Einweihung der Frauenorte in NRW Bonn erzählt die Geschichten seiner Frauen

Bonn · Bonner Frauen haben in der Geschichte Großes geleistet – doch ihre Geschichten kennen die meisten trotzdem nicht. Sechs von Ihnen ehren die Stadt und das Land NRW an sogenannten „FrauenOrten“ und machen mit Infostelen auf ihre Leistungen aufmerksam.

Die Projektverantwortlichen weihen mit Vertretern von Stadt und Land die Infostelen ein.

Die Projektverantwortlichen weihen mit Vertretern von Stadt und Land die Infostelen ein.

Foto: Jaqueline Jansen

Männer und Frauen sind gleichberechtigt – so steht es im Grundgesetz. Doch ohne Elisabeth Selbert, die den Satz 1949 durchgesetzt hat, wäre das heute nicht so. Sie ist eine von sechs Frauen, der in Bonn ein „FrauenOrt“ gewidmet wird mit einer Infostele, die Besucher von ihrem Lebenswerk erzählen soll.

Die „FrauenOrte“ sind ein NRW-weites Projekt vom Frauenrat NRW, das die Geschichten bedeutsamer Frauen in der Geschichte sichtbar machen soll. Bis 2025 sollen 50 solcher Orte in ganz NRW errichtet werden. Die Finanzierung dafür kommt vom Landesministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration.

„Wir wollen und wir müssen mit dem Projekt auch junge Frauen erreichen“ sagte Sarah Gonschorek vom Frauenrat NRW. Dass der Beitrag von Frauen in der Geschichte so wenig beleuchtet werde, sei eine Verzerrung der Realität. Junge Frauen fänden sich darin nicht wieder. „Deshalb ist die Darstellung von Frauen so wichtig: für Vorbilder. Für unsere Kinder. Für unsere Mädchen“, sagte Gonschorek. Sie sollen die dargestellten Frauengeschichten inspirieren, ihre Wünsche zu entwickeln und ihnen nachzugehen.

Bonn erhielt als eine weniger Städten den Zuschlag für mehrere „FrauenOrte“, nämlich vier. Neben Elisabeth Selbert, deren Namen und Bedeutung die meisten zumindest schon einmal gelesen haben, werden weitere fünf geehrt, die heute weitgehend unbekannt sind. Auch Oberbürgermeisterin Katja Dörner gestand zur Eröffnung: „In der Vorbereitung auf die heutige Veranstaltung habe ich festgestellt, dass ich Frau Professorin Linden gar nicht kannte – das ist ganz dramatisch.“ Einigen Nachrednerinnen ging es wie ihr.

Erste deutsche Professorin

Es geht um Maria von Linden, die 1910 als erste Frau in Deutschland zur Professorin ernannt wurde. 34 Jahre lang forschte sie an der Universität Bonn als Parasitologin und Zoologin. „Sie wurde allerdings nie gleichberechtigtes Mitglied der Universität“, sagte Gera Kessler vom Haus der FrauenGeschichte in Bonn, das in den vergangenen Jahren über 60 Lebensgeschichten von Bonner Frauen aufgearbeitet und veröffentlicht hat. Darunter auch die der gewürdigten Frauen.

Maria von Linden sei selbst enttäuscht gewesen, wie wenig sie nach eigener Einschätzung trotz ihrer Anstrengung hatte erreichen konnte. Kessler ergänzt: „Maria von Linden macht uns bewusst, dass sich die Frauen in die Wissenschaft einmischen müssen.“

Die verbleibenden FrauenOrte sind einerseits Johanna Elberskirchen gewidmet, die sich Zeit ihres Lebens für Frauen- und Homosexuellenrechte eingesetzt hat. Andererseits erhalten die „stillen Heldinnen“ – das sind Frieda Mager, Sibylla Cronenberg und Katharina Bayerwaltes – eine Widmung. Sie versteckten Jüdinnen und Juden vor dem nationalsozialistischen Regime. Mit den vielen Frauengeschichten, die Bonn zu bieten hat, präsentiert Birgit Wehrhöfer vom Land NRW gleich einen neuen Slogan für die Stadt: „Bonn – die Stadt der mutigen Frauen.“

Platziert sind die Infostelen der Bonner Frauenorte prominent am Bischoffsplatz nahe des Alten Rathauses, am Elisabeth-Selbert-Platz beim Stadthaus und im Park vor dem Ernst-Moritz-Arndt-Haus.

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