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Bonn: Deutsches Museum setzt auf Künstliche Intelligenz

Wiedereröffnung : Deutsches Museum Bonn setzt auf Künstliche Intelligenz

Das Deutsche Museum Bonn erfindet sich mit der Wiedereröffnung neu. Im Mittelpunkt steht nun künstliche Intelligenz.

Den Blick nach vorne gerichtet, weg von den klassischen Ausstellungen und hin zu einem Ort des Austauschs: Das Deutsche Museum Bonn will derzeit nicht weniger, als sich vollständig neu zu erfinden. Im Mittelpunkt soll dabei die Künstliche Intelligenz (KI) stehen, die die Gesellschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nachhaltig prägen dürfte.

An diesem Samstag öffnet das Deutsche Museum nach einem fast fünfmonatigen Lockdown nun wieder seine Pforten und präsentiert die ersten Stationen zu diesem Themenkomplex. Darunter befinden sich Anwendungsbeispiele für Bilderkennung, autonomes Fahren und Sprachassistenten, die – wie gewohnt – von den Besuchern getestet werden können.

„Wir befinden uns derzeit in der größten Transformation unserer 25-jährigen Geschichte“, sagt Museumsleiterin Andrea Niehaus. „Unser Ziel ist es, der größte Erlebnisort für Künstliche Intelligenz in Nordrhein-Westfalen zu werden. Nach und nach werden wir unser Haus daher umgestalten und die Dauerausstellung langsam aber sicher ersetzen. Dabei ist dieser Standort ideal, wurde die KI-Forschung in Deutschland doch immerhin 1975 in Bonn geboren.“

Interaktive Elemente nehmen zu

Doch wie stellt man etwas derart Abstraktes wie KI überhaupt aus? „Nun, der Anteil an Exponaten wird mit Sicherheit sinken, während interaktive Elemente zunehmen werden“, erläutert Kurator Ralph Burmester. „Gleichzeitig sehen wir uns als Forum, das heißt wir suchen ganz bewusst den Diskurs mit den Besuchern. Welche Erwartungen und Ängste haben Menschen im Zusammenhang mit KI? Was für Erfahrungen haben sie vielleicht schon gemacht? Das sind Fragen, die uns brennend interessieren.“

Der bereits fertiggestellte erste Erlebnisraum beginnt mit einem so genannten Turing-Test, bei dem die Grenzen zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz offenbart werden. „Eine KI ist hervorragend dafür geeignet, Muster zu erkennen, scheitert aber an Assoziationsspielchen“ erläutert Burmester. Zumal vieles mehr Schein als Sein ist. Software wie Alexa oder Siri sind letztlich nicht viel mehr als gigantische Datenbanken mit einer exzellenten Sprachausgabe, und auch eine KI, die Songtexte im Stil von Kurt Cobain schreiben soll, ahmt lediglich nach, statt wahrhaft kreativ zu sein.

Überraschend sind die Anwendungen dennoch, ebenso wie das autonome Fahrsystem der Universität Osnabrück, das mittels einer VR-Brille simuliert wird. „Dabei soll herausgefunden werden, wie Vertrauen und Akzeptanz in einen KI-Fahrer erzeugt werden kann“, so Burmester. „Die Daten dieses Experiments fließen in ein aktuelles Forschungsprojekt ein.“

Wie lange das Deutsche Museum Bonn letztlich geöffnet sein wird, ist angesichts steigender Corona-Infektionszahlen ungewiss. „Wir hatten eigentlich erst nach Ostern mit einer Öffnung gerechnet“, gesteht Niehaus. „Erst ab diesem Zeitpunkt werden wir daher auch Führungen und Workshops anbieten. Wir hoffen einfach, dass wir möglichst lange Besucher empfangen dürfen.“ Diese müssen sich per E-Mail oder per Telefon für bestimmte Zeitfenster anmelden; maximal 50 Besucher dürfen gleichzeitig im Museum sein. Das Interesse ist auf jeden Fall groß: Am Samstag ist das Museum bereits ausgebucht.

Adresse: Ahrstraße 45, www.deutsches-museum.de, ☎ 0228/302-255, info@deutsches-museum-bonn.de.