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Bonn: Kiosk an der Colmantstraße - Betreiberin Helga Karsten ist tot

Trauer um eine Institution : Betreiberin des Kiosks an der Colmantstraße ist tot

Helga Karsten, die Betreiberin des Kiosks an der Colmantstraße in Bonn ist tot. Im Viertel kannte sie so gut wie jeder. Nun stehen Blumen vor ihrem Büdchen.

Im Viertel war sie eine Institution. Entsprechend groß ist die Trauer im Musikerviertel und in der übrigen Weststadt, seit jetzt bekannt wurde, dass die Kioskbetreiberin Helga Karsten gestorben ist. Seit Jahrzehnten hatte sie an der Kreuzung von Meckenheimer Allee, Colmant- und Quantiusstraße ihre Kunden täglich mit Zeitungen, Süßigkeiten oder Zigaretten versorgt. Dem Tabakgenuss sprach sie vor der Tür ihres Lädchens auch selbst in einer Weise zu, dass dies zu einer Art Markenzeichen wurde. Jetzt ist das Büdchen zu, und immer wieder bleiben am Freitag Stammkunden vor ihm stehen und tauschen ihre Erinnerungen an die Betreiberin aus.

„So ruppig sie in ihrer Art manchmal auch wirkte: Helga Karsten war eine hochintelligente, belesene und vielseitige Frau“, erzählt Dorothee Leggewie aus dem Musikerviertel. Für die Menschen ringsum sei sie „Mittelpunkt eines Mikrokosmos“ gewesen, viele Leute hätten sich über sie erst kennengelernt, so Leggewie, die täglich ihre Zeitungen bei Helga Karsten kaufte – und sie in Zeiten der Abwesenheit sogar von ihr nach Hause gebracht bekam. Auch im Café schräg gegenüber erinnert man sich gern an die alte Dame: „Ich habe bei ihr auch immer etwas gekauft“, sagt ein Mitarbeiter und denkt noch mit Schrecken an das schwere Unwetter im vergangenen Sommer, als ein schwerer Ast auf den kleinen Kiosk niedergegangen war. Als er jetzt einen Tag geschlossen blieb, machten sich Nachbarn erneut sorgen. Ein junger Mann aus dem Nachbarhaus telefonierte die Bonner Krankenhäuser ab und informierte schließlich die Polizei. Die fand Helga Karsten tot in ihrer Wohnung.

Vor dem Büdchen stehen Blumen, und ein Ehepaar hat einen längeren Nachruf verfasst und an dem verschlossenen Verkaufsfenster angebracht. „Sie war eine Stadtpflanze, verwachsen mit diesem Viertel hinter dem Bahnhof. Für uns war sie einfach immer da. Auch wenn wir das oft gar nicht wahrnahmen, oder nur aus dem Augenwinkel, im Vorbeigehen“, heißt es auf dem mit Schreibmaschine getippten Text. Und weiter: „Ich muss noch zu Helga, die Zeitung kaufen, hieß es früher bei uns (…) Wir sind traurig und werden sie immer vermissen“.