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Bonn: Fotoausstellung dokumentiert Neubau des Gerichts

Ausstellung im Bonner Gericht : Justizhauptwachtmeister im Fotofieber

Klaus Hirschmann hat den Neubau des Bonner Gerichtskomplexes über Jahre fotografisch dokumentiert. Nun hat er seine Sammlung in Anwesenheit von NRW-Justizminister Peter Biesenbach an das Landgericht übergeben.

Er musste hoch hinaus: Um den Neubau des Bonner Landgerichts und den vorausgegangenen Abriss des alten Gefängnisses an der Oxfordstraße zu fotografieren, war Klaus Hirschmann Ende der 90er-Jahre regelmäßiger Gast im benachbarten Stadthaus. Von der obersten Dachterrasse des Verwaltungsbaus hatte der heute 52-jährige Justizhauptwachtmeister nämlich den besten Überblick über die Großbaustelle im Herzen des Noch-Regierungssitzes.

Rund 4000 Fotos hat Hirschmann im Laufe der Zeit geschossen. Einen kleinen Teil davon werden die Besucher von Amts- und Landgericht demnächst in der alten Bibliothek bewundern können. Bei einem Festakt, bei dem NRW-Justizminister Peter Biesenbach am Donnerstagmorgen die Justizwachtmeister für ihr Engagement in der Pandemie ehrte, nahm der Minister mit Landgerichtspräsident Stefan Weismann für die Bonner Gerichte auch einen Ordner mit Hirschmanns Fotos in Empfang. Die Sammlung soll den Grundstock eines kleinen Museums bilden.

1992 kam Hirschmann zunächst als Bote in den Justizdienst, 1995 begann der Abriss des alten Bonner Knastes an der Oxfordstraße. Grund genug für den frischgebackenen Justizbeamten, sich mit der Geschichte des Baus zu beschäftigen. „Als Ur-Bonner war ich schon immer geschichtlich interessiert“, erzählt er. Und das 1864 als erstes preußisches Arresthaus neben dem Amts- und Landgericht errichtete Gebäude stehe schließlich exakt auf der alten Stadtmauer.

„Das ist ganz typisch Bonn“, findet der Hobbyhistoriker, und so habe er beschlossen, das ein oder andere Relikt für die Nachwelt zu retten – sei es auf Zelluloid gebannt oder in echt. Eines seiner ersten Fundstücke war ein altes Zellengitter, das er während der Abbrucharbeiten fand.

Schnell war mit den Arbeitern besprochen, dass er das zirka anderthalb mal zwei Meter große Stück Bauschutt gerne mitnehmen dürfe. In seinem Keller und später in der Garage wartete es dann viele Jahre auf seine Bestimmung, bevor der mit Hirschmann befreundete Bonner Künstler Curt Delander es dann als Ausstellungsstück ins Frauenmuseum holte.

Delander habe aber bereits fest zugesagt, dass er das Gitter der neuen Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung stellen werde. Neben solchen Fundstücken und vielen Zeitungsartikel mit Nachrichten und Anekdoten aus den Gerichten bilden aber Hirschmanns Fotos das Herz der Sammlung.

Angefangen hat er tatsächlich mit einer der legendären Pocketkameras. Schnell wurde aber klar, dass die Qualität der Aufnahmen auf dem 13-mal-17-Millimeter-Film nicht für Hirschmanns Ansprüche reichte, und so entstanden fast alle Aufnahmen mit einer eigens angeschafften Spiegelreflexkamera. Eine Digitalkamera hat sich Hirschmann bis heute nie zugelegt. „Ich bin ein altmodischer Mensch“, sagt er bescheiden lächelnd. Dazu passt, dass es sich bei einem Großteil seiner Bilder um Schwarzweiß-Aufnahmen handelt: „Das hat einfach mehr Charakter“, findet er.

Landgerichtspräsident Weismann plant mit dem Haus der Geschichte (HdG) der Bundesrepublik Deutschland zusammenzuarbeiten: „Unser Wunsch ist, dass die Ausstellung spätestens zum Deutschen Juristentag im kommenden September eröffnet ist“, so Weismann. Ähnlich wie im HdG wünscht er sich zwei Multimediasäulen: „Es wäre doch schön, wenn sich in Zukunft auch Schulklassen hier vor Ort über die Geschichte der Justiz in Bonn informieren.“