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Bonn-Holzlar: Enkel nach Tod der Großmutter wegen Mordes angeklagt

Fall aus Bonn-Holzlar : Enkel nach Tod der Großmutter wegen Mordes angeklagt

Nach dem Leichenfund im vergangenen Herbst vor einem Holzlarer Bungalow hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Ein heute 35-Jähriger soll seine Großmutter erwürgt haben.

Am Abend des 16. September vergangenen Jahres wurde eine 86-jährige Rentnerin leblos im Vorgarten ihres Hauses in Holzlar gefunden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben – voraussichtlich ab Mitte Mai müssen sich der Enkel und eine 33-jährige Bekannte des Mannes wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Bonner Schwurgericht verantworten. Die Ankläger gehen davon aus, dass die beiden die Tat gemeinsam geplant hatten, um an das Vermögen der alten Dame zu gelangen. Gleich drei Mordmerkmale – Habgier, Heimtücke und die Verdeckung einer Straftat – sehen die Staatsanwälte als verwirklicht an. Der aufsehenerregende Fall hatte ein breites Medienecho gefunden.

Der Enkel der Seniorin war erst im Januar vergangenen Jahres aus einer langjährigen Haft entlassen worden, die er vollständig verbüßt hatte. Im Dezember 2012 war der heute 35-Jährige von einer Bonner Strafkammer unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls, Raubes sowie wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Seit seiner Entlassung soll der junge Mann bei seiner Großmutter gelebt haben und – so nimmt es die Staatsanwaltschaft an – dort schnell den Plan gefasst haben, die Seniorin umzubringen, um so an deren Vermögen zu kommen. Und hier kommt die Mitangeklagte ins Spiel: Sie sollte dem Enkel nämlich laut Anklage das notwendige Alibi verschaffen, indem sie in ihrer Wohnung blieb und später aussagen sollte, dass man die Nacht gemeinsam verbracht habe.

Was Großmutter und Enkel kurz vor der Tat im Vorgarten besprachen, ist noch unbekannt. Jedenfalls soll der mutmaßliche Täter seine Großmutter am Gartentor des Bungalows in der Alten Bonner Straße erwartet haben, als die Frau gegen 22.15 Uhr mit dem Taxi nach Hause kam. Die Seniorin kehrte offenbar gerade von einem einmonatigen Kuraufenthalt zurück. Den soll der Enkel bereits zum Ausräumen der Wohnung genutzt haben: Bargeld in Höhe von etwa 2200 Euro und allerlei Wertgegenstände, vornehmlich Schmuck, soll er aus dem Haus geschafft und gemeinsam mit der Mitangeklagten teilweise an einen Juwelier veräußert haben. Das Ganze sollte, wie es in der Anklage heißt, wie der Einbruch eines Unbeteiligten aussehen.

Nachbarin hörte Schreie der 86-Jährigen

Nachdem der mutmaßliche Mörder mit seiner Großmutter kurz im Garten spazieren gegangen war und die beiden einige Worte gewechselt hatten, soll der 35-Jährige dann begonnen haben, die alte Dame zu würgen, bis sie keine Luft mehr bekam. Offenbar konnte die Frau aber dennoch zunächst noch laut um Hilfe rufen. Die Schreie schreckten denn auch eine Nachbarin auf, die sofort die Polizei rief. Bei ihrem Eintreffen entdeckten die Beamten schnell die Leiche der 86-Jährigen. Der Enkel wurde in der Nähe angetroffen und noch in derselben Nacht verhaftet. Er weist die Tatvorwürfe strickt von sich.

Auch die Mitangeklagte ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Raub- und Körperverletzungsdelikten saß sie bereits über ein Jahr in Haft. Offenbar wurden bei der Frau auch diverse Gegenstände aus dem Besitz des Opfers gefunden. Die 33-Jährige hat sich offenbar während des Ermittlungsverfahrens geständig gezeigt und den Enkel des Opfers dabei belastet. Möglicherweise hatte das mutmaßliche Täterduo auch noch einen Mittäter. Gegen einen zum Tatzeitpunkt obdachlosen, 20-jährigen Mann wird derzeit noch wegen Beihilfe ermittelt. Bei ihm hatten die Ermittler ebenfalls Wertgegenstände aus dem Besitz der Seniorin gefunden.