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Bonn: Hunderte Fans stürmen zur Imbiss-Eröffnung von Xatar

Massenandrang bei Imbiss-Eröffnung : Xatar bedankt sich bei Polizei und Ordnungsamt

Der Rapper Xatar hat am Samstag einen eigenen Imbiss in der Bonner Innenstadt eröffnet. Hunderte Fans sorgten für einen Ansturm, Corona-Regeln wurden nicht eingehalten. Am Sonntag äußerte sich der Rapper.

Wenn ein Musiker ein Geschäft eröffnet, mobilisiert das viele Fans. Das weiß man jetzt auch in Bonn. Rapper Xatar hat am Samstag für einen Ansturm gesorgt, den man nur schwer unter Kontrolle bringen konnte. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Foto ließ alle Abstandsregeln vergessen, und ein Mundschutz, so schien es, ist nicht sonderlich Instagram-tauglich. Da konnten auch Stadtordnungsdienst und Polizei nur zuschauen und ermahnen, zumindest bis genug Einsatzkräfte vor Ort waren.

Am Vorabend ist es noch ruhig in der Stockenstraße. Xatar, bürgerlich Giwar Hajabi und auf dem Brüser Berg aufgewachsen, steht mit Freunden im kleinen Eingangsbereich des Gebäudes. Kräftige Männer, mit teuren Uhren und schwerem Goldschmuck, denen man das Gangsterrap-Image abkauft.

Erkannt wird er nur von den wenigsten. Sie unterhalten sich über den Imbiss. Er ist nur wenige Quadratmeter groß. Gerade genug Platz für den Grill und eine Ayran-Zapfmaschine. Die Kunden können über den gläsernen Tresen direkt auf ihr Essen schauen, das Warenlager wird durch eine Wand verdeckt.

„Einer der besten Spot Bonns“

„Das ist einer der besten Spots Bonn, direkt in der City, die Uni liegt hier“, erzählt Xatar, der schon Angebote für Studenten plant. Dass es das Essen, vor allem Köfte-Spieße und Falafel, nur auf die Hand gibt, sei kein Problem. „Meine Terrasse ist der Hofgarten.“ Gerade jetzt in der Corona-Zeit für Xatar ein sinniges Geschäftsmodell. Von seinen Gerichten ist er überzeugt. „Ich habe schon überall Köfte gegessen, ich bin der beste Spezialist“, sagt er selbstsicher. Werbung? Fehlanzeige.

Kurz vorher gibt Xatar über Instagram bekannt, wo sein „Haval-Grill“ eröffnen wird. Das sehen Zehntausende. Sie kennen aber auch die Geschichte, die dahintersteckt.

Xatar, der mittlerweile erfolgreicher Musikproduzent ist, war damals noch für ganz andere Sachen in die Schlagzeilen geraten. In Bonn kannte man ihn als Drogendealer und Schläger. In Deutschland mit einem Mal als spektakulären Goldräuber. 2011 wurde er nach einem Geständnis zu acht Jahren Haft verurteilt. Drei Jahre später entließ man ihn frühzeitig.

Ein Interview aus der Haft lieferte den Stoff für ein Meme, ein Internetphänomen. Auf die Frage „Was ist das Erste was du machst, wenn du raus kommst?“ antwortete Xatar: „Haval gib mir einfach nur einen Köfte-Spieß. Dazu einen schönen frischen Ayran aus der Maschine, weißt du? Wo man den selber so All-You-Can-Drink mäßig zapfen kann“. Jahrelang hatten Fans darauf gewartet. Bis Samstag.

Hunderte Fans strömen zur Imbiss-Eröffnung von Xatar in Bonn

350 Menschen stehen vor Imbiss

Nach Schätzungen des Bonner Ordnungsamts stehen vor dem Imbiss rund 350 Menschen, anfangs noch deutlich mehr. Um 13 Uhr kommen die Stars der Jugendlichen: Xatar, Eno, Mero, Youtuber Knossi. Alle drängen sich auf dem Bürgersteig und der Straße, ohne Mundschutz, ohne Abstand. Durch Gratis-Getränke und Werbegeschenke wird die Situation noch befeuert. Die sieben Mitarbeiter des Ordnungsamts, die vor Ort sind, können nur schulterzuckend zuschauen. Ebenso die vier Polizisten, die kurz darauf eintreffen und dafür sorgen, dass die Busse wieder die Rathausgasse herunterfahren können.

Für Ulrich Forkert vom Stadtordnungsdienst eine beunruhigende und nur schwer zu überblickende Situation. Vor allem weil die Stadt mit einer herkömmlichen Ladeneröffnung gerechnet hatte, für die grundsätzlich der Betreiber selbst verantwortlich ist. „Was wir gerade erleben ist aber sehr weit davon entfernt. Die Bestimmungen werden nicht eingehalten, weswegen wir den Betreiber zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert haben“, sagt er. Zwar haben Inhaber Xatar und sein Restaurantchef Drängelgitter aufgestellt, Bodenmarkierungen gemacht und sogar einen Sicherheitsdienst engagiert. Doch das alles bringt nichts. Xatar und seine Eskorte verschwinden schnell wieder, um die Situation zu entschärfen. Die Fans warten trotzdem und wollen Köfte-Spieße essen, für die sie zwei Stunden angestanden haben.

Friedliche Stimmung, keine Auseinandersetzungen

„Dennoch ist die Stimmung friedlich, es gibt keine Auseinandersetzungen“, sagt Forkert. Für ihn der Grund, eine Deeskalationstrategie zu verfolgen. Würde man den Laden schließen, könnte das die Stimmung kippen lassen. Also gehen die Ordnungskräfte bedacht ins Getümmel: Schreiten die Warteschlange ab, fordern die Gäste auf, Abstand zu halten und einen Mundschutz aufzusetzen. Wer einen Spieß hat, muss den Bereich verlassen. Forkert spielt aber auch auf Zeit: Der Spießvorrat ist schließlich endlich. Und so verkündet der Koch gegen 16.30 Uhr, dass er ausverkauft ist. Wer Köfte haben will, muss in den nächsten Tagen wiederkommen.

Die Instagram-Werbemaschine läuft unterdessen weiter. Wer einen Köftespieß ergattert hat, lässt das seine Freunde wissen und empfiehlt ihnen direkt einen Besuch. Xatar dürfte das freuen, er findet dennoch kritische Worte: „Havalgrill war frühzeitig ausverkauft, war aber auch besser so, weil die Corona-Schutzmaßnahmen nicht mehr eingehalten werden konnten. Danke an das Ordnungsamt und die Polizei Bonn.“ Das haben sie von einem Gangsterrapper wahrscheinlich auch noch nie gehört.