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Bonn: Elterninitiative plant erste freie Schule fürs kommende Jahr

Immobilie fehlt noch : Elterninitiative plant Bonns erste freie Schule für 2021

Die Elterninitiative sucht dafür eine Immobilie. Die Ganztagsschule soll nächstes Jahr mit zunächst drei Klassen für insgesamt 75 Kinder starten. Später sollen eine Gesamtschule und ein Kindergarten dazukommen.

Das Projekt „Bonns erste freie Schule“ wird konkret. Eine Elterninitiative plant, eine anerkannte Ersatzschule nach den Grundsätzen des Bundesverbands der Freien Alternativschulen zu gründen. „Zunächst wird eine einzügige Grundschule entstehen, die mittelfristig um eine Gesamtschule und einen Kindergarten erweitert wird“, erläutert Norbert Gutsche vom Kernteam den aktuellen Stand. Das Angebot im Ganztagsschulmodus soll im Schuljahr 2021/2022 mit zuerst drei Klassen für insgesamt 75 Kinder starten. Ab 2023/2024 soll eine weiterführende Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe darauf aufgebaut werden sowie später der Kindergarten dazukommen. Der Verein Jugendfarm Bonn steht als erfahrener Träger der Kinder- und Jugendhilfe bereit.

Ein Kernpunkt des Konzepts sei, dass Schüler in altersgemischten Verbänden selbst bestimmen können, mit welchen Lerninhalten sie sich beschäftigen, so Gutsche. Man wolle die Lust am Lernen durch Vertrauen, Ermutigung und Wertschätzung wecken. „Unsere Grundidee ist: Jedes Kind will auf jeden Fall lernen.“ Die Lehrer sollen Unterstützung, Motivation und Inspiration bieten. „Wir glauben, eine freie Schule ist mit Abstand der bessere Weg als die Regelschule.“ Man werde sich an die offiziellen Lehrpläne halten und die Vorgaben des NRW-Schulgesetzes berücksichtigen, jedoch stärker auf Binnendifferenzierung und prozesshaftes Lernen setzen. „Auf diesem Weg verzichten wir weitestgehend auf Noten und Ziffernzeugnisse.“ Das sei in NRW bis zur 8. und 9. Klasse erlaubt, antwortet Gutsche auf Rückfrage.

Die zehnköpfige Initiativgruppe besteht aus Erziehern, Lehrern, einer Sozialpädagogin und einer Diplom Pädagogin, einer Betriebswirtschaftlerin und Unternehmensberaterin. Gutsche ist selbst verbeamteter Gymnasiallehrer und hat eine 14-jährige Erfahrung als Unternehmer vorzuweisen. Im Konzeptteam arbeiten sechs weitere Personen mit. Im regelmäßigen Austausch spricht das Team rund 100 weitere interessierte Bonner an, so Gutsche. Man habe sich schon bei der Stadt, den Parteien und der Bezirksregierung vorgestellt, der man demnächst das Konzept schicke. Man suche jetzt engagierte Lehrer, einen Direktor, „der bereit ist, etwas Verrücktes zu machen“, und Schüler. „Unser Hauptproblem ist jedoch die Immobilie“, erläutert der Gruppensprecher. Man benötige ein Gebäude mit 1.800 Quadratmetern und einer großzügigen Außenfläche für das im Konzept wichtige Naturerlebnis.

Plant eine freie Schule für Bonn: Norbert Gutsch. Foto: Privat

„Unsere Traumimmobilie wäre der Gutshof Melb, aus dem die Universität ausgezogen ist“, sagt Gutsche. Es sei aber die Frage, ob das denkmalgeschützte Gebäude in Ippendorf zur Schule umfunktioniert werden dürfe. Wie berichtet, verfällt das Gut seit vier Jahren. Für das Schulprojekt kämen aber auch eine alte Schule, ein Kirchengebäude oder übergangsweise ein Bürogebäude in Frage.

Und wie will die Initiativgruppe das Projekt finanzieren und welche Schüler will sie ansprechen? „Wir rechnen mit der 87-Prozent-Förderung der Stadt für Ersatzschulen und müssen noch ein bisschen Geld einsammeln“, antwortet Gutsche. Bis zu 150 Euro pro Monat erwarte man pro Kind von den Eltern. „Gutsituierte zahlen mehr, weniger Reiche dürfen aber auch kommen.“ Man werde inklusiv arbeiten, also auch Förderkinder und Schulverweigerer aufnehmen, so Gutsche. „Und natürlich brauchen wir dann auch viele leistungsstarke Schüler.“