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Bonn: Flüchtlinge weichen für Sprachkurs in Hotel aus

Unterricht in Bonn : Flüchtlinge weichen für Sprachkurs in Hotel aus

Weil im Pfarrheim nicht genug Platz ist, weichen Flüchtlinge für einen Sprachkurs ins Hilton Hotel aus. Im September ist die Rückkehr nach Limperich geplant.

Im Veranstaltungsraum „London“ ist bereits alles vorbereitet. Jetzt braucht Hotel-Direktorin Angelika Zupanc nur noch das Schild mit dem Hinweis „Clean Stay“ an die Tür zu hängen. In wenigen Minuten kommen die Teilnehmer des Sprachkurses für Geflüchtete des Katholischen Bildungswerkes. Das Siegel „Clean Stay“ gibt ihnen zu wissen, dass alle aktuellen Corona-Hygienevorschriften berücksichtigt wurden. „Türgriffe, Lichtschalter – alles, wo viele Bakterien sitzen können, haben wir kurz vor Beginn des Kurses noch einmal gründlich gereinigt“, berichtet Zupanc.

Seit Mitte Juni findet der Sprachkurs für Geflüchtete dreimal die Woche im Hilton Hotel statt. „Vorher hatte uns die Kirchengemeinde immer beherbergt“, berichtet Christina Albrecht-Eisel, Kursleiterin und Referentin beim Katholischen Bildungswerk. Im Pfarrheim Heilig Kreuz in Limperich hatten die Teilnehmer stets eng zusammensitzen müssen: Gerade mal zehn Quadratmeter standen den 14 Teilnehmern zur Verfügung – somit war der Raum mit Ausbruch der Corona-Pandemie keine Option mehr.

 Im etwa 50 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum des Hilton ist das Einhalten des Mindestabstands kein Problem mehr: „Der Raumwechsel ist eine große Entlastung für uns“, sagt Albrecht-Eisel. Auch die Kursteilnehmer sind erleichtert, dass der Kurs weitergehen konnte: „Bei einer zu langen Pause verlernt man schnell wieder etwas“, sagt Yassin Reshahi. Der gebürtige Afghane besucht seit eineinhalb Jahren den Kurs und kam ganz ohne Deutschkenntnisse hierher: „Ich möchte meine Sprachkenntnisse weiter verbessern“, sagt er. Die übrigen Kursteilnehmer kommen aus Syrien, Irak und Eritrea.

Einen Zugang zu den Sprachkursen der Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) haben sie nicht erhalten. Dank der Aktion „Neue Nachbarn“ können sie kostenfrei an dem aus Landesmitteln finanzierten Kurs teilnehmen – mit Erfolg: „Viele Kursteilnehmer sind ohne jegliche Sprachkenntnisse gestartet und können jetzt schon einen Berufsförderkurs besuchen“, berichtet Albrecht-Eisel. Insgesamt laufen derzeit zehn Sprachkurse, drei davon online. Drei andere Kurse mussten in kleinere Gruppen geteilt werden, da in den Räumen bei der Awo Bad Godesberg der Mindestabstand nicht eingehalten werden konnte.

Ab September wird der Sprachkurs wieder nach Limperich zurückkehren können: „Die Kirchengemeinde hat einen großen Raum im Pfarrheim freigegeben“, berichtet Eisel.

An der Volkshochschule Bonn können alle Integrationskurse weiterhin als Präsenzkurse im Haus der Bildung stattfinden. „Bei uns stehen genügend Räume zur Verfügung“, sagt Direktorin Ingrid Schöll. Gegenwärtig finden 15 Sprachkurse mit 220 bis 230 Teilnehmenden statt – darunter Integrationskurse und berufsbezogene Spezialkurse. „Sollte es erforderlich werden, hätten wir auch die räumlichen Möglichkeiten und die Technik, die Kursteilnehmer in Kleingruppen aufzuteilen und sie in verschiedenen Räumen zu unterrichten“, so Schöll.