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Bonn: Debatte zum Zentralen Busbahnhof fand nicht statt

Stadtplanung in Bonn : Debatte zum neuen Zentralen Busbahnhof fällt ins Wasser

2023 soll der Neubau des Zentralen Busbahnhofs starten. Die Stadt hat dafür einen Anforderungskatalog vorgelegt, der im Fachausschuss für Mobilität und Verkehr diskutiert werden sollte. Doch dazu kam es nicht.

Dass der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) zentral in der City liegt und er damit seinem Namen gerecht wird, ist wohl das einzig Positive, was man vom ZOB sagen kann. Die negativen Seiten überwiegen: Seine schlechte Erreichbarkeit für Fußgänger, vor allem für Menschen mit Handicaps oder mit Kinderwagen, seine Enge und in die Jahre gekommene Wartestände, um nur einige Punkte zu nennen. Seit Jahren diskutieren Politik und Verwaltung über einen Neubau des ZOB. 2023 soll es soweit sein.

Ende Oktober soll der Rat im nächsten Schritt über das Anforderungsprofil als Grundlage für die Vergabe des Planungsauftrags entscheiden. Die Debatte zuvor im Fachausschuss für Mobilität und Verkehr am Donnerstag kam nicht mehr zustande. Die Vorlage wurde auf Antrag der Linken ohne Votum in den Rat verschoben.

Offenbar Diskussionsbedarf bei der Linken im Rat

Ausschussmitglied Holger Schmidt (Linke) verwies auf einige offene Punkte, die in der Ratskoalition noch besprochen werden müssten. „Im Großen und Ganzen sind wir aber mit der Vorlage einverstanden“, betonte er. Dominik Maxein vom Bündnispartner Volt hätte dagegen gerne über „den einen oder anderen Punkt“ in der Sitzung diskutiert, wie er sagte. Doch die Linke blieb bei ihrem Antrag, der letztlich die Mehrheit fand.

Rolf Beu (Grüne) hatte offenbar aus Koalitionsgründen mit der Faust in der Tasche für die Verweisung an den Rat gestimmt, wie er anschließend in einer persönlichen Erklärung zu Protokoll gab. Beu: „Wenn der Ausschuss für Mobilität und Verkehr selbst zu dem Thema ZOB nichts mehr sagen kann, dann ist der Fachausschuss überflüssig.“

Einer der Punkte, auf die man sich als Koalition noch verständigen müsse, sei die Zufahrt der Busse über die Wesselstraße oder über den Kaiserplatz, erläuterte SPD-Ratsherr Max Biniek hinterher dem GA auf Nachfrage. Biniek kündigte einen Änderungsantrag der Ratskoalition an, der am Montag vorliegen werde. Möglicherweise beinhalte er auch die Neuausschreibung eines Wettbewerbs.

Hintergrund: Neben einem Entwurf des Büros Stefan Schmitz aus Köln von 2009 soll die Verwaltung, so beschloss die Politik vor einigen Monaten, zwei weitere, alternative Entwürfe zur Ausarbeitung auf den Weg bringen. Unklar ist, ob das Kölner Büro diese Alternativen ausarbeiten wird, oder ob die Verwaltung andere Büros damit beauftragen kann. Planungsamtsleiterin Petra Denny hatte damals erklärt, das Kölner Unternehmen habe einen Urheberrechtsanspruch angemeldet, den das Rechtsamt noch prüfe. Ob ein Prüfungsergebnis inzwischen vorliegt, war in der Sitzung nicht zu erfahren.

Vorbereitungen für Ausschreibung der Planung angelaufen

Denny zufolge laufen bereits die Vorbereitungen für die Ausschreibung der Planungsleistungen. Die Anforderungen ergäben sich nicht nur aus funktionalen Kriterien. Aufgrund der Lage des ZOB seien auch städtebauliche Aspekte von großer Bedeutung. Sämtliche Anforderungen an den neuen ZOB seien zwischen der Verwaltung und den SWB abgestimmt.

So soll der neue ZOB mit mindestens 25 Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden. Dabei ist eine Schrägaufstellung (Sägezahn) vorgesehen, die zur Verbesserung der Anfahrbarkeit beitrage. Barrierefrei soll künftig auch der Zugang zur U-Bahn sein. Es soll eine „möglichst niveaufreie Querung“ der ZOB-Fahrbahnen eingerichtet werden. Auch ein wichtiger Punkt: Die angedachte Verlegung der Warteplätze der Busse am Kaiserplatz, die vor allem für die dortigen Händler ein Dorn im Auge sind, etwa in die Rabinstraße.

Pläne für Zufahrt sollen untersucht werden

Für die Zufahrt zum ZOB aus Richtung Haltestelle Markt sollen nach Stand jetzt noch zwei Möglichkeiten zu Beginn der Planung untersucht werden: Einerseits könne eine Zufahrt wie im Bestand über die Straßen Am Neutor und Kaiserplatz erfolgen. Andererseits könne auch eine zusätzliche Zufahrt über die Wesselstraße vorteilhaft sein, je nach Lage der Haltestellen im ZOB und deren Anfahrbarkeit, so die Verwaltung. „Mit der Zufahrt Wesselstraße kann nicht nur für die jeweilige Linie ein kürzerer Weg zum ZOB erreicht werden, es ergibt sich zudem eine städtebauliche Aufwertung der Achse Münsterplatz – Martinsplatz – Kaiserplatz durch die Reduzierung des Busverkehrs.“

Wie von der Ratskoalition bereits angekündigt, soll der Bereich des ZOB von Autos künftig weitgehend freigehalten werden. Die Vorlage für die damit einhergehende Kappung des Cityrings, wie sie bereits im vorigen Jahr auf Probe ausgeführt worden war, soll in den nächsten Wochen auf den Tisch kommen. Für den noch notwendigen Liefer- und Anliegerverkehr sollen Regelungen gefunden werden, die einen behinderungsfreien Betrieb des ZOB gewährleisten, so die Verwaltung. Bestandteil der Planung ist zudem, wie berichtet, auch der Neubau der Straßenbahnhaltestelle in Fahrtrichtung Dottendorf.

Ein weiterer Punkt in dem Anforderungskatalog: Die Stadt will den Bau eines Gebäudes auf der Mittelinsel südlich zum Kaiserplatz prüfen, in dem unter anderem ein Fahrradparkhaus im Untergeschoss sowie ein Fahrkartenschalter, Aufenthaltsräume für das Fahrpersonal und öffentliche Toiletten möglich wären. Ebenso ist der Bau eines Taubenhauses „in geeigneter Form im Randbereich des ZOB“ vorgesehen, „sofern dieses gestalterisch integriert werden kann“.