Weiter Kritik an „Woelki-Hochschule“ Bonner Katholikenrat protestiert gegen Finanzierung mit Kirchensteuern

Bonn · Erst eröffnet Erzbischof Woelki seine eigene Hochschule, es wird das Priesterseminar im Collegium Albertinum in Bonn geschlossen und dann fließen auch noch zwei Millionen Euro im Jahr nach Köln. Der Bonner Katholikenrat sagt: Woelki hat Zusagen nicht eingehalten.

 Leerer Flur im Priesterseminar Collegium Albertinum: Der Bonner Katholikenrat protestiert gegen die Verlagerung der Priesterausbildung nach Köln.

Leerer Flur im Priesterseminar Collegium Albertinum: Der Bonner Katholikenrat protestiert gegen die Verlagerung der Priesterausbildung nach Köln.

Foto: Meike Böschemeyer

In einem offenen Brief an das Erzbistum Köln protestiert der Bonner Katholikenrat gegen die Finanzierung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT). Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte sich im Dezember mit seinen umstrittenen Hochschulplänen durchgesetzt: Der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat des Erzbistums genehmigte einen Wirtschaftsplan, der für 2024 einen Zuschuss von 1,8 Millionen Euro aus Kirchensteuern vorsieht. „Die Zusage des Erzbischofs, dass dies in den ersten sechs Jahren der KHKT nicht nötig sein werde, wird damit nicht eingehalten“, kritisiert die Vertretung der katholischen Laien in Bonn.

„Angesichts der schlechten Prognosen für die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen in den nächsten Jahren und den sogar im karitativen Bereich bereits angekündigten Einsparungen, fehlt den engagierten Ehrenamtlichen aus Gemeinden und Verbänden das Verständnis dafür, dass für eine kleine Zahl von Studenten diese private Hochschule ausgebaut und räumlich und personell neu ausgestattet wurde“, so der Vorstand des Katholikenrats. Die „Woelki-Hochschule“ war entstanden, als das Erzbistum die Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin übernommen und nach Köln verlagert hatte. Seitdem wird die Priesterausbildung Stück für Stück nach Köln verlagert, was bereits mehrfach für Protest aus Bonn gesorgt hat.

Priesteramtskandidaten ziehen aktuell aus

Zurzeit ziehen die Priesteramtskandidaten aus dem laut Erzbistum sanierungsbedürftigen Collegium Albertinum aus. Die Universität Bonn hat mehrfach auf die bestehende Regelung hingewiesen, wonach das Studium der angehenden Priester in ihrer Katholisch-Theologischen Fakultät stattzufinden hat. „Abgesehen von dieser geltenden Rechtslage – deren Einhaltung auch das Land Nordrhein-Westfalen angemahnt hat – gibt es an der KHKT für die Studenten weder die Möglichkeit zum regelmäßigen fachlichen Austausch mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät, noch interdisziplinäre und interreligiöse Begegnungen mit anderen Studierenden im Alltag“, kritisieren die Bonner Laienvertretung, deren Vorsitzende Andrea Honecker ist.

Der Vorstand des Bonner Katholikenrats fordert Woelki in dem offenen Brief auf, die Kritik und Bedenken, die von Senat und Hochschulrat der Universität Bonn, vom Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät und seinen Kollegen, von namhaften Rechtswissenschaftlern und außeruniversitär in Kirche und Gesellschaft, auch von politischen Mandatsträgern, geäußert wurden, ernst zu nehmen. Auch Ende Januar verstorbene Stadtdechant Wolfgang Picken hatte sich immer für die Hochschulausbildung an der Fakultät in Bonn stark gemacht.

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