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Bonn: Extinction Rebellion blockiert Straßen in der Innenstadt

Aktion in der Innenstadt : Extinction Rebellion blockiert Straßen in Bonn

Im Zuge der Protestaktion „Rebellion of One“ führte die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion am Samstag in zahlreichen Städten corona-konforme Ein-Mann-Straßenblockaden durch. Auch in Bonn wurde der Verkehr in der Innenstadt zeitweise eingeschränkt.

Wer am Samstagnachmittag von der Oxfordstraße in die Breite Straße Richtung Altstadt einbiegen wollte, sah sich mit einer auf der Abbiegespur sitzendenden Frau mit zwei am Körper hängenden Pappschildern konfrontiert. „Ich habe Angst, dass unsere Regierung versagt in der Klimakrise“ stand in gut leserlicher Handschrift darauf. „Wir wollen durch unsere Aktion kein Chaos verursachen oder die Autofahrer verärgern, sondern lediglich auf unsere verzweifelte Angst in der Klimakrise aufmerksam machen“, betonte die blonde Frau, die es sich auf ihrem Sitzkissen, Stadthaus im Rücken, mitten auf der Straße bequem gemacht hatte.

Sie heißt Heike Prassler und kommt aus Niederkassel. Für die 2018 in Großbritannien gegründete Bewegung sei sie schon länger aktiv. „Die meisten Verkehrsteilnehmer nehmen die Aktion gut auf. Selbst die Taxifahrer finden es gut“, so Prassler. Während ihrer Blockade goutierte in der Tat so mancher Autofahrer ihren einsamen Protest mit einem erhobenen Daumen oder freundlichem Winken. Es handele sich bei ihrer Aktion auch um kein richtiges Blockieren, schließlich könne man „hinten wenden und so von der anderen Seite kommend in die Straße fahren“, wie Prassler feststellte.

Nur einmal kommt ein etwas aufgebrachter Mann auf sie zu, um ihr mitzuteilen, er habe sie beim Abbiegen zuvor nicht gesehen und „sie mit seinem BMW beinahe überfahren“. „Ich kann natürlich auch den Ärger von manchen Leuten darüber nachvollziehen. Aber wir haben jetzt das Klimawahljahr und wir wollen, dass im September richtig entschieden wird. Sonst ist es zu spät.“ Für Prassler und ihre Mitstreiter müsse das Thema Klima noch stärker auf der Agenda der Bundesregierung stehen. „Uns geht es um Inhalte wie eine höhere CO2-Bepreisung und stärkere Industrieregulierung“, erklärte die einsame Protestlerin. Gleichzeit müsse die Klimapolitik „sozial verträglich“ sein. „In Bonn ist man auf einem guten Weg. Aber bundesweit muss das Bewusstsein dafür noch geschärft werden“, meinte sie.

Protest in 30 Städten

Dafür blockierten Extinction-Mitglieder nach Angaben der Bewegung in über 30 deutschen Städten die Straßen, neben Bonn unter anderem in Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart oder Dortmund.

Ihre Aktion habe Prassler zuvor nicht als Demonstration angemeldet. „Wir betreiben zivilen Ungehorsam, da meldet man sich nicht an. Ich habe vor, hier sitzen zu bleiben, bis die Geschäfte schließen“. Als eine halbe Stunde später die Polizei auf sie aufmerksam wird, rückt sie jedoch von diesem Vorhaben ab. Nach einem betont höflichen Austausch überzeugten die Beamten sie, ihre Sitzblockade aufzugeben, um dem ansonsten bevorstehenden Polizeigewahrsam zu entgehen. Mit ihrer Protestaktion sei Prassler dennoch zufrieden. „Wir haben zumindest wieder ein wenig Öffentlichkeit gewonnen und ich finde, die Bürgerinnen und Bürger haben das großartig aufgefasst.“