Wer steckt dahinter? Viele Gemälde im Banksy-Stil in Bonn zu finden

Bonn · Wieder ist ein neues Graffiti des Kölner Streetart-Künstlers Tim Ossege in Bonn aufgetaucht: Diesmal an der frisch umbenannten Guido-Westerwelle-Brücke. Dem GA erzählt Ossege, wie seine Bilder entstehen.

 Das neue Bild des Kölner Streetart-Künstlers ist an der Guido-Westerwelle-Brücke zu sehen.

Das neue Bild des Kölner Streetart-Künstlers ist an der Guido-Westerwelle-Brücke zu sehen.

Foto: Gabriele Immenkeppel

Wenn das mal keinen Ärger gibt: Die Zange, mit der offenbar das Kabel der Überwachungskamera gerade gekappt wurde, hält der Junge im blauen Sportdress noch in der Hand. Mit einer eindeutigen Geste zeigt er, was er von der Überwachung hält – nämlich gar nichts. Allerdings hat das Ganze nichts mit Vandalismus zu tun. Es ist ein neues Bild des Kölner Streetart-Künstlers Tim Ossege, das seit ein paar Tagen am Treppenabgang von der Guido-Westerwelle-Brücke hinunter zur Thomastraße zu sehen ist. Entdeckt wurde es von Manfred Frieben, der sofort ein Foto an den GA schickte. „Ich finde das Werk großartig“, sagt er.

Das ist jedoch nicht das einzige Kunstwerk von Ossege, das man in der Bundesstadt entdecken kann. „Nein“, sagt der Kölner mit dem Pseudonym „SeiLeise“. „Ich habe in letzter Zeit viele neue Arbeiten in Bonn gemacht.“ Vor allem im Bereich der Altstadt sind seine Gemälde im Banksy-Stil zu finden.

Bevor es ein neues Bild gibt, zieht es den Künstler durch die Stadt, um das ideale „Atelier“ für seine Arbeiten zu finden. „Ich habe vor allem einen Blick für die Schmuddelecken im urbanen Raum“, sagt er. Seine Graffitis werden allerdings nicht vor Ort gefertigt. Sie entstehen im Atelier von Tim Ossege in Köln. Dort trägt er Farbschicht für Farbschicht auf Folien auf, bis schließlich ein Gesamtkunstwerk entstanden ist. Die fertigen Arbeiten müssen dann nur noch vor Ort angebracht werden. Sobald eine passende Wand gefunden ist, bringt der Künstler seine Motive mit Pinsel und Kleister an. Meist dauert das nur wenige Minuten. „Bevor ich entdeckt werde, bin ich schon wieder weg.“

Ossege zieht die Arbeit im Atelier aus gutem Grund dem Malen im Freien vor. Direkt auf die Wand angebrachte Farbe gilt als Sachbeschädigung, geklebte Papierarbeit nur als „wildes Plakatieren“, was aber auch strafrechtlich relevant sein kann.

Streetart-Künstler hat keine Angst vor Diebstahl

Hat Ossege keine Angst, dass seine Werke gestohlen werden? „Nein, das ist kaum möglich“, erzählt er. Die Bilder sind auf einer sehr dünnen Schicht aufgetragen. „Wer versucht, sie abzuknibbeln, der zerstört sie.“ Er geht daher davon aus, dass seine Kunstwerke eher zerstört oder übermalt werden. „Damit muss man als Streetart-Künstler rechnen“, sagt er. „Es ist mir lieber, wenn ich solche Reaktionen bekomme, als gar keine.“ Dass unautorisierte Kunstwerke mitunter entfernt werden, betrachtet Ossege als Teil des Spiels. „Da, wo etwas verschwindet, ist auch wieder Platz für Neues.“ Er bemühe sich, immer ein Ohr für Kritik zu haben, um die Öffentlichkeit hinter sich zu wissen.

Der gelernte Grafiker, der die Graffiti-Kunst zu seinem Beruf gemacht hat, widmet sich bei seiner Arbeit Themen, die die Gesellschaft bewegen. So wie am Rheinufer unweit des UN-Campus. Dort ist ein kleines Mädchen mit einem orangefarbenen Oberteil zu sehen, auf dem die Botschaft „Sea Rescue is not a crime“ (Deutsch: „Seenotrettung ist kein Verbrechen“) steht. Das gleiche Bild gibt es am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Dabei will Ossege dem Betrachter nach eigenen Angaben keine eindeutige Botschaft aufdrängen, sondern ihm stets einen Spielraum für Interpretation lassen.

Von Bonn aus geht es für den gelernten Grafiker in den nächsten Tagen weiter nach Frankreich. In Paris bereitet er aktuell eine Streetart-Ausstellung vor.

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