Aloisiuskolleg und Heliand-Bund Jesuiten suchen nach weiteren Missbrauchsopfern eines Paters

Bad Godesberg · Ein 2002 verstorbener Pater soll Kinder und Jugendliche körperlich und sexuell missbraucht haben, und zwar im Bereich der außerschulischen Jugendarbeit. Vier seiner Taten sind im Zinsmeister-Bericht dokumentiert. Nach neueren Bewertungen ist nicht auszuschließen, dass er weiteren Missbrauch begangen hat.

Per Online-Aufruf sucht das Aloisiuskolleg nach weiteren Missbrauchsopfern eines 2002 verstorbenen Paters.

Per Online-Aufruf sucht das Aloisiuskolleg nach weiteren Missbrauchsopfern eines 2002 verstorbenen Paters.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Das Aloisiuskolleg (Ako) in Bad Godesberg und der Heliand-Bund suchen nach Opfern von Pater Alfred Stump SJ, der als Jugendseelsorger von 1967 bis 1988 unter anderem Leiter der ND-Gruppe (Bund Neudeutschland) Sankt Michael am Ako gewesen ist. Der 2002 verstorbene Jesuit war ab 1983 auch für den Heliand-Bund in der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) tätig, sodass er auch über das Kolleg hinaus aktiv gewesen ist. Ein entsprechender Aufruf wird auf den Webseiten der beiden Institutionen veröffentlicht.

Pater Stump soll Kinder und Jugendliche körperlich und sexuell missbraucht haben, seine Taten sind schon im vom Jesuitenorden in Auftrag gegebenen und 2011 veröffentlichten Aufklärungsbericht von Julia Zinsmeister dokumentiert. Aus dem Bericht und aus Gesprächen sei „das schwere Ausmaß der Taten deutlich geworden“. Nach neueren Bewertungen, so heißt es in dem Aufruf, könne nicht ausgeschlossen werden, dass „Pater Stump weiteren Missbrauch im Kontext des ND beziehungsweise des Heliand begangen hat“. Daher habe sich der Provinzial der Jesuiten in Absprache mit dem Ako entschieden, den Aufruf zu veröffentlichen.

Man schaue sich den mittlerweile 13 Jahre alten Bericht immer wieder an und bewerte ihn neu, sagt Ako-Rektor Pater Martin Löwenstein SJ. Was den Missbrauch im Kolleg, im Internat und auch im Scouting angehe, hätten sich direkt oder indirekt Betroffene gemeldet. Für den Bereich der KSJ aber gelte das über die vier im Bericht erfassten Opfer nicht. „Das hat Fragezeichen aufgeworfen“, so der Rektor. Schließlich handele es sich bei einem Fall um schweren sexuellen Missbrauch.

Zwar gebe es Einschätzungen von Fachleuten, dass dies bei einem Täter auch nur einmal vorkommen könne. „Gewöhnlich aber gilt: Missbrauchstäter bleiben Missbrauchstäter“, so Löwenstein. Daher wolle man nichts unversucht lassen. „Ich hoffe zwar nicht, dass es weitere Betroffene gibt“, sagt der Ako-Rektor. „Wenn es aber so ist, möchten wir sie ermutigen, sich zu melden.“ Gewaltopfer hätten vielfach das Gefühl, dass sie alleine seien. „Es ist wichtig, zu zeigen, dass dem nicht so ist.“

Schwerer sexueller Missbrauch

Im Zinsmeister-Bericht sind insgesamt vier Vorfälle von Pater „Ludwig“, so sein Name in dem Dokument, festgehalten, und zwar drei Hinweise auf körperliche sowie einer auf sexuelle Übergriffe. Letztere ereigneten sich in den 1980er Jahren, dabei geht es um sadistische Nötigungshandlungen und vielfältige sexuelle Übergriffe bis hin zum gewalttätigen Analverkehr.

Das „Martyrium einer 16-Jährigen“ sei bereits im 2010 veröffentlichen Raue-Berich erwähnt worden. Es soll während einer Jugendfreizeit des Heliand-Bundes stattgefunden haben. Das Opfer hatte später angegeben, der Gruppenleiterin zwar mitgeteilt zu haben, dass sie „schlecht behandelt würde, diese hätte ihr jedoch nicht geglaubt. Ihre Eltern habe sie damals nicht ins Vertrauen gezogen“, so der Bericht.

Ein ehemaliger Schüler, der das Ako zwischen 1968 und 1974 besuchte, berichtete, dass Pater Stump ihn während des Unterrichts geschlagen habe – mit der Hand, an der er einen Siegelring trug, und so hart, dass seine Lippe geblutet habe.

Der nächste Vorwurf: In Cassel, das Ziel zahlreicher ND-Fahrten, habe Stump zwei 14- und 15-jährige Brüder aus einem Nachbardorf körperlich misshandelt. Und zwar so massiv, dass ein ärztliches Attest eingeholt und ein Strafbefehl gestellt wurde. Die Verurteilung folgte. In einem Strafbefehl aus dem Jahr 1972 wurde er zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen á 20 D-Mark verurteilt.

Ein ehemaliger Schüler berichtete schließlich von seinen Erinnerungen aus dem Jahr 1974. Die Wutausbrüche des Paters seien „im Rahmen der Aufenthalte der ND-Gruppen in Cassel gefürchtet gewesen“. Als ND-Mitglied habe er, der ehemalige Schüler, an verpflichtenden Exerzitien teilnehmen müssen und sei einmal wegen angeblicher Manipulation an einer Marienkerze von Pater „Ludwig“ mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden.

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