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Bonn: Halsbandsittiche bei Brings-Konzert - Experte bewertet Verhalten

Szenario bei Brings-Konzert in Bonn : Das steckt hinter den Flugmanövern der Halsbandsittiche

Dutzende Halsbandsittiche sind am Samstagabend mehrmals über die Köpfe von Besuchern am Rheinufer in Bonn geflogen. Aggressiv waren die Tiere nicht, sagt ein Experte. Doch was steckte hinter den Flugmanövern?

Eine scheinbar außer Rand und Band geratene Schar von Halsbandsittichen fliegt mehrmals im Zentimeterabstand über die Köpfe von Menschen am Rheinufer hinweg – das Szenario vom vergangenen Samstag im Umfeld des Konzerts der Kölner Gruppe Brings hat für Aufmerksamkeit und bisweilen für Verwirrung gesorgt. Reagieren die Tiere aggressiv auf die anwesenden Menschen? Hat sie der Konzertlärm in Aufruhr versetzt? Ein Experte gibt jetzt Entwarnung. Und er stellt klar: Vergleiche mit dem Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“ um wild gewordenes Federgetier verbieten sich in jedem Fall.

„Die Halsbandsittiche haben in der Nähe ihre Schlafplätze und sind ihre normalen Wege geflogen“, sagt Matthias Overmann vom Bonner Forschungsmuseum Koenig. „Die Tiere sind den ganzen Tag in Gruppen unterwegs auf Futtersuche, abends kehren sie dann zurück. Um sich vor Feinden zu schützen, fliegen sie ziemlich tief rein“, beschreibt der studierte Vogelkundler das Szenario, von dem am vergangenen Samstag Zaungäste des Brings-Konzerts und Passanten gleichermaßen überrascht wurden. „Die Menschen dort standen quasi in der Einflugschneise der Sittiche. Wenn man das Verhalten nicht kennt oder schon einmal beobachtet hat, wirkt es sicher seltsam“, zeigt Overmann Verständnis.

Experte sieht keine Gefährdung für die Halsbandsittiche

Gleichzeitig beruhigt der Ornithologe all jene, die im Verhalten der Vögel eine Reaktion auf die Lautstärke des Konzerts gesehen haben wollen: „Halsbandsittiche sind nicht nur die Nähe zu Menschen gewohnt, sie sind auch sehr gesellige Tiere. Wenn überhaupt waren sie irritiert und neugierig, weil dort abends etwas Lautes los war. Schaden nehmen sie dadurch nicht, weder durch die Musik noch durch die Anwesenheit der Leute.“

Auch das lautstarke Gezeter der Tiere am Samstagabend sei völlig normal – „die quatschen ohnehin viel“, sagt Overmann. Obendrein hätten nicht etwa dieselben Tiere einige Runden über den Köpfen der Menschen gedreht: „Es waren ganz sicher mehrere Gruppen, die nach und nach heimgekehrt sind.“

Die Tiere sollen bereits seit den späten 1970er Jahren in einer wilden Population in Bonn leben. Erst vor einigen Monaten wurden laut Overmann rund 2000 Exemplare gezählt. Gern brüten sie in Fassadenlöchern und in alten Bäumen, wie sie eben auch am Rheinufer vorkommen. In der Vergangenheit hatten Anwohner mehrfach das Verhalten der geselligen Tiere öffentlich zum Thema gemacht – unter anderem, weil die grünen Flieger Walnussbäume regelrecht „abernten“ würden.

Ungebetene Gäste im Schlafzimmer

Auch die GA-Leser beschäftigen die jüngsten Flugmanöver – die Sympathien in Zuschriften liegen dabei klar aufseiten der Tiere. Eine Leserin weist wie der Experte auf die Tatsache hin, dass die Vögel schon seit einigen Jahren ihre Schlafbäume in der Nähe haben. Sie bemüht einen ziemlich handfesten Vergleich für die Situation: „Was würden Sie denn machen, wenn plötzlich andere lärmend durch Ihr Schlafzimmer ziehen?“

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