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Bonn: Feuerwehr erklärt Verhalten bei Hochhausbrand

Nach Hochhausbrand in Bonn : Wie sollten sich Bewohner bei einem Hochhausbrand verhalten?

Bei einem Hochhausbrand sollten Bewohner nicht dem Fluchtreflex nachgeben, denn nicht immer ist es sinnvoll aus der Wohnung zu fliehen. Bei dem Feuer in Duisdorf hatten sie alles richtig gemacht.

Ein Brand im achten Stock ist auch für die Berufsfeuerwehr kein Kinderspiel. 35 Einsatzkräfte mussten deshalb am späten Samstagabend in die Julius-Leber-Straße nach Duisdorf ausrücken, nachdem dort in einer Wohnung Feuer ausgebrochen war. Der Bewohner wurde dabei leicht verletzt, konnte sich aber selbst in Sicherheit bringen. Dank des schnellen Eingreifens bleib der Schaden auf die betroffene Wohnung begrenzt. Diese muss jetzt fachgerecht saniert werden.

Zwei Tage nach dem Einsatz zieht Feuerwehr-Pressesprecher Heiko Basten auf GA-Anfrage erleichtert Bilanz: „In diesem Fall hat der Betroffene alles richtig gemacht. Das hat uns im Einsatz geholfen“, sagt er.

2019 brannte es 93 Mal in einem Hochhaus

Zimmerbrände kommen häufiger vor, als viele denken: 3034 Fälle registrierten die Feuerwehren im Regierungsbezirk Köln nach der Landesstatistik für Gefahrenabwehr 2019. Immerhin 93 Mal brannte es in einem Hochhaus. In einem solchen Fall gilt es, wenige Regeln zu beachten. „Grundsätzlich darf man einen ersten Löschversuch unternehmen, solange man sich das zutraut und nicht selbst gefährdet“, sagt Basten. Ansonsten aber: Sofort die Wohnung verlassen, Türe schließen und Nachbarn in direkter Nachbarschaft Bescheid sagen. Im Stock darüber und darunter kann Kohlenmonoxid zur Gefahr werden. Deshalb sofort gemeinsam raus auf die Straße und sich den anrückenden Feuerwehrleuten zu erkennen geben. „Für uns ist es Gold wert, wenn wir wissen, dass niemand mehr in der Wohnung ist und was uns dort erwartet“, sagt Basten.

Alle anderen Bewohner sollten nicht dem eigenen Fluchtreflex nachgeben, rät Basten. „Im Zweifelsfall ist man in der eigenen Wohnung immer am sichersten“, sagt er. Ein Treppenhaus kann zur Rauchfalle werden und tödliche Vergiftungen bringen. Besser sollte man sofort die Wohnungstür wieder schließen und möglichst den Spalt mit feuchten Tüchern abdichten. „Dann sollten Sie sich am Fenster oder auf dem Balkon uns zeigen“, rät der Experte. Bis zum siebten oder achten Stock können Bewohner bei Bedarf über eine Drehleiter gerettet werden. Bei höheren Bauten sei ein separates brandsicheres Treppenhaus als zweiter Fluchtweg vorgeschrieben, über das die Polizei notfalls evakuieren kann. Mutige Abseilmanöver mit dem Helikopter, da muss Basten enttäuschen, gebe es hingegen nur in Hollywoodfilmen.

Auch kleine Brände sind in Hochhäusern schwierig

All das war am Wochenende nicht nötig. Das betroffene Gebäude hatte ein abgetrenntes Treppenhaus und eine Steigleitung. So konnten die Brandbekämpfer Wasser direkt auf der Brandetage abzapfen. Nach Öffnung der Wohnungstür wurde in der Zarge ein Schutzvorhang aus dickem Stoff gespannt, der den meisten Rauch innen hält. Mit starken Ventilatoren konnte dann der Rauch nach außen geblasen werden.

Auch für einen kleinen Brand, den sonst ein Trupp von drei Mann löscht, ist in rund 30 Metern Höhe viel Personal nötig. Das Löschmaterial musste zunächst zu einem Depot im Stockwerk darunter getragen werden. Einen speziell gesicherten Feuerwehraufzug gab es nicht. Und wer glaubt, die eisige Kälte wäre den Löschtrupps entgegengekommen, der irrt. Das austretende Löschwasser fror auf der Straße und den Bürgersteigen schnell zu einer dicken Eisschicht, dass weiträumig mit Salz abgestreut werden musste.