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Bonn-Endenich: Denkmalschutz verhindert Aussicht an der Magdalenenstraße

Denkmalschutz verhindert Aussicht : Fassaden ohne Fenster an der Magdalenenstraße in Endenich

Eine Fassade ohne Fenster erstaunt die Passanten an einem Neubau in der Magdalenenstraße. Des Rätsels Lösung: Der Denkmalschutz verhindert die Aussicht zur Straße hin, denn er machte strenge Auflagen für die Torhäuser vor einer alten Landvilla.

Viele, die an der Baustelle der ehemaligen Landvilla an der Magdalenenstraße vorbeigehen, reiben sich verwundert die Augen. Nicht nur die Villa wird umfänglich saniert und modernisiert. Einige Meter davor entstehen zudem zwei eingeschossige Gebäude, die zur Straßenseite komplett fensterlos sind. Eine Nachfrage beim Bauherrn ergab: Die fensterlose Fassade ist eine Auflage des Denkmalschutzes. Denn an der Stelle stand in früheren Zeiten eine etwa drei Meter hohe Mauer. Sie muss nun mit Hilfe der Fassade quasi wieder sichtbar gemacht werden.

Verantwortlich für die Baustelle ist der Verein Wahlverwandtschaften Bonn, der für dieses Sanierungs- und Neubauprojekt die Wahlverwandtschaften-Genossenschaft Endenich gegründet hat. Henrich Fenner war bis März Vorsitzender der Wahlverwandtschaften Bonn und wird eine der sanierten Wohnungen in der Villa selbst nutzen. Ende Juli wollen er und seine Frau einziehen. Der Einzug der übrigen Nutzer ist für August geplant, eine Wohnung im Erdgeschoss steht allen als Gemeinschaftswohnung zur Verfügung. So sieht es die Konzeption der Wahlverwandtschaften vor. Die beiden vorderen Häuser – sogenannte Torhäuser mit jeweils 76 Quadratmetern Wohnfläche – werden mit Fördermitteln gebaut und zwei Familien mit Wohnberechtigungsschein voraussichtlich im Herbst ein neues Dach über den Kopf bieten.

.„Ich werde ständig auf diese fensterlosen Fassaden angesprochen, ob unser Architekt da nicht richtig aufgepasst hat“, sagt Fenner bei einer Besichtigung der Baustelle am Dienstag vor Ort. Architekt Christian Petersen hat natürlich aufgepasst, doch gegen die Vorgaben der Denkmalschützer war er machtlos. Die Villa, die die Genossenschaft vor zwei Jahren vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW erworben hat, steht unter Denkmalschutz. Sie war in früheren Jahren von der Uni Bonn genutzt worden und stand anschließend lange leer. Da sie im Landesbesitz war, hatte bei den Planungen nicht nur die Stadt Bonn, sondern auch der Landeskonservator ein gewichtiges Wort mitzureden, erzählt Architekt Petersen. Die Entscheidung der Denkmalschützer will er nicht bewerten, allerdings bedauert er, dass die ursprüngliche Planung dort nicht realisiert werden konnte. Denn statt der Torhäuser sollte ein Neubau mit 14, 15 Wohneinheiten entstehen, wie es nach Vorgaben des Stadtplanungsamts auch möglich gewesen wäre. Doch die Denkmalschützer waren dagegen, heraus kam schließlich der Kompromiss mit den beiden Torhäusern und fensterlosen Fassaden. „Ich dachte erst, das ist nicht wahr, als ich das damals durch die Bauvoranfrage erfuhr“, erinnert sich Fenner. „Doch es ist wahr.“ Mit ihm auf der Baustelle unterwegs ist sein Nachfolger als Vereinsvorsitzender, Thomas Falter. Wie Fenner kann auch Falter diese Auflagen kaum nachvollziehen. „Dadurch ist sehr viel Wohnraum verloren gegangen“, sagt er.

Die Villa, die in den vergangen Jahrzehnten zwar immer wieder umgebaut worden ist, darf ebenfalls nur unter strengen Auflagen der Denkmalbehörde saniert werden. So müssen selbst Türen, die eigentlich nicht mehr benötigt werden, erhalten bleiben. Auf die Frage, ob er sich so ein Projekt noch einmal antun würde, schüttelt Fenner den Kopf. „Nein“, sagt er und räumt freimütig ein: „Das hat mich sehr viele Nerven gekostet. Aber jetzt freue ich mich auf die Fertigstellung“.

Erbaut wurde die Villa 1864 von Christian von dem Emden, der auch das erste Stadttheater Bonns an der heutigen Theaterstraße geplant hatte. Das corpus delicti, also die Mauer, wurde nach den Unterlagen, die Petersen vorliegen, erst später, vermutlich um 1914, errichtet. Wann sie verschwand, wusste er nicht.

Auf Nachfrage hies es seitens der Stadt Bonn: „Das Neubauprojekt ist im Kontext der umfangreichen Sanierung der ehemaligen Villa zu sehen. Hierbei wurden sehr viele denkmalpflegerische Kompromisse eingegangen.“ Bereits 2016 seien zwischen dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb und der zuständigen Oberen Denkmalbehörde Eckpunkte zur Sanierung und Nutzung des Objektes und des Grundstücks festgelegt worden. Vizestadtsprecher Marc Hoffmann weiter: „Dazu gehörte die Wiederherstellung der ursprünglich vorhandenen massiven Einfriedungsmauer zur Magdalenenstraße. Dahinter sollten eingeschossige Remisen als Car-, Bikeport oder ähnliches angelegt werden, jedoch nicht über die Einfriedungsmauer hinausragen. Diese Vorgaben waren den Käufern bekannt.“ Der Eigentümer erfülle jetzt die Forderung des Landes nach ursprünglich als Remisen geplanten Gebäuden in Form von Torhäusern, die die Grundstückszufahrt einrahmen. Die Denkmalbehörde habe diesem Nutzungswechsel zugestimmt, allerdings auf die schwierigen Belichtungsverhältnisse aufgrund der bekannten denkmalrechtlichen Erfordernisse hingewiesen.