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Bonn: Diese Baustellen nerven die Bonner gerade - Kein Ende in Sicht

Kein Ende in Sicht : Diese Baustellen nerven die Bonner gerade

Rund 100 Großbaustellen gibt es derzeit in Bonn - und diese strapazieren die Nerven der Verkehrsteilnehmer enorm. Ein Ende des Verkehrschaos ist noch nicht in Sicht. Die aktuellen Einschränkungen im Überblick.

Stehende Fahrzeuge, hupende Autos, genervtes Augenrollen hinter dem Lenkrad – die zahlreichen Baustellen in Bonn strapazieren die Nerven der Verkehrsteilnehmer. Einer von ihnen ist Mohammed Hbib. Der 60-Jährige ist seit 20 Jahren Taxifahrer in Bonn. Bis zu 14 Stunden am Tag sitzt er im Taxi und fährt seine Gäste durch die Stadt. Einige Stunden davon steht der Taxifahrer im Stau – teilweise 30 Minuten pro Baustelle. „Besonders schlimm ist die Viktoriabrücke“, sagt Hbib. „Es gibt kaum staufreie Ausweichmöglichkeiten. Dadurch verpassen immer häufiger Fahrgäste ihre Termine.“

■ Trotz verschiedener Verzögerungen geht das Tiefbauamt weiterhin davon aus, dass die Viktoriabrücke Ende 2021/Anfang 2022 fertiggestellt werden kann. Start für Abriss und Neubau der Brücke war 2016. Die Kosten belaufen sich zurzeit auf rund 45 Millionen Euro. Aufgrund der Corona-Pandemie durfte Personal der Baufirma aus Osteuropa vorübergehend nicht einreisen. Zudem war die Logistik gestört, und es kam zu Materialengpässen. „Wirklich verzögert hat das die allgemeine Baumaßnahme aber nicht, da es sich nur um einen vergleichsweise kurzen Zeitraum handelte“, so Andrea Schule aus dem städtischen Presseamt. Die Fertigstellung der Rampe verzögert sich nach Angaben der Stadt allerdings um voraussichtlich mehrere Monate.

Durchschnittlich 2000 Mal pro Jahr werden in Bonn Straßenbaustellen eingerichtet. Eine genaue Zahl lasse sich nicht feststellen, da nicht alle Baustellen der Stadt gemeldet werden, so Schulte. Großbaustellen mit Auswirkungen auf den Verkehr gibt es derzeit rund 100 in Bonn, 47 davon betreiben die Stadtwerke.

■ Eine davon ist die Baustelle an der Bornheimer Straße. Dort wird derzeit die Fernwärmeleitung saniert. Seit mehreren Wochen staut sich rund um die Feuerwache 1 der Verkehr. Durch die direkte Nähe zum Verteilerkreis und der Auffahrt zu der Autobahn 565 kostet die Baustelle sämtlichen Autofahrern Nerven. Eine Leserumfrage ergab, dass viele Bürger sie überhaupt als die „nervigste“ Baustelle in Bonn ansehen. „Das Arbeiten an so einer sehr stark frequentierten Straße ist eine Herausforderung“, sagt Veronika John, Sprecherin der Stadtwerke.

Die Baustelle sei räumlich sehr eng gehalten. „Zudem haben wir besondere Rücksicht auf die Interessen der anliegenden Autohäuser genommen, da diese auf eine unterbrechungsfreie Zu- und Abfahrt von deren Grundstücken angewiesen sind“, sagt John. Aus diesem Grund sei die Baustelle in mehrere Abschnitte aufgeteilt worden. Diese Aufteilung sei auch der Grund für die lange Dauer der Baustelle. „Eine Fernwärmeleitungssanierung im laufenden Betrieb ist technisch und logistisch sehr aufwendig“, sagt John. Um die Wärmeversorgung auch während der Bauzeit zu gewährleisten, mussten zunächst Provisorien errichtet werden. Mehrere Tausend Wohnungen und gewerbliche Objekte im Bonner Norden werden rund um die Uhr über die Leitung an der Bornheimer Straße mit Warmwasser und Raumheizung versorgt.

Die Baustelle ist zunächst bis zum 30. September verkehrsrechtlich genehmigt. Aufgrund der Corona-Pandemie kam es nach Angabe der Stadtwerke im Laufe der Zeit immer wieder zu Verzögerungen von Baudienstleistungen oder Materiallieferungen. „Daher konnten wir den Zeitplan nicht einhalten“, sagt John. Einen verlässlichen Zeitpunkt der Fertigstellung kann die Sprecherin derzeit nicht nennen. „In ungefähr vier Wochen können wir aber einen Zeitraum abschätzen“, sagt John.

■ Zeitgleich erneuern die Stadtwerke die Gleise am Kaiser-Karl-Ring, Ecke Kölnstraße ab Freitag, 7. August. Dazu muss die Strecke der Straßenbahnlinien 61 und 65 getrennt werden. Zusätzlich müssen sowohl der Kaiser-Karl-Ring als auch zum Teil der Kreuzungsbereich zur Kölnstraße für den Individualverkehr bis Montag, 10. August, gesperrt werden.

■ Anwohner der Alfterer Straße in Dransdorf brauchen seit rund vier Wochen starke Nerven. Die Stadt arbeitet dort wieder am Kanal und musste die Straße zum Teil sperren. In den Kanal muss ein Schachtbauwerk eingebaut werden, dabei sind jedoch Probleme aufgetaucht: In der Baugrube haben die Arbeiter einige Kabel und Leitungen gefunden, die bisher nicht bekannt waren. Zudem mussten nicht mehr genutzte Gas- und Wasserleitungen entfernt werden. Die Fertigstellung der Baustelle verschiebt sich daher um vier Wochen und wird voraussichtlich bis Mitte Oktober andauern. Im Anschluss verlegt die Stadt in der Alfterer Straße noch vier Kanalhausanschlüsse in offener Bauweise.

■ Bis zum Ende der Sommerferien am 11. August ist das Endenicher Ei gesperrt. Straßen NRW bereitet damit die Erneuerung des Brückenbauwerks vor. Seit dem 29. Juni sind die Auf- und Abfahrten auf die A565 am Endenicher Ei dicht. Nur die Durchfahrt auf der B56 ist einspurig möglich. Wenn in den Stützwänden entlang der Autobahn Stahlanker angebracht wurden, folgt im Oktober der Bau einer Behelfsbrücke. „Prinzipiell liegen wir im Zeitplan“, so eine Sprecherin von Straßen NRW. Durch eine Kampfmittelbeseitigung beispielsweise sei es anfänglich zu Verzögerungen gekommen. „Durch die doppelte Besetzung an Personal konnten wir diese aber aufholen“, so die Sprecherin.