchs erläuterte bei der Corona-Pressekonferenz am Mittwochnachmittag im Stadthaus das weitere Vorgehen.

Nun plant die Verwaltung als Erstes, private Feiern im öffentlichen Raum oder in angemieteten Räumen von 150 auf 50 Leute zu reduzieren. Nicht immer reibungslos hat das Nachverfolgen von Kontakten in Bars und Restaurants geklappt, die ab jetzt verschärft und vor allem flächendeckend überprüft werden sollen. Seit Inkrafttreten der aktuellen Coronaschutzverordnung zum 1. Oktober habe der Stadtordnungsdienst in 27 Gaststätten Listen mit Kontaktdaten kontrolliert. Das Resultat: Von 273 überprüften Namenseinträgen seien 15 Angaben falsch gewesen. Diese Gäste müssen nun mit einem Bußgeld von 250 Euro rechnen.

Doch nicht nur da hapert es immer wieder: Zuletzt sei ein kleines Lokal aufgefallen, dass zu viele Gäste bewirtete, so Günter Dick, Leiter der Bonner Bürgerdienste. 104 Leute seien auf engstem Raum zusammen gewesen. Insgesamt vier Gastwirte erwarte aufgrund eines „erheblichen Verstoßes gegen die Auflagen“ ein Verfahren mit Bußgeld von 1000 Euro. Dick kündigte zudem an, dass große Martinszüge im Einvernehmen mit den Veranstaltern abgesagt werden sollen. Nur kleinere, etwa in Kindergärten, könnten stattfinden.

1700 Anzeigen und 1150 Bußgeldbescheide

Das Ordnungsamt hat momentan 1700 Anzeigen zu bearbeiten und 1150 Bußgeldbescheide erlassen. Neun Anzeigen behandeln Maskenverstöße, wobei die Stadt empfiehlt, den Mund-Nase-Schutz sogar im Freien zu tragen. Auch im Nahverkehr werde weiter kontrolliert.

An den Schulen waren bislang 4000 Personen in Quarantäne. Seit Montag seien 550 hinzugekommen, sagte Susanne Engels, kommissarische Leiterin des städtischen Gesundheitsamtes. Damit handelt es sich um einen Spitzenwert. Fuchs hält es auf Dauer für nicht durchhaltbar, dass bei einem Infektionsfall gleich die ganze Klasse weggeschickt wird. Wenn Abstände und Hygienevorschriften eingehalten und Mund-Nasen-Schutz getragen wurde, wolle die Stadt deshalb von der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts abweichen und Quarantäne-Entscheidungen differenziert betrachten.

Laut Engels habe man sich entschieden, Kinder und Jugendliche ohne Symptome, die Kontaktpersonen ersten Grades sind, nicht mehr zu testen. Nur die Förderschulen bildeten eine Ausnahme. Damit beantwortet sie auch die Frage einer Familie mit Kindern an der Marie-Kahle-Schule, wo bei einer Schülerin nach positivem Test ihrer Mutter bislang noch kein Abstrich erfolgt sei. Diese Familie befindet sich in Quarantäne. Im Übrigen empfiehlt die Stadt, dass die Jugendlichen an weiterführenden Schulen im Unterricht wieder Masken tragen. Weiterhin noch nicht geklärt ist, wie es mit dem Sport in Turnhallen weitergeht: Da wartet die Stadt auf ein Signal von der Kultusministerkonferenz. Bei den Regelungen zu den Hallenbädern ändert sich erst einmal nichts, wobei es in den nächsten zwei Wochen dazu eine neue Expertise geben soll.

Querlüften sei praktisch überall möglich

Gut gerüstet sieht die Schulen Lutz Leide, der das Städtische Gebäudemanagement leitet. Praktisch überall sei nun das so wichtige Querlüften möglich. Eine Ausnahme bilden vier Räume des Friedrich-List Berufskollegs, wo aber Hochleistungs-Luftreinigungsgeräte im Einsatz seien. Dies seien die einzigen erhältlichen Geräte, die einen gleichzeitig virologisch wirksamen, wartungsfreien und für einen Schulbetrieb ausreichend leisen Luftaustausch gewährleisten. Da ein solches Gerät etwa 4500 Euro koste, sei eine Anschaffung nur im Einzelfall möglich. Nach aktuellen Erkenntnissen, so die Stadt, reiche in der Regel regelmäßiges, drei- bis fünfminütiges Stoßlüften in Verbindung mit einer Querlüftung aus.

Es gibt auch gute Nachrichten: Demnach seien die Krankheitsverläufe nicht mehr so schwer wie am Anfang, so Fuchs. „Die Krankenhauskapazitäten sind bei Weitem nicht ausgeschöpft.“ Derzeit würden in Bonn vier Personen beatmet. Es gebe Anfragen aus dem Ausland, ob Bonn Patienten zur Behandlung aufnehmen könne. Laut Stadt habe man derzeit auch keine Ausbrüche in Seniorenheimen. Wer zum Behördengang ins Stadthaus müsse, habe keine weiteren Einschränkungen zu befürchten. Dort gilt weiterhin Maskenpflicht. Die verschärften Regeln sind noch nicht beschlossen und müssen noch mit dem Land abgesprochen werden.