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Aktionswoche auf Münsterplatz: Bonn fehlt ein Haus für junge Wohnungslose

Aktionswoche auf Münsterplatz : Bonn fehlt ein Haus für junge Wohnungslose

Straßensozialarbeiter haben am Mittwoch auf dem Bonner Münsterplatz über das Schicksal von wohnungslosen jungen Erwachsenen informiert. Ihr Wunsch wäre eine Unterkunft nur für 18- bis 25-Jährige.

Zu Hause gab es ständig Ärger mit dem Stiefvater, die Lehrer nervten nur noch, lediglich beim „Abhängen“ mit Freunden fühlte sich Sebastian akzeptiert und geachtet. Es dauerte nicht lange, bis der heute 19-Jährige erstmals Drogen konsumierte und schließlich kriminell wurde. „Um allem Stress zu entfliehen, bin ich eines Tages abgehauen“, erzählte er. Nach kurzer Zeit war Sebastian einer von rund 5000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in NRW, die wohnungslos sind.

Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, findet in dieser Woche landesweit eine Aktionswoche der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Streetwork/Mobile Jugendarbeit statt. Gestern informierten Mitarbeiter des Kooperationsprojekts Straßensozialarbeit zusammen mit der offenen Tür Sankt Cassius und dem Jugendmigrationsdienst der Heimstatt auf dem Münsterplatz über dieses Problem.

„Das ist ein typischer Lebenslauf“, sagte Ahu Bilaloglu, die als Streetworkerin der Awo-Betriebsgesellschaft „Der Sommerberg“ unter anderem im Tannenbusch unterwegs ist. Wie viele obdachlose Jugendliche es in Bonn gibt, das lässt sich nicht beziffern. „Da die Betroffenen ständig unterwegs sind, haben wir keinen genauen Überblick“, berichtete sie. Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern des Kooperationsprojekts Straßensozialarbeit (Jugendamt, Evangelische Jugendhilfe Godesheim und Heimstatt) kümmert sie sich speziell um 14- bis 27-Jährige, die hier auf der Straße leben „Dabei müssen wir unter Obdachlosen und Wohnungslosen genau differenzieren“, erklärte sie.

Denn Obdachlose würden selten auf der Straße leben. „Gerade im Tannenbusch verfügen viele über ein großes soziales Netzwerk. Dort kennt man sich und lässt einen anderen auch schon mal ein paar Tage in der eigenen Wohnung leben“, so die Expertin. In einem ersten Schritt leistet sie vor allem pädagogische Unterstützung, hilft bei Behördengängen und begleitet bei Terminen mit den Krankenkassen. „Das ist wichtig, um den jungen Erwachsenen auf Dauer zu helfen“, so Bilaloglu. Um das Problem dauerhaft zu lösen, müsse die Arbeit drei Eckpfeiler haben: Prävention (Verhinderung des sozialen Abstiegs), Intervention (akute Hilfe) sowie Sicherung (Verhinderung eines weiteren Abrutschens).

Darüber hinaus haben die Streetworker jedoch auch ganz konkrete Wünsche für ihre Arbeit in Bonn. „Es wäre schön, wenn es in der Stadt eine Obdachlosenunterkunft gebe, in der nur 18- bis 25-Jährige aufgenommen werden. Denn wir erleben es immer wieder, dass es unter den Bewohnern einen Konkurrenzkampf gibt, den die Jugendlichen und vor allem junge Frauen nicht gewinnen. Gerade für die obdachlosen Mädchen wäre ein solches Haus wichtig“, sagte Ahu Bilaloglu.