Fachkräftemangel im „Friesi“ Bonner Freibadsaison startet mit Einschränkungen

Bonn · Die Freibadsaison startet in Bonn mit Einschränkungen. Im Freibad Friesdorf gelten reduzierte Öffnungszeiten. Grund dafür sei der Fachkräftemangel, erklärt Sport- und Bäderamtsleiter Stefan Günther.

 Ein Handwerker bearbeitet die Fliesen im Römerbad.

Ein Handwerker bearbeitet die Fliesen im Römerbad.

Foto: Benjamin Westhoff

Viele unbesetzte Stellen, zu wenig Aushilfskräfte: Ins Wasser fällt die Freibadsaison in Bonn in diesem Jahr zwar nicht. Doch der akute Fachkräfte- und Personalmangel zwingt die Stadt zum Handeln. Während vier von fünf Freibäder ab Fronleichnam, 30. Mai, zu den gewohnten Zeiten öffnen, müssen sich die Besucher in Friesdorf im Sommer mit deutlich reduzierten Badezeiten begnügen.

Die Drehkreuze am Einlass zum Hardtberg-, Römer-, Ennert- und Rüngsdorfer Bad bewegen sich montags bis freitags von 6.30 bis 19 Uhr (samstags, sonn- und feiertags von 10 bis 19 Uhr), im „Friesi“ können die Besucher allerdings erst ab 11 Uhr (bis 19 Uhr) in die Becken springen. Die Freibadsaison beginnt in Friesdorf dafür schon deutlich früher als in den anderen Stadtteilen, nämlich am 18. Mai.

„Der Fachkräftemangel trifft die gesamte Branche“, erklärt Sport- und Bäderamtsleiter Stefan Günther. Mit dem vorhandenen Personal könne man den Bäderbetrieb jedoch nur mit Einschränkungen stemmen. „Das Friesi als kleinstes Bonner Freibad kann trotz aller Bemühungen nur im Ein-Schicht-Betrieb geführt werden. Daher mussten wir die Öffnungszeiten entsprechend anpassen“, so Günther.

Reagiert hat die Stadt hingegen auf die deutlich spürbaren Klimaveränderungen. Nachdem in den vergangenen Jahren auch im September noch hochsommerliche Temperaturen herrschten, endet die Freibadsaison erst am 15. September. Allerdings gilt das nicht für das „Friesi“. Denn dort ist bereits am 1. September Schluss, damit das Bad für die Hallensaison 2024/2025 hergerichtet und die Traglufthalle aufgebaut werden kann.

Im „Friesi“ gelten deutlich eingeschränkte Öffnungszeiten. (Archivfoto)

Im „Friesi“ gelten deutlich eingeschränkte Öffnungszeiten. (Archivfoto)

Foto: Axel Vogel

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister fehlen bundesweit rund 3000 Fachkräfte. Ein Problem, mit dem auch Bonn zu kämpfen hat. So sucht man im Stadthaus derzeit händeringend sowohl Meister als auch Fachangestellte für den technischen Betrieb sowie Rettungsschwimmer für die Wasseraufsicht. „Fünf festangestellte Fachkräfte fehlen uns derzeit“, sagt Marc Wester, Leiter Bäderbetrieb. Gebraucht werden ein Meister für Bäderbetriebe, drei Fachangestellte für Bäderbetriebe sowie ein Fachangestellter als Schwimmlehrer. Fortlaufend werden zudem ausgebildete Rettungsschwimmer als Aushilfen eingestellt. Gerade im Bereich der Aushilfs- und Teilzeitkräfte könne der Bedarf nicht konkret genannt werden. „Das richtet sich immer nach der Saison“, erklärt Günther. Denn bei einem verregneten Sommer kämen deutlich weniger Besucher in ein Bad.

In Friesdorf startet die Freibadsaison früher, weil hier im Gegensatz zu den anderen Bädern keine Fliesenarbeiten notwendig sind. Die Becken dort sind mit einer stabilen Folie ausgekleidet und werden im Winter durch die Traglufthalle vor Frost und Temperaturschwankungen geschützt. Anders sieht es in den anderen Freibädern aus. Durch den andauernden Regen in den vergangenen Wochen und den frostigen Nächten verzögern sich derzeit die notwendigen Fliesenarbeiten. Denn das alte Wasser, das über den Winter zum Schutz in den Becken blieb, wurde erst vor Kurzem abgelassen. Erst nach der Reinigung wurden dann die Schäden sichtbar. Derzeit werden daher defekte Kacheln ersetzt und verfugt.

So wie aktuell im Römerbad: Im Nichtschwimmerbecken sind die Ausbesserungsarbeiten bereits beendet und langsam wird wieder Wasser eingelassen. „Auch in den anderen Becken sind wir bald so weit“, erklärt Marta Wadolny, stellvertretende Leiterin des Römerbads. Noch sind die Handwerker sowohl im Sport- und im Sprungbecken bei der Arbeit, doch auch dort soll schon in den nächsten Tagen wieder Wasser fließen. Schnell erledigt ist das allerdings nicht. „Wir benötigen zwei bis drei Tage, bis ein Becken gefüllt sind“, sagt sie. Sobald das Wasser eingelassen ist, wird es fortlaufend kontrolliert. Bis zur Eröffnung der Freibadsaison soll die Wassertemperatur bei 21 Grad liegen.

Bereits erledigt sind die umfangreichen Reinigungsarbeiten an und in den Gebäuden. Abläufe und Sanitäranlagen wurden gereinigt, ebenso die Außenflächen sowie die Beete. Bis zum Start in die Freibadsaison werden zudem die Liegewiesen und Spielplätze auf Vordermann gebracht.

Im Jahr 2027, so hofft Sport- und Bäderamtsleiter Günther, wird auch das Melbbad wieder öffnen. Zuvor muss jedoch das vorhandene Gebäude abgerissen und erneuert werden. „Wir arbeiten derzeit an einer personellen Lösung, um eine entsprechende Planung in Auftrag zu geben.“ Festlegen will er sich zwar nicht, aber: „Ich habe die Vision, dass das Melbbad in drei Jahren wieder öffnet.“

Der Betrieb in den Hallenbädern Hardtberg- und Frankenbad sowie in der Beueler Bütt endet am Mittwoch, 29. Mai, und beginnt im Frankenbad und in Beuel nach der Freibadsaison wieder am 16. September. Im Hardtbergbad startet nach dem Sommer die Sanierungsphase (siehe Infokasten).

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort