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Bonn-Dransdorf: Familien müssen ihre Vebowag-Wohnungen verlassen

Sozialer Wohnungsbau : Familien müssen ihr Zuhause in Dransdorf verlassen

12 Familien in der Dransdorfer Vebowag-Siedlung Hans-Sachs-Straße müssen ihre Wohnungen wegen Abriss verlassen. Manche leben seit über 50 Jahren dort. Erst kam die Wut, dann die Trauer, auch wenn das Unternehmen Unterstützung anbietet.

 Eine Hiobsbotschaft hatten die Bewohner der Häuser Hans-Sachs-Straße 12 und 14 zum Jahresbeginn im Briefkasten. Der Vermieter, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Vebowag, informierte die zwölf Parteien, dass die beiden Mehrfamilienhäuser abgerissen und neu gebaut werden sollen.

Aus Sicht der Bewohner war es eine böse Überraschung. Bislang gingen sie davon aus, dass auch ihr Haus wie die Vebowag-Blocks in der Nachbarschaft saniert würde. „Der Reihe nach wurden die Gebäude in Schuss gebracht. Dann kommt unseres eben zum Schluss dran, dachten wir“, sagt ein Bewohner. Zuvor habe es keine Anzeichen für andere Pläne der Vebowag gegeben. „Wir haben uns gerade eine neue Küche gekauft und eingebaut. Und jetzt?“, beklagt ein anderer Mieter. Über die Jahrzehnte sei in den Häusern eine Gemeinschaft gewachsen. „Wir klaafen, wir sitzen vor der Tür und grillen, wir gucken zusammen Fußball“, berichtet ein Anwohner unter dem beifälligen Nicken der anderen. „Das wird jetzt auseinandergerissen.“

Aus Sicht der Vebowag entsprechen die Häuser aus dem Jahr 1967 „nicht mehr dem baulichen Stand“. Daher habe das Unternehmen die Entscheidung für einen Abriss getroffen. „Auf den Grundstücken werden neue, öffentlich geförderte Wohnungen entstehen“, kündigt Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage an. Zumal die Mietpreisbindung für die Bestandshäuser abgelaufen sei.

Neue öffentlich geförderte Wohnungen

„Eine energetische Sanierung wie bei den Häusern in der Umgebung kam für uns nicht in Frage“, so Kleine-Hartlage. Der Plan ist, die Fläche besser auszunutzen. Die Gebäude bekommen ein weiteres Geschoss, das lasse der Bebauungsplan zu. Entstehen sollen zwölf öffentlich geförderte Maisonettewohnungen im Reihenhausstil plus drei weitere Wohnungen im Dachgeschoss.

Auf die Mieter wirkt, wie sie sagen, das Schreiben wie eine Kündigung. Dem widerspricht der Vebowag-Geschäftsführer energisch. Es handele sich lediglich um eine Ankündigung. Die Mieter sollten rechtzeitig Bescheid wissen, um gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft das weitere Vorgehen zu planen. Es sei völlig klar, dass die Neubau-Entscheidung für die Bewohner „erhebliche Veränderungen“ mit sich bringe. „Sie ist schmerzlich, da liebgewonnener Wohnraum aufgeben werden muss“, heißt es in dem Schreiben. Dem können die Bewohner nur zustimmen. Und sie machen sich Sorgen: Wohin es sie wohl nach all den Jahren an der Hans-Sachs-Straße verschlagen wird, ob sie eine passende Wohnung bei gleicher Miete finden, wieviel der Umzug kostet?

„Wir lassen uns Zeit und regeln die Sache gemeinsam“, versichert Kleine-Hartlage. Mittlerweile haben Gespräche stattgefunden. „Wir sind natürlich bereit, den Mietern in der Zwischenzeit andere Wohnungen aus unserem Bestand anzubieten“, erklärt er. Grundsätzlich käme auch die Möglichkeit in Betracht, übergangsweise eine Vebowag-Wohnung zu mieten und später eine der neuen Wohnungen auf dem Grundstück Hans-Sachs-Straße 14//16 zu beziehen. „Aber zweimal umzuziehen, das ist für die meisten keine Option.“

Abriss nicht vor 2022

Den Bewohnern würden Angebote in der Umgebung, also in Dransdorf, gemacht, aber auch in den Vebowag-Neubauten an der Villemombler Straße. „Bei 6500 Wohnungen im Bestand wird sicherlich ein adäquater Ersatz zu finden sein“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Es könne halt eine Weile dauern. „Alle wollen“, laut Kleine-Hartlage, „unter dem Dach der Vebowag bleiben“. Das sei für ihn ein Zeichen, „dass sich die Situation entspannt“. Und: „Die neu gekaufte Küche kann entweder mitgenommen werden, oder wir übernehmen die Kosten für eine Anpassung.“ Umzugshilfe wird auch in Aussicht gestellt.

Ein Problem, das den Bewohnern im Magen liegt, ist der für geförderte Wohnungen erforderliche Wohnberechtigungsschein, der eine Verdienstgrenze festlegt. „Er gilt beim Erstbezug“, bestätigt Kleine-Hartlage. Bei beruflichem Aufstieg und höherem Einkommen müssten die Mieter aber nicht ausziehen. Das führe im Laufe der Jahre in den Quartieren zu einer positiven Durchmischung. Bei einem Umzug müsse jedoch der Wohnberechtigungsschein neu beantragt werden. „Aber es besteht die Möglichkeit einer Befreiung.“

Im Durchschnitt beträgt die Miete im Vebowag-Bestand 5,90 Euro pro Quadratmeter. Für Neubauten lag sie laut Kleine-Hartlage bislang zwischen 6,25 und 6,80 Euro pro Quadratmeter, soll aber jetzt leicht angehoben werden. Mit einer konkreten Umsetzung der Planungen - also Abriss und Neubau des Häuserblocks – rechnet das Unternehmen nicht vor 2022.