Polizei ermittelt Angreifer stürmen Wohnung in Tannenbusch

Update | Bonn · Eine Gruppe von Schlägern hat am Sonntagabend in Bonn-Tannenbusch vier Menschen in einer Wohnung angegriffen. Der Stadtteil fällt immer wieder wegen Kriminalität auf, obwohl die Polizei hart dagegen vorgeht.

Die Polizei war am Sonntagabend in Tannenbusch im Einsatz. (Symbolfoto)

Die Polizei war am Sonntagabend in Tannenbusch im Einsatz. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Lino Mirgeler

Bei einem Angriff in einer Wohnung in Bonn-Tannenbusch haben am Sonntagabend mehrere Männer drei Menschen mit Schlagstöcken verletzt. Wie die Polizei am Montagmorgen mitteilte, soll die Gruppe gegen 19.50 Uhr an der Wohnung an der Sudetenstraße geklingelt haben. Nachdem ihnen geöffnet wurde, hätten sie vier Menschen, die sich in der Wohnung aufhielten, mit Teleskopschlagstöcken angegriffen. Drei von ihnen wurden verletzt, einer der Verletzten kam später in ein Krankenhaus.

Die Polizei traf noch drei der vier Opfer des Überfalls aus der Wohnung an. Die Verdächtigen seien vom Tatort geflohen. Die Polizei leitete eine Fahndung ein, konnte die Täter aber nicht mehr ermitteln. Die Hintergründe der Tat seien noch völlig unklar, hieß es von der Polizei. Ermittelt werde zudem noch, wie groß die Gruppe der Angreifer war und ob die Beteiligten sich kannten.

In Tannenbusch kommt es immer wieder zu Drogen- und Gewaltkriminalität, deshalb steht der Stadtteil auch besonders im Fokus der Polizei. Immer wieder gibt es Razzien, bei denen Drogen, Waffen und Bargeld sichergestellt werden. 2023 konzentrierte man sich auf Neu-Tannenbusch, wo die Behörde 2022 rund 500 Delikte der Straßenkriminalität registrierte. Aktuellere Fallzahlen gibt es noch nicht, die Kriminalitätsstatistik 2023 wird bald vorgestellt. Um dem Verbrechen Einhalt zu gebieten, wurde das „Polizeiliche Aktionsprogramm zur Kriminalitätskontrolle in Tannenbusch“ (Pakt) ins Leben gerufen, bei dem neben den Kripo-Ermittlungen auch mehr Polizeistreifen in Uniform und Großkontrollen vorgesehen sind. In den Schulen im Viertel gibt es Präventionsveranstaltungen, die über die Gefahren von Drogenmissbrauch aufklären. Auch eine Jugendkontaktbeamtin mit pädagogischer Vorerfahrung tut ihren Dienst.

Junger Mann stirbt durch Schuss

Ein trauriger Höhepunkt wurde im Dezember vergangenen Jahres erreicht. Ein junger Mann hatte einen Freund mit einer Waffe erschossen. Ganz Tannenbusch trauerte, was auch die große Anteilnahme bei der Beerdigung des 23-Jährigen zeigte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Unfall gehandelt hatte – offenbar hatte sich der Schuss versehentlich gelöst. Der Fall ist jedoch noch nicht vollends aufgeklärt, Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Im Juni 2023 wurde ein 18-Jähriger auf dem Gelände des Tannenbusch-Gymnasiums durch Messerstiche schwer verletzt. Anfang des Jahres wurde dem damals 17-jährigen Täter wegen besonders schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung sowie Drogenbesitz der Prozess gemacht. Im Beisein von rund 20 Zeugen schlug der Angeklagte das Opfer zunächst ins Gesicht, bevor er ein Messer zückte. Der Richter fand nicht nur für den Täter mahnende Worte: Er habe es selten erlebt, dass Zeugen derart respektlos aufgetreten seien und derart dreist gelogen hätten.

Nicht nur Messer sind im Spiel, es fallen auch Schüsse: So im Oktober 2022 nahe des Tannenbusch-Centers auf ein Auto. Hinter dem Steuer saß ein 19-Jähriger, der nicht verletzt wurde. Im November 2022 nahm die Polizei drei Tatverdächtige im Alter von 22 und 29 Jahren fest, es gab eine Verbindung zur Drogenkriminalität: Gegen zwei der Männer liefen Haftbefehle.

Das war nicht der erste Vorfall dieser Art: Im Mai 2020 feuerten Täter Schüsse auf einen Mercedes ab, der wie ebenfalls am Tannenbusch-Center stand. Und auch hier blieb eine Verbindung zum Drogenmilieu nicht aus. Der 24-Jährige, der am Steuer saß, war in der Vergangenheit bereits wegen Drogendelikten aufgefallen, das Tannenbusch-Center fungierte als Drogenumschlagplatz. Der Fahrer des Mercedes blieb unverletzt, zeigte den Höhepunkt des Streits zwischen rivalisierenden Drogenbanden jedoch bei der Polizei an. Das Täter-Trio aus Alfter, Bornheim und Erftstadt konnte innerhalb der nächsten zwei Monate festgenommen werden.

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