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Bonn: FFF und Landwirte demonstrieren vor Landwirtschaftsministerium

Vor Landwirtschaftsministerium : Landwirte und Umweltaktivisten demonstrieren in Bonn

Landwirte und Umweltaktivisten demonstrierten am Mittwoch vor dem Landwirtschaftsministerium in der Duisdorfer Rochusstraße in Bonn. Eine der Forderungen: Die EU soll Kleinbetriebe fördern.

Zwei vertrocknete Edeltannen hatte Bernd Schmitz an der Gabel seines Traktors befestigt, als er am Mittwoch am Landwirtschaftsministerium in der Duisdorfer Rochusstraße vorfuhr. „Wenn sich in der europäischen Agrarpolitik nicht schnell etwas ändert, dann werden wir uns an den Anblick vertrockneter Bäume sowie versteppter Wiesen und Weiden gewöhnen müssen“, mahnte der Vorsitzende der NRW-Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft eindringlich.

Zwar hatten sich die EU-Staaten erst in der Nacht zuvor auf einen Kompromiss bezüglich der zukünftigen Agrarpolitik geeinigt, dennoch sind Landwirte aus der Region sowie der Bonner Ableger der „Fridays for Future“-Bewegung weiterhin alarmiert. „Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie nicht nur Großbetriebe unterstützt, sondern dass Ministerin Julia Klöckner die kleinen Höfe stärker in den Fokus nimmt. Denn sie sind diejenigen, die klimafreundlich Lebensmittel produzieren“, so Schmitz.

Für ihn wie für viele andere kleinere Betriebe in Bonn und der Region geht es derzeit ums Überleben. „Nach drei Dürresommern geht uns langsam die Puste aus. Wenn die Politik jetzt nicht endlich eine Wende einläutet und diejenigen unterstützt, die Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz in der Landwirtschaft umsetzen, dann geht das Höfesterben weiter“, vermutet Schmitz.

Noch hat er in seinem Betrieb in Hennef 50 Milchkühe stehen. „Doch seit drei Jahren trägt sich der Betrieb nicht mehr. Es fehlt an Wasser und an Futter. Ich werde mich wohl von einem Großteil meiner Milchkühe trennen müssen“, so der Biobauer. Dabei würde seine Tochter gerne mit einsteigen und den Betrieb später übernehmen. „Aber unter den derzeitigen Bedingungen hat die Landwirtschaft hier keine Zukunft.“

Einig waren sich die Demonstranten, die einem gemeinsamen Aufruf von Fridays for Future, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) NRW, den Bonner Parents for Future sowie der Bewegung Extinction Rebellion gefolgt und vor das Ministerium gekommen waren, dass eine sinnvolle Agrarsubventionen endlich die Reduktion von CO2-Emissionen anerkennen und honorieren muss, um dadurch die Existenz von Familienunternehmen zu sichern. „Den großen Betrieben werden die Milliarden zugeschustert. Aber die vielen kleinen Höfe, die für Vielfalt in der Lebensmittelproduktion sowie eine ökologisch nachhaltige Produktion stehen, die gehen meist leer aus“, beklagte Schmitz. „Es ist klima- und umweltpolitisch die vollkommen falsche Entscheidung, die großen Monokulturen zu fördern, anstatt die Vielfalt mehr in den Fokus zu rücken.“

Dass sich Landwirtschaft und Klimaschutz nicht ausschließen müssen, das betonte auch Luca Samlidis von Fridays for Future.  „Allerdings wird in der Agrarpolitik der Einsatz für mehr Klimaschutz bislang nicht gefördert. Für uns ist eine Reform eine der wichtigsten Klimaentscheidungen des kommenden Jahrzehnts. Wissenschaftler, NGOs und Verbände fordern einen Neustart in der gemeinsamen Agrarpolitik, weil diese bisher in ihrer Verantwortung gegenüber der Klimakrise versagt hat“, ergänzte er.