1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonn: Grünes Licht für Umweltspuren auf Hermann-Wandersleb-Ring

Verkehrsversuch in Bonn : Grünes Licht für Umweltspuren auf Hermann-Wandersleb-Ring

Der Verkehrsausschuss gibt grünes Licht für Umweltspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring in Bonn. Die Verwaltung soll ihre Planungen allerdings an den Übergängen überarbeiten.

Der Verkehrsausschuss hat am Mittwochabend trotz erheblicher Bedenken der Opposition einem Verkehrsversuch auf dem viel befahrenen Hermann-Wandersleb-Ring im Grundsatz zugestimmt. Die Verwaltung soll ihre Pläne für die probeweise Einführung einer Bussen und Radfahrern vorbehaltenen Umweltspur pro Richtung zwischen den Knotenpunkten Auf dem Hügel/Frongasse und Provinzialstraße/Rochusstraße allerdings überarbeiten. Nach Auffassung der Koalitionspartner von Grünen, SPD, Linken und Volt sei der Verwaltungsvorschlag gerade an diesen Übergängen für Radfahrer und Fußgänger „unausgereift und in Teilen gefährlich“. Auch sei die Umsetzung so zu planen, dass der Ausbau zu einer durchgängigen schnellen Radwegeverbindung über Endenicher Ei und Endenicher Straße bis zur Viktoriabrücke als übergeordnetes Ziel möglich sei. Diesen Bereich hat die Fachverwaltung mit der Begründung ausgespart, die Verkehrsbelastung sei zu hoch.

Sie schlägt vor, am Beginn des Sonderfahrstreifens an den Kreuzungen mit Provinzialstraße/Rochusstraße einerseits und Auf dem Hügel/Fronhof andererseits „einen Versatz zum Einfädeln auf den danach verbleibenden Kfz-Streifen“ schaffen zu wollen. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Rolf Beu, deutete an, wie aus Sicht der Koalition eine Entschärfung möglich sein könnte: Nachzudenken sei beispielsweise darüber, die Umweltspur bereits ein Stück in der Provinzialstraße beginnen zu lassen.

In den Reihen der Opposition lehnt man die Idee rundheraus ab, über einen Zeitraum von mindestens zehn Monaten die Außenspuren des Hermann-Wandersleb-Rings Bussen und Radlern vorzubehalten und nur an den Einmündungen stadteinwärts zu Pfarrer-Byns-Straße, Theodor-Litt-Straße und Erich-Hoffmann-Straße Abbiegemöglichkeiten durch Unterbrechungen mit Radschutzstreifen zu schaffen. Autofahrer müssen sich in der Folge mit einer Fahrspur je Richtung begnügen. Arno Hospes von der CDU sprach von erwartbaren Staus für die Autofahrer, Umfahrungen durch kleinere Straßen, langsameren Bussen und Gefährdungen für Radfahrer. Stadteinwärts soll die Sonderfahrspur 5,20 Meter breit sein und damit Bussen das Überholen von Radlern ermöglichen.

Von einem Eingriff in den Autoverkehr ohne jedes Augenmaß sprach Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn (BBB). Alessandro Balan äußerte, es werde der Versuch unternommen, „völlig inkompatible Verkehrsteilnehmer auf eine Fahrspur zu drängen“ statt nach einer sinnvollen Alternative für Radler über das Meßdorfer Feld und die Immenburgstraße zu suchen. Zum Vorwurf der Verantwortungslosigkeit in Richtung der Koalition sagte Gabi Mayer von der SPD: „Dem Tag, an dem Sie Umweltspuren zustimmen, werden wir wohl nicht mehr erleben.“ Die Verwaltung zeige mit einem zunächst zeitlich begrenzten Versuch im Kern den richtigen Weg auf, um Nahverkehr und Radfahrer Vorrang einzuräumen, „auch wenn wir als Koalition mit der Detailplanung noch nicht glücklich sind“.

Opposition kritisiert den Zeitpunkt

Die Opposition kritisiert auch den möglichen Zeitpunkt eines solchen Testlaufs. Er kann formal erst nach der Genehmigung des Doppelhaushalts durch die Bezirksregierung Köln erfolgen, die frühestens im September zu erwarten ist. Angesichts der notwendigen Schilder und Markierungen geht die Stadt nicht vor Beginn des kommenden Jahres von einer Umsetzung aus. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, wann die nach der Flutkatastrophe in Ahrweiler und Teilen des Rhein-Sieg-Kreises gesperrte A 61 wieder in Betrieb gehen kann und inwiefern dies die Bonner Autobahnen und das innerstädtische Straßennetz belastet. Eine Verkehrserhebung aus dem Jahr 2019 hatte ergeben, dass auf dem Hermann-Wandersleb-Ring täglich 26.000 Kraftfahrzeuge und 1400 Fahrräder in beiden Richtungen unterwegs sind.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Der General-Anzeiger arbeitet dazu mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Wie die repräsentativen Umfragen funktionieren und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.